DER INSELBOTE
Juristin liefert Tipps gegen die alltägliche Abzocke
Wyk. Angefangen hatte alles vor einem Jahr. Callcenter riefen reihenweise bei Herrn K. an, fragten ihn, ob er an einem neuen Gewinnspiel teilnehmen wolle. Den Anrufern fiel es leicht, K. zu überreden; der ältere Mann verstand nicht richtig, was die Anrufer eigentlich von ihm wollten. Sie versprachen "tolle Gewinne" oder "hohe Geldpreise". Um die Gewinne auszahlen zu können, wurden noch die Kontoverbindungsdaten abgefragt. Und K. gab sie arglos durch. Oder die Daten lagen den Anrufern bereits vor und K. musste nur noch mit "Ja, stimmt" bestätigen. Damit war die Falle zugeschnappt. Sein schlichtes "Ja" reichte, und K. hatte am Telefon ohne es zu realisieren einen Vertrag abgeschlossen. Seine Daten - Name, Adresse, Bankverbindung - waren von den Callcentern erfasst.
"Das passiert vielen", weiß Karina Zinke, Juristin von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein, und das gehe durch alle Altersklassen hindurch. Ob im eigenen Briefkasten oder im Internet - dubiose Verkaufsmaschen lauern überall. Unseriöse Geschäftemacher nutzen die Arglosigkeit der Menschen immer öfter aus. Mit welchen Methoden die Firmen an das Geld Fremder kommen, erklärte Zinke in einem Vortrag, der vom Betreuungsverein Föhr-Amrum zusammen und dem Föhrer Ortsverein der Arbeiterwohlfahrt (AWO) organisiert wurde. Die Juristin vermittelte interessante Einblicke in die verschiedenen Formen der "alltäglichen Abzocke". Dabei seien die Maschen der Betrüger vielfältig. Sie reichten von Schwindeleien durch versteckte Vertragsabschlussklauseln im Internet, Lotto- und Gewinnspiele bis zur Zusendung unbestellter Waren.
Trotzdem scheuen sich viele Bürger, gegen diese Machenschaften vorzugehen. Oft werden sie mit Zahlungsaufforderungen und Drohungen unter Druck gesetzt. Da zahlt so mancher lieber, in der Hoffnung, dass die Sache dann ein Ende hat - bis zum nächsten Anruf...
Auch die berüchtigten Kaffeefahrten seien, so die Juristin weiter, zwar nicht verboten, die Methoden und Tricks der Veranstalter jedoch höchst unseriös. "Die Verkäufer sind rhetorisch mit allen Wassern gewaschen", warnte Zinke. Sogenannte "Eisbrecher" mischten sich unter die Mitreisenden, heizten die Stimmung an und beeinflussten die Kaufentscheidung der Teilnehmer, heißt es in einer Broschüre der Verbraucherzentrale. Wäschetrockner seien dann plötzlich billige Wäscheleinen oder teure Kaffeeservices einfache Becher aus Plastik.
"Kann ich einen versprochenen Gewinn einfordern", fragte eine Zuhörerin. Natürlich könne man das, wusste Zinke, aber dazu müsse man erst einmal an die Firmen herankommen und das sei fast unmöglich, da es sich meist nur um Briefkastenfirmen handele.
Ob Gewinnmitteilungen, Kaffeefahrten, unaufgeforderte Telefonanrufe - niemand sollte sich von leeren Versprechungen blenden lassen. "Seien sie kritisch gegenüber den verlockenden Angeboten und Anpreisungen der Verkäufer", warnte die Juristin eindringlich. Und man solle " niemals spontan einen Vertrag unterschreiben" und unbedingt vom Recht auf Widerruf Gebrauch machen. Nur so könne die alltägliche Abzocke gestoppt werden. Weitere Informationen gibt es beim Betreuungsverein, 04681/501934, oder der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein.
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