DER INSELBOTE

 

Museum Kunst der Westküste

Fast 700 Besucher bei der Vernissage

16. Juni 2012 | 04:50 Uhr | Von psz


Erfüllte bereitwillig die zahlreichen Autogrammwünsche: Margaret Wertheim. Foto: psz

Erfüllte bereitwillig die zahlreichen Autogrammwünsche: Margaret Wertheim. Foto: psz

Ausstellungs-Eröffnung von "The Föhr Reef" im Museum Kunst der Westküste / Wind und Regen verhinderten die Gartenparty

Alkersum. Knapp 700 Besucher kamen zur Vernissage der Ausstellung "The Föhr Reef" in das Alkersumer Museum Kunst der Westküste. Zwar verhinderten Wind und Regen die geplante Gartenparty, der Stimmung tat dies jedoch keinen Abbruch. Nach einigen Grußworten und einer überaus gelungenen Einlage der "Feer Ladies" hatten Teilnehmer, Begeisterte und Skeptiker Gelegenheit, die Nachbildungen der koloniebildenden Nesseltiere - ergänzt um Leihgaben aus Lettland, Australien und den USA - in Augenschein zu nehmen.

Leihgaben deshalb, weil das Föhrer Riff als Satellit des internationalen Kunstprojektes "The Hyperbolic Crochet Reef" verstanden wird, das von den australischen Schwestern Margaret und Christine Wertheim 2003 ins Leben gerufen worden war.

Viele hatten die Idee, Korallen mit der Häkelnadel zu schaffen, anfangs belächelt. Zu abstrakt schien die Vorstellung, mit biederer Handarbeit ein Signal gegen ökologische Probleme setzen zu wollen. Doch auch die größten Skeptiker mussten nun einräumen, dass die geschaffene Unterwasserwelt optisch überzeugt und eine gewisse Faszination ausübt. Eine Faszination, der auch die Handarbeiterinnen während der Produktion erlagen. So haben sich Lene Kjerrumgaard und Pernille Jentsch aus Kopenhagen ihre Häkelkenntnisse mit Hilfe des Online-Strickclubs "Netmaskerne" (Netzmaschen) angeeignet. Dermaßen kunsthandwerklich vorbereitet, waren die Däninnen samt einiger Freundinnen von Beginn an dabei und würden auch an einem neuerlichen Projekt teilnehmen.

300 Kilogramm Wolle und 450 Häkelnadeln wurden von 700 Woll-Künstlern seit Januar verarbeitet beziehungsweise verschlissen. Unzählige Stoff-Korallen - ausnahmslos in das Riff integriert - wurden aus ganz Deutschland und dem angrenzenden Ausland eingesandt. Ob von der Fernfahrerin, die sich auf den Rastplätzen der Autobahn beim Häkeln entspannt, oder "Biggimausi" aus Süddeutschland, die nach eigenen Worten über viel Zeit und Wolle verfügt - Gabriela von Hollen-Heindorff wusste von teils absurden Randgeschichten zu berichten.

Die Museumsmitarbeiterin hatte die Entstehung des nachgestellten Öko-Systems gemeinsam mit Volontärin Lea Heim federführend begleitet und war auch in der finalen Phase dabei, als es hieß, gemeinsam mit 14 Teilnehmerinnen aus den Einzelteilen ein Gesamtwerk zu formen.

Alle Teilnehmer haben für die Dauer der Ausstellung freien Eintritt in das Alkersumer Kunsthaus. Sich auszuweisen, erhielt jeder Mitwirkende eine Scheckkarte, die selbstredend das Föhrer Korallenriff als Motiv ziert. Viele nutzten die Gelegenheit und ließen sich die Karte mit einer Unterschrift Margaret Wertheims veredeln. Die Wissenschaftlerin hatte das insulare Kunstwerk zuvor im Rahmen ihres Grußwortes in den höchsten Tönen gelobt und Dr. Thorsten Sadowsky "einen wahrhaft visionären Museumsdirektor" genannt.

Dessen Vision war und ist, die Schwellenangst gegenüber dem Museum abzubauen und ein offenes Haus zu präsentieren und welche einmal mehr wahr geworden ist. Stolz zeigte sich der Direktor vor allem darüber, dass die organisatorische Herausforderung vom Team des Museums geschultert wurde und der Name Föhr weltweit bekannt gemacht werde. "Denn es ist nicht auszuschließen, dass das Riff in der Zukunft auch größere Reisen antritt."

Bis zum 16. September allerdings ist "The Föhr Reef" fest im Museum Kunst der Westküste verankert. In Augenschein genommen werden kann es jeweils dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr und donnerstags bis 19 Uhr.


 
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