ECKERNFÖRDER ZEITUNG
Eine Reise zur Wurzel der Gilden
Eckernförde. Es war eine Reise durch die Zeit für die Mitglieder der Eckernförer Bürgerschützengilde - zurück zu den eigenen Wurzeln, die bis ins Jahr 1570 zurückreichen. Gildebrüder und -schwestern fanden sich kürzlich im Museum ein, wo ihnen Museumsleiter Dr. Uwe Beitz die Traditionsgeschichte der "löblichen Schützengilde der Stadt Eckernförde" (Anrede aus 1761) am Beispiel der Kulturgeschichte des alten Rathauses nahebrachte. In diesem ist seit 1987 das Museum im und das Restaurant Ratskeller - das Gildelokal - untergebracht. In ihm wurde die Führung bei einem eigens dafür kreierten "Mittelalterlichen Menü" mit Hypocras-Würzwein stilvoll unter der Königstafel der Gilde beendet. Aufgrund der Resonanz wird diese Veranstaltung im Frühjahr 2012 wiederholt (Hinweise unter www.gelbe-westengilde.de).
Zur Einstimmung auf die Zeitreise erklärte Dr. Uwe Beitz den Zusammenhang zwischen Rat und Gilde einer mittelalterlichen Stadt. Als eine der ersten mittelalterlichen Stadtgründungen im Norden Europas wird Haithabu (770 bis 1066) angesehen. Die organisatorischen Strukturen gingen erstmalig über Familien- und Clanhierarchien hinaus, die durch Vereinigungen oder Bruderschaften, wie beispielsweise Gilden, ersetzt wurden. Zumeist lenkte ein Ältestenrat - der oft mit den Mitgliedern der Gilde identisch war - die Geschicke der Gemeinschaft und wachte über das Recht.
Mit der Einführung des Wahlkönigtums vereinte der Monarch das absolute Recht auf sich und privilegierte den Rat einer Stadt. Dieser war bis ins 13. Jahrhundert und oft darüber hinaus personell identisch mit einer Gilde.
Belegt ist, dass ein König von Dänemark und Herzog von Schleswig, Knud Lavard (1096-1131), Gründer und Ältermann einer Gilde war und später zum Namensgeber einer Reihe von Gilden wurde. Mit zunehmender Christianisierung durch die katholische Kirche und deren Machtmehrung durch Besitz wurden einige Gilden auch religiös geprägt und instrumentalisiert. Zuletzt während der Durchsetzung der Reformation - mit der Enteignung der katholischen Kirche - wurden im Raum Schleswig-Holstein (1536) auch viele Gilden aufgelöst und enteignet.
Mit dem dänischen Statthalter (1556) des königlichen Anteils vom Herzogtum Schleswig, Heinrich Rantzau (1526 -1598), hatte Friedrich II. einen Staatsmann gefunden, der das Gildewesen mit Verbreitung der Gegenseitigkeitsidee wiederbelebte und in eine neue Richtung lenkte (Beistehen bei Brand, Flut, Tod, Not durch Krankheit und Schutz gegen Angriffe). Viele Gilden wurde im Zeitraum seines Wirkens von 1556 bis 1598, wieder eingerichtet und privilegiert, wie auch die Eckernförder Bürgerschützengilde.
Die originalen Quellen der Bürger schützengilde sind ab 1570 schriftlich nachgewiesen, weshalb sich auch der heutige Gildename auf dieses Datum bezieht. "Im Nahmen der Heiligen Drey Einigkeit...." priviligierte Frederic der V., König von Dänemark und Norwegen, Herzog von Schleswig und Holstein auf Empfehlung des Rates der Stadt Eckernförde die "löbliche Schützengilde", auch Pfingstgilde genannt. Und so "Haben wir Älter Leute Beysitzere und Sämtliche Interessenten der Schützen Brand und Todten Gilde unserer A(nn)o 1570 gestiffteten Gilde Artieul, welche A(nn)o 1640 revidieret und Confirmieret, auch A(nn)o 1690 abermalst revidieret und renovieret. Der Zeit und den Umständen nach in 24 Articul renovieret und revidieret (dies geschah Anno 1746)..."
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