LANDESZEITUNG

 

Medizingeschichte geht "Durch Mark und Bein"

09. September 2010 | Von akk

Wie Kochenbrüche behandelt wurden, zeigt die Medizinhistorische Sammlung Kiel.

Kiel. Es war im November 1939, als ein alkoholisierter Ingenieur aus 15 bis 20 Metern Höhe auf das Trockendeck einer Kieler Werft fiel. Dabei brach er sich unter anderem den Oberschenkelknochen. Dass der Mann später wieder fit war, hatte er dem Mediziner Gerhard Küntscher (1900-1972) zu verdanken. Denn bei der Operation schlug Küntscher ihm als ersten Menschen einen Marknagel in den Knochen. Der Arzt notierte in seinem späteren Krankenbericht gute Ergebnisse. Trotzdem entwickelte sich Küntschers Technik erst in den 50-er Jahren zur gängigen Behandlungsmethode.

Noch bis zum 3. Oktober wird in der Medizin-Pharmaziehistorischen Sammlung der Universität Kiel neben dem täglichen Museumsbetrieb die Geschichte der Marknagelung vorgestellt. In der Sonderausstellung "Durch Mark und Bein" werden dem Besucher zahlreiche Exponate zu diesem Thema präsentiert.

Neben Gegenständen für Marknagelungen werden weitere medizinische Geräte präsentiert, deren Entwicklung überwiegend in und um Kiel stattgefunden hat. So wird in den Räumen die "1. Hilfe Fibel" ausgestellt, die von Friedrich von Esmarch (1823-1908) herausgegeben wurde. Ihr beigefügt war das bis heute gebräuchliche Dreieckstuch. Der Kieler Ehrenbürger von Esmarch gilt als Begründer des zivilen Samariterwesens. Außerdem werden verschiedene Stücke des Röntgenexperten Ernst Pohl (1876−1962) ausgestellt. Pohls Name steht bis heute vor allem für das "Omniskop", ein großes Röntgengerät, mit dem der Patient ohne großen Kraftaufwand in alle notwendigen Positionen geschwungen werden konnte.

Eine Besonderheit erwartet die Besucher der Pharmaziehistorischen Sammlung am Freitag, 10. September, um 22 Uhr. Unter dem Motto "Nachts im Museum" wird das Publikum auf eine literarische Erkundungstour mitgenommen. Zusammen mit dem Schauspieler Karl Schmid-Werter können die Besucher einen Blick hinter die Kulissen des Museums werfen und viele Exponate und Räume in einem neuen Licht betrachten.Museumstour: 9,50 Euro, ermäßigt bei 6 Euro. Info und Anmeldung

Tel. 0431 / 880-5721


 

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