ECKERNFÖRDER ZEITUNG

 

Grundehrliche Musik und Krach

09. September 2010 | 04:30 Uhr | Von Arne Peters

Musiker aus Leidenschaft: Tim Wunderlich, Markus Blaschke, Wilke Willts und Lars Eckhoff (v.l.) sind "Vakuum". Es fehlt Multiinstrumentalist und Sänger Johannes Michelsen. Foto: Peters (2)

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Eckernförde. "Auf’m Dorf" heißen ihre Lieder, "Kleinstadt" oder "Partymörder". Mit grundehrlichem Rock-Pop singen sie von dem Leben auf dem Land, seinen Vor- und Nachteilen, und von dem, womit man sich hier so die Zeit vertreibt. "Vacuum" heißt die Band aus Eckernförde, deren Musik man beim besten Willen nicht als Krach bezeichnen kann. Dennoch nehmen die Bandmitglieder am Sonntag, 19. September, am "Krach-Mach-Tach" in Kiel teil.

An diesem Tag ziehen Menschen mit und ohne Behinderung durch die Kieler Innenstadt und machen Krach. Damit wollen sie denen den Marsch blasen, trommeln oder klingeln, die immer noch von Vorurteilen geprägt sind. "Inklusion" ist das Zauberwort, wie Bassist Tim Wunderlich erklärt: Bei der Integration soll der Mensch mit Behinderung so verändert werden, bis er in die Gesellschaft passt. Bei der Inklusion gehe es darum, die Gesellschaft toleranter zu gestalten, um Menschen mit Behinderungen so zu akzeptieren wie sie sind. Er weiß, wovon er spricht, ist er doch Gruppenleiter in der Eckernförder Werkstatt, wo die Band wöchentlich probt.

Die Parade setzt sich am 19. September um 11 Uhr auf dem Rathausplatz in Bewegung und erreicht mit viel Getöse um 12.30 Uhr das Landeshaus. Dort steigt bis 18 "Uhr eine große Party mit Aktionskünstlern, Essen, Trinken und Live-Musik. Für die sorgt unter anderem "Vakuum" mit ihrem gitarrendominierten Deutschrock. Auch die Gruppe "Godewind" tritt hier auf. "Unsere Lieder sind alle selbst geschrieben", sagt Tim Wunderlich. "Überwiegend von Menschen aus Einrichtungen. Auch alle Texte stammen aus eigener Feder." Ob Lernbehinderung oder psychische Beeinträchtigung - in dieser Band wird die Inklusion gelebt. "Wir sind eine Band, die über Grenzen geht", sagen die Musiker, die sich vor elf Jahren zusammengefunden und auch schon eine eigene CD mit dem Titel "Auf’m Dorf nix los" herausgegebenen haben.

Doch die Band allein ist nicht laut genug für den "Krach-Mach-Tach". Deshalb arbeitet Gruppenleiter Michael Göttsch im Berufsbildungsbereich mit 16 Leuten zurzeit an einem Krach-Fahrrad: Zwei zurechtgeschnittene Öltonnen mit Metallschrott im Inneren als Räder sollen dabei für den entsprechenden Lärm beim Fahren sorgen. Während der Fahrer in die Pedale tritt, soll ein Mitfahrer mit einer Trommel zusätzlichen Lärm produzieren.

"Im Berufsbildungsbereich schnuppern diejenigen, die neu in der Werkstatt sind, in alle möglichen handwerklichen Bereiche hinein. Wir erarbeiten ihre Neigungen und Fähigkeiten, um sie später möglichst sinnvoll einzusetzen." Flexen, Schweißen, Malen - bei diesem Projekt konnten verschiedene handwerkliche Tätigkeiten geübt werden, die ihren Zweck zumindest in einer Hinsicht erfüllen: Sie sorgen für mächtig Krach.


 

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