ECKERNFÖRDER ZEITUNG

 

Deutliches Ja zum Jugendtreff

04. Februar 2012 | 06:35 Uhr | Von Susanne Karkossa-Schwarz

Clarissa, Timo, Svenja und Lisa (v. l.) finden es super, dass die Gemeinde einen offenen Jugendtreff einrichten möchte. Foto: sks

25 junge Bürger der Gemeinde bekunden Interesse an offenem Treff / Frage des Standorts ist noch strittig

Noer. Das war ein klares Bekenntnis. Auf die Frage, wer die Idee eines Jugendtreffs in der Gemeinde gut findet und auch mitmachen würde, schnellten 25 Hände in die Höhe, zeigten 25 Jugendliche begeistert ihre Zustimmung. Kein einziger Stuhl war in dem Gruppenraum des Feuerwehrgerätehauses Noer am frühen Donnerstagabend noch frei. Die Gemeinde hatte alle jungen Bürger zwischen zwölf und 18 Jahren eingeladen, um mit ihnen das Angebot eines Jugendtreffs zu erörtern. 25 von 82 Jungen und Mädchen in dieser Altersgruppe waren der Einladung gefolgt. "Ich bin begeistert, dass so viele gekommen sind", begrüßte Bürgermeisterin Marlis Mißfeldt sie und einige Gemeindevertreter, die sich über das Interesse der Jugendlichen informieren wollten.

"Eure Hobbys sollt ihr nicht aufgeben, aber vielleicht stellt ihr gemeinsam fest, dass man auch hier in Noer tolle Dinge auf die Beine stellen kann", erläuterte die Vorsitzende des Bauausschusses, Sabine Mues (CDU), das Ziel der Gemeindevertretung. "Die Gemeinde will euch mit dem Treff die Möglichkeit bieten, dies herauszufinden und euch dann dabei unterstützen." Gedacht ist an einen Container mit Elektrizitäts- und Wasseranschluss, "an einen warmen Ort, wo ihr Euch ohne Zwangsbespaßung treffen könnt", so Mues weiter. Zustimmung fand bei den Jugendlichen auch die Tatsache, dass sie eigenständig für die Gestaltung des Containers verantwortlich sein sollen. Kreativität und Ideen sind gefragt - wie die Einrichtung aussehen soll, ob eventuell doch ein Fernsehgerät angeschafft werden muss, ob es eine Teeküche und eine Musikanlage geben soll, wie die Wände gestaltet werden sollen. Aber stets mit Unterstützung der Gemeinde, versicherte die Ausschussvorsitzende. "Es ist nicht so gemeint, dass Ihr einzeln jeder einen Stuhl mitbringen sollt." Als Ansprechpartner und Betreuer werden zwei Erwachsene eingestellt. Karin Ivers und Martin Lange aus Lindhöft hatten sich dafür bereit erklärt und nahmen bereits an der Jugendversammlung teil.

Für einen Jugendtreff, der nach dem Vorbild von "Herrmanns Hütte" in der Gemeinde Schwedeneck eingerichtet werden soll, sprachen sich alle Jungen und Mädchen einstimmig aus. Nur über den Ort, wo der Container letztendlich aufgestellt werden soll, gab es verschiedene Meinungen. Ursprünglich hatte die Gemeindevertretung geplant, den Jugendtreff im Ortsteil Noer auf dem Spielplatz neben dem Feuerwehrgerätehaus einzurichten. Aber die 15-jährige Svenja aus Lindhöft stellte die entscheidende Frage, der sich viele ihrer Altersgenossen anschlossen: "Ist es denn schon sicher, dass der Jugendtreff nach Noer kommt? Weil heute so viele Jugendliche aus Lindhöft da sind." Tatsächlich waren am Donnerstagabend nahezu Dreiviertel der jungen Gäste aus Lindhöft gekommen. Für die Gemeindevertretung aber kein Grund, von dem Ursprungsort Noer abzurücken, so Ilse Hochheim (CDU). "Es ist dringend nötig, dass auch mal in Noer was passiert." Lindhöft biete seinen Bewohnern mit Sportheim, Sportplatz, Grillhütte, Skaterbahn bereits so viel. In Zukunft komme auch noch die Boulebahn dazu - da sei jetzt auch mal Noer dran, fanden Hochheim und Mues. Die 16-jährige Lisa sah das anders: "Die Außenanlagen in Lindhöft werden gar nicht genutzt. Wenn der Jugendtreff da ist, könnten wir sie mitbenutzen", war sie sich sicher. Beide Mädchen würden den Treff nicht nur für spontane Begegnungen nutzen, sondern den Raum auch gern privat mieten und dort unter Aufsicht eines Erwachsenen zum Beispiel ihre Geburtstagspartys feiern. Das sei bestimmt möglich, signalisierte Mues Zustimmung. Natürlich müsse noch eine Benutzungsverordnung aufgestellt und verabschiedet werden.

Während Timo, 15 Jahre aus Noer, der zwar seinen Wohnort favorisiert, Bereitschaft zeigte, im Falle einer Entscheidung für den Ortsteil Lindhöft, auch dorthin zu fahren, lehnte die gleichaltrige Clarissa aus Noer dies ab: "Ich würde nicht nach Lindhöft fahren. Dann fahre ich lieber nach Osdorf, wo ich oft bin." Sie machte deutlich, dass Noer bisher stets das Nachsehen gehabt hätte und brachte es auf den Punkt: "In Noer ist für Jugendliche einfach gar nichts."

Einig waren sich am Donnerstag aber alle in der Auffassung, dass ein Jugendtreff super sei, wo sie sich einfach so ohne Programm treffen, unterhalten und unter Gleichaltrigen sein könnten. Zur Klärung der Frage des endgültigen Standorts und anderer anstehenden Entscheidungen werde die Gemeinde alle Jugendlichen noch ein zweites Mal zu einer Versammlung einladen. "Wir machen es Schritt für Schritt. Ihr werdet auf alle Fälle miteinbezogen", versicherte die Bürgermeisterin.

"Bisher habt ihr immer einen Grund gehabt, die Gemeinde zu verlassen, wegen der Schule oder eines Hobbys", fasste Ludwig Strock, bürgerliches Mitglied in der Gemeindevertretung, zusammen, "in Zukunft habt ihr vielleicht einen zu bleiben." 15 000 Euro sind für den Jugendtreff, Aufbau und Anschlüsse, im Haushalt veranschlagt. "Wir sehen Euer großes Interesse und werden mit der Planung fortfahren", so die Bauausschussvorsitzende. Ihrer Aussage nach könnte der offene Jugendtreff dann bereits im Sommer eröffnet werden.


 

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