DER INSELBOTE

 

Olaf Hinrichsen

Der Online-Lehrer der Nation

01. Februar 2013 | 06:16 Uhr | Von Arndt Prenzel


Mathegenie Olaf Hinrichsen.  Foto: pre

Mathegenie Olaf Hinrichsen. Foto: pre

Retter in der Not: Der Niebüller Olaf Hinrichsen erklärt Schülern im Internet die Mathematik und hilft bei kniffligen Aufgaben.

Niebüll. Olaf Hinrichsen hatte eine geniale Idee: Mathematik per Video im Internet zu erklären. Damit war er in Deutschland der Erste. Mit sensationellem Erfolg: Mittlerweile hat www.oberprima.com pro Monat über eine Millionen Aufrufe. Das Ganze ist kostenlos; die Lösungswege werden klipp und klar erklärt, so dass es jeder versteht. Entstanden ist die Idee aus Anfragen, die der "Rechner auf zwei Beinen" per E-Mail bekam. Eine Botschaft hat Olaf Hinrichsen auch: "Ich möchte für Bildungsgerechtigkeit sorgen!"

Als Nachhilfelehrer war der Niebüller schon als Schüler aktiv, seine erste Schülerin war die Schwester. "Mir hat es einfach Spaß gemacht." Nach dem Abitur ging es nach Berlin. Sein Weg zum Kreativkopf und Deutschlands Vorreiter von Nachhilfevideos war voller Seitensprünge. Ursprünglich hatte die Sportskanone - er war norddeutscher Schwimm-Jugendvizemeister; sein Vater Ernst Hinrichsen ist erfolgreicher Schwimmtrainer und 1. Vorsitzender von Rot-Weiß Niebüll - etwas ganz anderes vor: Als Zivildienstleistender arbeitete er in der Altenpflege, danach als Bauzeichner. Er plante ein Wirtschaftskommunikations-Studium an der damaligen Hochschule der Künste. Doch daraus wurden Linguistik und Psychologie, Letzteres beendet nach dem Vordiplom. Kuriosität am Rande: Sein Lehramtsstudium scheiterte am Numerus Clausus. Gern hätte er als Therapeut für revolutionierte Homöopathie gewirkt, doch die Heilpraktikerprüfung platzte. Lag es auch an seiner Neigung, zu provokativen Thesen? "Wenn sich ein 25-Jähriger hinsetzt und meint, er hätte die Weisheit mit Löffeln gefressen, kommt das nicht so gut an."

Aus seiner ursprünglichen Idee, eine Nachhilfe-Lehrer-Vermittlung aufzumachen, wurde nichts, denn fast alle Schüler blieben ihm treu. Eine Reklame-Aktion per Zettelei an Laternen sorgte für neue "Kunden". Schnell erfand er "laufende Litfasssäulen" als mobile Werbeträger, promenierte selbst über Kudamm und Schloßstraße.

Bei Hertha BSC unterrichtete der Mathe-Crack die damals aufstrebenden und späteren Jung-Nationalspieler wie Jerome Boateng und den Mailand-Profi Kevin Boateng; er begleitete sogar die Spieler der deutschen Fußball-Jugendnationalmannschaft ins Ausland. Schönster Nebeneffekt seines Nachhilfe-Jobs: Aus einer seiner damaligen Schülerinnen wurde seine jetzige Ehefrau. Als sich die ersten Kinder ankündigten, musste Olaf Hinrichsen etwas ändern. Er begann mit dem Dreh erster Nachhilfe-Videos, als seine Schüler ständig Nachfragen per E-Mail stellten. Der Erfolg machte ihn mutig: Sein Internet-Aufruf, ihm Matheaufgaben zu schicken, löste eine Lawine an Anfragen aus.

"OberPrima.com wurde zum Erfolgsmodell, wuchs von Monat zu Monat", erläutert Olaf Hinrichsen. "Im ersten Jahr sahen monatlich bis zu 21 000 Menschen die 500 neuen Videos." Derzeit bietet oberprima.com 2100 Mathe-Videos an, Tendenz steigend. Die Physik-Videos stammen von einem Abiturienten aus Bonn, die Chemie-Videos von einem Diplom-Chemiker aus Halle, und die Biologin studiert in Frankfurt am Main. Alle hatten zuvor seine Mathe-Videos genutzt um sich auf verschiedene Prüfungen vorzubereiten.

Die Rückkehr kam vor knapp drei Jahren. "Als sich unser drittes Kind ankündigte, zog es uns aus der großen Stadt auf das Land. Mein Heimatort lag da nahe. Ich engagiere mich, soweit es die Zeit zulässt, auch gern in lokalen Projekten, wie dem internationalen Kochen der Kulturen an der Wehle." Für die Jugend hält Olaf Hinrichsen seit kurzem sein offenes Lerncafé bereit. "Ich mache weiter das, was ich am besten kann: Mathe erklären." Schülern ab der 5. Klasse wird so auf die Sprünge geholfen; Ziel ist, dass sie nach intensiver Schulung allein klar kommen. Wer Mathe-Defizite hat, Klausuren schreiben muss oder das Abi fürchtet, kann einfach in der Theodor-Storm-Straße 34 vorbeischauen. Bei dieser Gelegenheit lernt man nicht nur Mathe, sondern auch die quirligen Hinrichsen-Kinder kennen. Die begrüßen die Schüler charmant und schon fast routiniert. Und irgendwie spürt man, dass sie es faustdick hinter den Ohren haben - ganz so wie ihr Vater.


 
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