ECKERNFÖRDER ZEITUNG
Eklat im Bürgerverein - Micha Bund im Kreuzfeuer der Kritik
Vorsitzender Micha Bund und sein Stellvertreter Bernd Wiese (hinten rechts) mit den neu Vorstandsmitgliedern des Bürgervereins Heinz Knudsen, Walter Hansen, Ralf Waschulewski, Claudia Bund und Yvonne Waschulewski (v. l.). Foto: Kühl
Eckernförde. Eklat beim Eckernförder Bürgerverein: Der Vorsitzende Micha Bund musste sich deutliche Kritik und schwere Vorwürfe von drei seiner Vorstandskollegen anhören. Bund habe den Vorstandsbeschluss zur Auflösung des Verein ignoriert und sich nicht um dieses Thema gekümmert, warf ihm Beisitzerin Kirsten Holst am Montagabend während der Mitgliederversammlung im "Lindenhof" vor. Sie erklärte ihren Austritt aus dem Bürgerverein, dem sie seit 33 Jahren angehörte.
Ihr Mann Manfred, Kassenwart des Bürgervereins, legte nach: Bund sei dem Beschluss des Vorstands nicht nachgekommen, eine Mitgliederversammlung einzuberufen, in der über die Auflösung des Bürgervereins diskutiert und gegebenenfalls abgestimmt werden sollte. "Bis heute hat es keine Gespräche gegeben - warum so abgehoben?", warf Holst Bund eigenmächtiges Vorgehen unter Missachtung von Vorstandsbeschlüssen vor. Zudem sei Bund ohne Vorstandsbeschluss durch die Buchung der Polizei-Bigband eine finanzielle Verpflichtung von 500 Euro eingegangen, die Folgekosten von 1000 Euro (Bewirtung, Gema-Gebühren) verursacht hätten. Nach dieser Kritik an Bunds Führungsstil erklärte auch Manfred Holst seinen Austritt aus dem Verein, dem er seit 35 Jahren angehört und in dem er 25 Jahre im Vorstand aktiv war.
Der Verein sei nicht mehr zeitgemäß und hätte sich überlebt, begründete sie anschließend den Wunsch nach einer Auflösung. Die Veranstaltungen seien sehr schlecht besucht, außer den Funktionsträgern käme kaum noch jemand. Und dass alljährlich stattfindende Musikfestival für wohltätige Zwecke mit dem Marinemusikcorps Ostsee oder der Polizei-Bigband würden die Orchester auch ohne Mitwirkung des Bürgervereins weiterhin in Eckernförde durchführen, meinte Kirsten Holst. Somit gebe es keinen Grund für den Fortbestand des Bürgervereins.
Dritter im Bunde der Kritiker ist Schriftführer Peter Büchert. Auch er legte am Montag sein Amt nieder und trat aus dem Bürgerverein aus. Der Vorstand habe am 22. September 2008 beschlossen, dass der Bürgerverein aufgelöst werden sollte, der Vorsitzende Bund sollte sich darum kümmern, sagte Büchert. "Passiert jedoch ist nichts." Büchert warf Bund eine Ignoranz des Vorstandes, "Allüren und Profilierungssucht" vor. Statt dem Wunsch des Vorstandes nachzukommen, habe Bund in Kenntnis der heftigen Dissonanzen mit den drei Vorstandsvertretern und ohne Wissen des Vorstands neue Vorstandsmitglieder aus seinem persönlichen Umfeld akquiriert, die die Vorstandsposten einnehmen sollten.
Und so kam es dann auch: Die wenigen Mitglieder wählten Ralf Waschulewski bei vier Enthaltungen zum neuen Kassenwart. Zur neuen Schriftführerin wählte der Verein bei fünf Enthaltungen Bunds Ehefrau Claudia, die drei neuen Beisitzer sind Walter Hansen, Heinz Knudsen und Yvonne Waschulewski, auch in diesem Wahlgang gab es fünf Enthaltungen. Als Kassenprüfer fungieren Peter-Gustav Sellmer und Bodo Mohr. Der stellvertretende Vorsitzende Bernd Wiese wurde bei drei Enthaltungen wiedergewählt, die Position des Vorsitzenden stand nicht zur Wahl.
Micha Bund entgegnete seinen Kritikern, dass der Vorstandsbeschluss lediglich die Prüfung einer Vereinsauflösung zum Inhalt gehabt habe. Er sei "kein Freund einer Vereinsauflösung ohne Not", er wolle den Bürgerverein, dem laut Bund knapp 70 Mitglieder angehören, erhalten. Er sei froh, dass er neue Leute gefunden habe, um die "Altgedienten", denen er für ihr Engagement dankte, zu ersetzen. Bund verteidigte zudem die ihm vorgeworfene Buchung des Polizeiorchesters für das Wohltätigkeitskonzert. Er habe frühzeitig aktiv werden müssen, um die Stadthalle zu buchen.
In seinem Jahresbericht erinnerte Bund an die gelungenen und gut besuchten Veranstaltungen des Bürgervereins. Als Beispiele nannte er die Informationen zur Sicherheitslage in Eckernförde, das 34. Musikfestival, dessen Reinerlös in Höhe von 2000 Euro an die Stadt übergeben wurde, die öffentliche Podiumsdiskussion zum Thema "Veränderung der Kaufkraft in Eckernförde" sowie die Weihnachtslesung.
Der Lichtbildervortrag von Karl Friedrich Schinkel über Alt-Eckernförde wirkte anschließend wie Balsam für die strapazierten Nerven der Anwesenden.
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