DER INSELBOTE

 

Sturmflut

Der höchste Wasserstand seit elf Jahren

01. Februar 2013 | 06:50 Uhr | Von psz


Der wasserseitige Bereich am Utersumer Haus des Gastes gleicht derzeit mehr einer Baustelle. Foto: thiede

Der wasserseitige Bereich am Utersumer Haus des Gastes gleicht derzeit mehr einer Baustelle. Foto: thiede

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Menschen kamen bei der jüngsten Sturmflut nicht zu Schaden - den Inseln aber setzten die Naturgewalten mächtig zu.

Föhr / Amrum. "Keine Schäden und keine Einsätze", lautete gestern die einhellige Aussage von Polizei und Feuerwehr. Eine beruhigende Aussage, nachdem in den frühen Morgenstunden eine Sturmflut auf die Inseln getroffen war, deren Höchstwasserstand das mittlere Tidehochwasser um 2,35 Meter (Wyk) und 2,60 Meter (Dagebüll) überschritt. Ursache war ein Sturm, der mit bis zu acht Beaufort aus West pustete und in Verbindung mit einer Springtide daherkam.

Auch wenn keine Einsätze zu verzeichnen waren, an der Substanz Föhrs und Amrums nagten die Naturgewalten allemal. So wurde am Wyker Südstrand, wo das "Redlefsen-Haus" nach der Wetterberuhigung bedenklich nahe an der Klippe steht, ebenso Land abgetragen, wie in Utersum. Sechs Meter sind es hier, schätzt Gemeindevertreter Hans-Jürgen Thiede, betroffen ist der gesamte wasserseitige Strandbereich vor dem Haus des Gastes. "Das sieht hier aus, als ob wir wieder eine Steilküste haben", so Thiede, der berichtete, dass das DLRG-Häuschen mittlerweile entfernt wurde.

"Ganz ordentlich etwas abgegangen" ist auch in Norddorf auf Amrum am Übergang zur Strandhalle, konstatierte Kai Dethlefsen, Mitarbeiter des Landesbetriebes Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) rund acht Meter. Eine Dünenkette mit einer steilen Abbruchkante prägt das Panorama vor dem Landschulheim am Horn, eine Kante, an der jeder Wellenschlag für ein Nachrutschen sorgt. Kein neues Problem, dem seit Jahren keine oberste Priorität eingeräumt wird, die Bewohner des Kinderheims befürchten allerdings, dass bei ihnen das Wasser eines Tages direkt vor der Tür steht.

Von einem Problem ganz anderer Art berichtet Gerd Jakobsen, Mitarbeiter des Städtischen Hafenbetriebes: Es hatten schlicht zu viele Kraftfahrzeuge im Fährhafen geparkt. 13 Autos mussten abgeschleppt werden, "und das war gut so, die wären alle abgesoffen". Dabei kamen die Hinweise des Hafenamtes rechtzeitig. Morgens wurden die Warnschilder positioniert und die Blinkleuchten aktiviert, die Stöpe wurde mittags geschlossen. Zwar sei die Meldung über das tatsächliche Ausmaß erst gegen 20.30 Uhr eingegangen, man hätte aber tagsüber ahnen können können, so Jakobsen, dass da noch einiges kommt. "Wir haben seit elf Jahren keinen derart hohen Wasserstand gehabt", der Fährhafen sei komplett überspült worden und selbst Fiete Föhr habe nasse Füße gehabt.

Von der Wyker Dampfschiffs-Reederei war - bis auf einige Verspätungen - nichts Dramatisches zu erfahren. Einzig in Schlüttsiel bot sich ein Schauspiel der besonderen Art: Dort hatte das Hochwasser unzählige Eisschollen auf das Festland gedrückt, die die Zufahrt zu den Schiffen versperrten. Zwar keine Behinderung für den Fährverkehr, für Fahrzeuge aber war es unmöglich, die Brücken zu erreichen. Nachdem Bagger zum Einsatz gekommen waren, war das ungewohnte Problem am Nachmittag behoben. Am frühen Abend legte denn auch eine Fähre nach Langeneß ab, Hooge wurde wegen des Hochwassers nicht angefahren.


 
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