ECKERNFÖRDER ZEITUNG

 

Liebenswerte Sänger mit "paradiesischen Stimmen"

30. Juli 2010 | 04:40 Uhr | Von Sylvia Meisner-Zimmermann

Der musikalische Leiter und Dirigent Hermes Helfricht mit den Abiturienten des Dresdner Kreuzchores. Foto: meisner-zimmermann

Eckernförde. Im Umkreis keine Parkplätze mehr, Zustellstühle im Mittelgang der Borbyer Kirche und auch auf der Empore alles besetzt - es musste etwas Besonderes auf dem Programm stehen. Der Besucherandrang war enorm, denn am Dienstagabend sangen die Abiturienten des Dresdner Kreuzchores geistliche und weltliche Werke, Kompositionen - entstanden zwischen 1525 und Gegenwart. Alle 14 Sänger sind einer großen Tradition verpflichtet. Gegründet als Lateinschule an der "capella sanctae crucis", der heutigen Kreuzkirche, hat sich mit ihr die mittelalterliche Kunst liturgischer Knabengesänge bis heute erhalten.

Nach neun Schuljahren nahmen die Absolventen nun Abschied von der Gemeinschaft des Dresdner Knabenchores, planten jedoch beizeiten eine Verlängerung für die erfahrene Zusammengehörigkeit. Die 14 Dresdner Abiturienten - ihr musikalischer Leiter und Dirigent Hermes Helfricht eingeschlossen - befinden sich zurzeit auf Deutschlandtour und wollen in den nächsten Wochen rund 4000 Kilometer zwischen Berlin und München in zwei Kleinbussen zurücklegen. Für diese Konzertreise haben sich die jungen Sänger über ein Jahr lang vorbereitet. Komponisten wie Bach, Beethoven, Schubert, von Weber, Mendelssohn, Wagner, Mozart und Bruckner stehen zum einen auf ihrem Programm. Andrerseits haben sie auch Spirituals, das "Ännchen von Tharau" oder den Beatles-Song "Yesterday" im Gepäck.

Geschlossener Auftritt in Schwarz-Weiß, knappe, freundliche Begrüßungsworte und dann begannen sie zu singen. 13 junge Stimmen, seit vielen Jahren aufeinander eingestimmt, seit langer Zeit mit den Kompositionen der großen Meister befasst, ausgebildet von Könnerhand, begeistert im gemeinsamen Vortrag - Jugendlichkeit verbunden mit großer Erfahrung und einfach atemberaubendem Können: Wer hätte da nicht Herz und Seele geöffnet. Da half nur Hingabe. Es wurde ernst, es wurde wesentlich, wenn mit "Stimmen aus dem Paradies" ("canta d’ elysio" - das Motto der Sänger) Gott in seiner Größe, Liebe und Güte gelobt, der Psalm "Der Herr ist mein Hirt" voller Andacht gesungen und Schuberts "Heilig ist der Herr" musikalisch gebetet wurde.

Die liebenswerten Sänger mit den "paradiesischen Stimmen" eroberten alles: Herz, Hirn und Spendengelder für die Weiterreise.


 

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