ECKERNFÖRDER ZEITUNG

 

Bildungsfinanzausgleich

Land will Bundesgeld für die Bildung

11. Februar 2012 | 00:10 Uhr | Von Henning Baethge

Schleswig-Holsteins Wissenschaftsminister Jost de Jager (CDU) fordert einen neuen Bildungsfinanzausgleich für arme Bundesländer.

Kiel / Berlin. "Wir wollen die Möglichkeit für Finanzhilfen zum Ausgleich unterschiedlicher Leistungsfähigkeit in Bildung und Wissenschaft schaffen", sagte de Jager gestern im Bundesrat beim Einbringen einer Landesinitiative für mehr Bundesgeld in der Bildungspolitik.

Nach aktuellen Prognosen steigen die Studentenzahlen in Schleswig-Holstein in den nächsten zehn Jahren noch stärker als bisher gedacht. Nicht nur deshalb fällt es dem Land zunehmend schwer, ausreichend Mittel für seine Hochschulen aufzubringen. Am drastischsten zeigte sich das, als die Landesregierung vor eineinhalb Jahren aus Geldnot die renommierte Universität Lübeck schließen wollte. Nur weil Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) die Finanzierung des Kieler Geomar-Instituts übernahm, konnte de Jager die Uni retten.

"Nationale Bildungsstandards umsetzen"

Um solche Tricksereien künftig überflüssig zu machen, will nicht nur de Jager dem Bund wieder gerade Wege einräumen, Geld für Bildung auszugeben. Weil Bildung laut Grundgesetz Ländersache ist, darf Schavan sich bisher für Schulen gar nicht und für Hochschulen nur ausnahmsweise finanziell engagieren - seit der letzten Reform des Föderalismus weniger denn je. Nur Wissenschaftsprojekte von überregionaler Bedeutung kann sie fördern.

Das möchte de Jager ebenfalls ändern. Er fordert daher nicht nur einen Bildungsfinanzausgleich, sondern auch, dass Schavan künftig Hochschulen direkt unterstützen kann: "Der Bund muss die Möglichkeit bekommen, neben der Projektförderung in die institutionalisierte Förderung einsteigen zu können", sagte er. Zudem will Schleswig-Holstein auch mehr Geld für Schulen aus Berlin, um "nationale Bildungsstandards umzusetzen".

Hamburg will Gleichbehandlung der Länder

Abgestimmt wurde über den schleswig-holsteinischen Antrag gestern ebenso wenig wie über einen teils ähnlichen, teils aber auch entgegengesetzten Antrag Hamburgs. Vielmehr sollen sich jetzt erst mal die zuständigen Ausschüsse des Bundesrats mit den Vorstößen befassen. Chancenlos ist de Jagers Initiative aber nicht - obwohl sie eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Bundesrat und auch im Bundestag braucht.

Denn auf Bundesebene ist die Forderung nach mehr Bundesgeld für die Bildung zumindest bei SPD und Grünen längst offizielle Parteilinie; in CDU und FDP wird zumindest schon kontrovers diskutiert. Bayern und Hessen sind noch entschiedene Gegner von de Jagers Plänen, weil sie darin einen "schleichenden Prozess zum Bildungszentralismus" sehen, wie Hessens Bundesratsminister Michael Boddenberg sagte. Doch das schwarz-gelb regierte Niedersachsen schloss sich gestern überraschend den hochschulpolitischen Wünschen Schleswig-Holsteins an. "Das zeigt, dass wir nicht allein unterwegs sind", freute sich de Jager.

Den Antrag Hamburgs, den auch Berlin und Brandenburg unterstützten, sieht er dagegen mit gemischten Gefühlen. Die Hansestadt will auch mehr Geld vom Bund - doch will sie dabei "die Gleichbehandlung aller Länder sicherstellen". Das aber widerspricht de Jagers Plänen für einen Bildungsfinanzausgleich: "Damit wird strukturschwachen Regionen nicht geholfen, sondern das Nord-Süd-Gefälle nur noch weiter verstärkt", fürchtet er. Er hält den Hamburger Vorstoß daher zwar für "taktisch durchaus hilfreich, in der Sache aber nicht."


 

Leserkommentare

 
JÖRG HENSEL 11.02.2012 11:12
Landesregierung missachtet den Arbeitsschutz in den Schulen schon seit über 16 Jahren

Die Ursachen für den Unterrichtsausfall liegen nicht in den nicht vorhandenen Millionen für Bildung. - Vielmehr haben alle Regierungen seit 1996 es nicht gewollt, das Arbeitsschutzgesetz zur Reduzierung der Frühpensionierungen bei den Lehrkräften umzusetzen. Hieraus entstanden/entstehen Unterrichtsausfall etc.. - Jetzt, kurz vor der Wahl Bildungsmillionen beim Bund zu beantragen ist finanzieller Nonsens, da diese Millionen solange verpuffen werden, wie das Arbeitsschutzgesetz weiterhin missachtet wird. - Die Reportage des Schleswig-Holstein Magazins über die wahren Ursachen die Bildungsnotstands spricht dabei eine deutliche Sprache.

www.youtube.com/watch

O. TRUTZEL 11.02.2012 12:44
Was sagte ein Staatssekretär in 2010 der IZG-SH

Wir haben immer mehr Geld, geben es aber für andere Dinge aus!
Ja, das trifft es.

NORBERT KARL 11.02.2012 13:37
Föderalismusreform

Wenn ich das so richtig verstanden habe:
Reform des Föderalismus 2005/6 = Kirchturmpolitik ???

HANS STEIN 11.02.2012 22:35
Merkwürdig

Vor ein paar Tagen wurde uns noch suggeriert auf welch gutem Weg S-H finanziell ist und jetzt wird um Bundesgelder gebettelt?

Man soll ja nicht immer nur meckern, sondern konstruktive Kritik äußern. Mein Vorschlag: Halbiert die Anzahl der Landtagsabgeordneten und es ist genug Geld für die Bildung da.



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