ECKERNFÖRDER ZEITUNG
"Ich bin niemals beklunkert"
Strande. Ihr Beruf ist vom Aussterben bedroht. Zahlreiche Gründe gebe es dafür, sagt Suse Albrecht, Goldschmiedin aus Strande. Und auch wenn die Mutter zweier Söhne eine Tochter hätte, "dann würde ich ihr nicht raten, diesen Beruf zu ergreifen, auch wenn er ein sehr, sehr schöner ist", so Albrecht. Ein Beruf, den die 48-Jährige immerhin schon 30 Jahre lang ausübt - mal mehr, mal weniger intensiv. "Ich habe jahrelang davon gelebt", sagt sie, dann rückte das Familienleben in den Vordergund. Dennoch: Es vergeht kaum ein Tag, an dem Suse Albrecht nicht Zeit in ihrer kleinen Werkstatt, die in ihr Privathaus in Strande integriert ist, verbringt.
"Eigentlich braucht man als Goldschmied nicht viel Platz", sagt sie und setzt sich an einen der drei Arbeitsplätze an ihrer kleinen Werkbank. Die beiden anderen Plätze sind für Gäste bestimmt, denn bei Albrecht können auch Laien kreativ werden und sich unter Anleitung von der gelernten Goldschmiedin ihr eigenes Schmuckstück anfertigen. Einige von ihnen sind Touristen, die bei Albrecht eine Unterkunft gefunden haben. Sie vermietet regelmäßig zwei Gästezimmer.
Gut zwei Dutzend Zangen für jeden einzelnen Handgriff hängen an der Werkbank. Bevor sie jedoch zum Einsatz kommen, bugsiert Albrecht mit einer Pinzette vorsichtig Flussmittel auf den noch steinlosen Ringkopf, den sie im Anschluss mit dem eigentlichen Metallring löten möchte. "Damit das Lot fließen kann", erklärt sie. Das Löten ist die wichtigste Goldschmiede-Technik zur dauerhaften Verbindung von metallischen Teilen. Durch Diffusion entsteht dabei eine neue Legierung. Die Verarbeitung von Metallen sei das Kerngebiet ihres Berufes, der sich damit von dem des Steinschleifers, Graveurs oder Steinfassers differenziere, erklärt die staatlich geprüfte Schmuckdesignerin, die 15 Jahre lang als selbstständige Goldschmiedin in der Kieler Galerie Akzente arbeitete, bevor sie 2003 nach Strande zog.
Vornehmlich Ringe, Ohrringe und Halsketten fertigt Albrecht in ihrer Werkstatt, aber auch Gürtelschnallen, Broschen und Intimschmuck hat sie bereits gestaltet. Und fast allen ist eines gemein: Suse Albrechts ganz eigene Handschrift. Meistens arbeitet sie mit mindestens zwei unterschiedlichen Metallen, Silber und 900er Gold, Silber und Palladium oder Gold und Gold. Je höher der Goldgehalt, desto farbintensiver das Gold. Neben der Zweifarbigkeit sind es die strukturierten Oberflächen, die zu Albrechts Markenzeichen geworden sind. Wie diese entstehen, verrät sie jedoch nicht. "Ein guter Goldschmied hat wirklich ganz viele Betriebsgeheimnisse, die er nicht preis gibt", sagt Albrecht, lacht und schweigt eisern. Auch Fundstücke vom Strand, Kieselsteine oder Scherben, integriert sie heute in ihre Schmuckstücke. Sie sind häufig Ausgangspunkt für eine Idee, eine Kreation und werden dann unbearbeitet in die Metalle eingearbeitet, "nicht akurat steif, sondern klar und doch lebendig". So ist auch Kupfer vom Kieler Rathausdach, 1993 bei einem Sturm von Dach geflogen, bereits in ihre Schmuckstücke eingeflossen.
In ihrer Werkstatt findet sich mittlerweile ein reicher Fundus an Schmuckstücken, einige von ihnen in Vitrinen ausgestellt, denn auch Kunden empfängt Albrecht dort. Meistens würden ihr die Schmuckstücke aber "vom Hals weg geklaut". Auf Messen und Ausstellungen ist sie selbst das beste Model. Aber sie betont: "Ich bin niemals beklunkert. Das mag ich nicht. Ich mag, wenn ein Schmuckstück zur Geltung kommt. Ein Ring pro Hand reicht."
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