ECKERNFÖRDER ZEITUNG

 

Mehr Mitsprache

18. Januar 2012 | 00:05 Uhr | Von Raju Sharma

Seit Mitte der 1970-er Jahre verlieren alle Parteien Mitglieder: SPD eine halbe Million, CDU eine viertel Million, die FDP seit 1990 mehr als 110 000. Auch Die Linke hat nach einem Boom bis 2009 Mitglieder verloren. Immer weniger Menschen engagieren sich in politischen Parteien und verzichten darauf, Politik selbst zu gestalten. Andere Organisationen haben mit vergleichbaren Problemen zu kämpfen: Der Deutsche Olympische Sportbund beklagt, dass fast die Hälfte der Sportvereine vom demographischen Wandel betroffen sind und kaum noch junge Mitglieder gewinnen. Für mehr als 1500 Vereine sei dies ein existenzielles Problem.

Für die Parteien ist das ein schwacher Trost. Statt auf die allgemeine Politikverdrossenheit zu verweisen oder auf andere Organisationen zu zeigen, müssen sie sich stattdessen die Frage stellen, warum sich zwar immer mehr Menschen für ihre Anliegen stark machen - beispielsweise in Bürgerinitiativen oder lokalen Bündnissen - sich aber gegen die Parteimitgliedschaft entscheiden.

Zwei Aspekte sind hier besonders auffällig. Der erste betrifft die politischen Inhalte. Die Parteien scheinen inhaltlich austauschbar zu sein. SPD, Grüne, Union und FDP stehen mehr oder weniger für die gleiche politische Richtung: Rente ab 67, Bundeswehreinsatz in Afghanistan, Hartz IV. Mit der Linken gibt es zumindest eine Alternative. Auch deshalb eilte die Partei von Wahlerfolg zu Wahlerfolg, die Mitgliederzahlen stiegen. Als Oskar Lafontaine 2009 im Saarland als Ministerpräsidentenkandidat ins Rennen ging, konnte meine Partei nicht nur 21,3 Prozent der Stimmen erreichen. Auch die Wahlbeteiligung legte um 12 Prozent zu. Für einen dauerhaften Mitgliederzuwachs reicht das allerdings nicht aus.

Als Bundesschatzmeister der Linken fühle ich mich besonders für einen zweiten Aspekt verantwortlich: Wie wird eine Parteien ein attraktiver Ort, an dem man Politik gestalten kann? Parteien werden nicht zu Unrecht mit Ochsentour, Hinterzimmern und langen Sitzungen in Verbindung gebracht. Unter dem Titel "Linke 2020" sucht meine Partei nach Lösungen und neuen Wegen. Mitglieder sollen mehr Mitspracherechte erhalten. Eine offene und transparente Kommunikation will auf Dialog setzen, statt Parteiverlautbarungen zum Nachbeten zu verbreiten. Sympathisanten sind schon jetzt eingeladen, in der Linken mitzumachen, ohne gleich Mitglied zu werden. Wo sie es noch nicht ist, soll die Linke ein Ort des produktiven politischen Streits werden, der Kultur und der politischen Bildung, an dem alle Interessierten eingeladen sind, sich einzubringen und mitzumachen.

Sicher gab es in der Diskussion dazu auch Rückschläge - wie die Entscheidung, den Mitgliederentscheid über die Parteiführung nicht zuzulassen. Immerhin läuft die Diskussion jetzt und ich kann Sie nur ermuntern, mitzumachen. Am besten in der Linken, notfalls auch in einer anderen Partei. Das Engagement lohnt sich und macht mehr Spaß, als Sie möglicherweise vermuten.


 

Leserkommentare

 


Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben. Anmelden

Warum muss ich mich anmelden/registrieren?

shz.de distanziert sich prinzipiell von allen in den Leserkommentaren geäußerten Meinungen ohne Rücksicht auf deren Inhalte. Alle Beiträge in den Leserkommentaren geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen der User wieder.

Bitte beachten Sie unsere Richtlinien für Kommentare!


Lokalausgabe wählen

 
 

SONDERTHEMEN

Hier finden Sie die aktuellen Sonderthemen aus Ihrer Tageszeitung

24.05.

 

22.05.

18.05.


Die aktuellen Sonderbeilagen der Tageszeitung

 


Was suchen Sie?

z.B. "Hotel", "Software", "Müller"

Wo suchen Sie?

z.B. "Flensburg" , "Rote Str."

Wen suchen Sie?

z.B. "Hotel", "Software", "Müller"

Wo suchen Sie?

z.B. "Flensburg" , "Rote Str."

 
INSTITUT50PLUS
Lebendig leben...
Angebote für eine aktive Lebensgestaltung
 

REDAKTION ECKERNFÖRDE

Gernot Kühl, Redaktionsleitung
(04351) 9008-1470

 

Arne Peters, Stadtredaktion
(04351) 9008-1480

 

Achim Messerschmidt, Hüttener Berge
(04351) 9008-1482

 

Dirk Steinmetz, Schwansen
(04351) 9008-1483

 

Susanne Meise, Dänischer Wohld
(04351) 9008-1484

 
 
HÄUFIG GELESEN

Drei Tote bei Verkehrsunfällen im Norden

Drei Menschen sind am Donnerstag bei Verkehrsunfällen in Hamburg und Schleswig-Holstein ums Leben ...mehr

 
 


KONTAKT | IMPRESSUM | AGB | DATENSCHUTZ