DER INSELBOTE
Mehr Platz für Wind-Räder in Nordfriesland?
BWE-Präsident Hermann Albers setzt sich für ein stärkeres Aufstocken der Windeignungsflächen ein. Foto: pst
Für die Wirtschaftsförderer gibt es keine zwei Meinungen: Deutschlands Wind-Standort Nummer eins ist Nordfriesland. Diese Botschaft verbreitet die Besatzung des Torhauses an der Husumer Schloßstraße über ihre Homepage. Immerhin: Rund 600 Windkraftanlagen mit 600 Megawatt installierter Leistung erzeugen zwischen dänischer Grenze und Eider an die 1,5 Milliarden Kilowatt Strom, hat der Bundesverband Windenergie (BWE) ausgerechnet.
Für dessen Präsidenten, den Simonsberger Hermann Albers, ist das "noch lange nicht das Ende der Fahnenstange." Der Unternehmer im Bereich Agrar und erneuerbare Energien möchte erreichen, dass zusätzlicher Platz für Windkraft-Anlagen geschaffen wird. Wenn bis 2020 das Ziel der Landesregierung umgesetzt sein soll, 30 Prozent mehr Strom aus Wind zu erzeugen, als in Schleswig-Holstein verbraucht wird, dann führt aus Sicht von Albers kein Weg daran vorbei, zusätzliche Flächen für die Aufstellung von Rotoren freizugeben.
Der BWE-Chef begrüßt es denn auch, dass die Diskussion mittlerweile über das erklärte Ziel der Kieler Regierung hinausreicht, die Windeignungs gebiete zwischen Nord- und Ostsee von bislang 0,75 auf ein Prozent der Landesfläche aufzustocken (derzeit 12 000 - Ziel: 15 380 Hektar). Nach Einschätzung von Hermann Albers, der von seinem Hof im Simonsberger Koog auch die Geschäfte mehrerer Windparks führt, reicht das aber bei weitem nicht aus: "Die von den Gemeinden angemeldeten Flächen übersteigen um das 15- bis 20-Fache den geplanten Zuwachs an Windkraft-Gebieten."
11 000 Hektar gewünscht
Schon im März dieses Jahres hat der nordfriesische Kreistag eine Resolution auf den Weg gebracht, in der die Landesregierung aufgefordert worden ist, nicht ganz so zaghaft vorzugehen. Zwei Prozent der Landesfläche sollten schon für die Nutzung durch die Windenergie zur Verfügung stehen. Darauf legten sich alle politischen Lager fest. CDU, SPD, WG-NF, SSW, Grüne, FDP und Die Linke müssen es schon damals geahnt haben, dass Nordfrieslands Gemeinden eine große Liebe für die Windkraft entwickeln würden. Nach und nach sind der Kreisverwaltung in Husum Windpark-Wünsche präsentiert worden, die - wenn sie denn realisiert werden würden - 11 000 Hektar Fläche erfordern.
Derzeit gibt es in Nordfriesland nach Angaben des Kreis-Pressesprechers Hans-Martin Slopianka 2 103 Hektar ganz oder teilweise bebaubare Windeignungsgebiete. Das sind knapp über ein Prozent der nordfriesischen Landfläche. Das Kreisamt für Entwicklung, Bau und Umwelt hat die Anmeldungen der Gemeinden nun genau unter die Lupe genommen und diese auf Areale reduziert, von denen laut Amtsleiter Burkhard Jansen anzunehmen ist, dass sie wirklich "geeignet" sind und keine Ausschließungsgründe vorliegen.
Übrig geblieben sind 1650 Hektar neue Windeignungsflächen, die aus Sicht der Kreisverwaltung vom Land in die Neufassung der Regionalplanung eingearbeitet werden sollten. Zusammen mit dem Alt-Bestand stünden dann 1,84 Prozent des nordfriesischen Kreisgebiets für die Aufstellung von Windrotoren zur Verfügung - wesentlich mehr, als Nordfriesland nach dem derzeitigen Stand der Dinge zusteht.
Warten auf neue Landesregierung
Die nordfriesische CDU hat dieser Entwicklung bereits Rechnung getragen. Ingbert Liebing, der Kreisverbandsvorsitzende der Christdemokraten, und die Vorsitzende der CDU-Kreistagsfraktion, Astrid Damerow, halten es für inakzeptabel, die Windeignungsflächen nur um rund 1600 Hektar aufzustocken. Die beiden Politiker gehen davon aus, dass eine neue Landesregierung das Thema wieder aufgreifen wird. Deshalb wollen Liebing und Damerow erreichen, dass in Nordfriesland vorher nicht endgültig über die Festlegung neuer Windeignungsflächen entschieden wird.
Der Hauptausschuss des Kreistages hat sich deshalb in seiner ersten Sitzung nach der Sommerpause nur mit dem weiteren Beratungsverfahren befasst und keine Beschlüsse zum Thema gefasst. Am Mittwoch (2. September) sollten eigentlich die Ausschüsse für Agrar, Umwelt sowie Wirtschaft, Verkehr und Tourismus in einer gemeinsamen Sitzung über die
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Eignungsflächen befinden. Und am 18. September hätte der Kreistag die letzte Entscheidung treffen sollen.
Als Flankenschutz hat die Junge Union mittlerweile eine Unterschriften-Aktion mit dem Ziel gestartet, den Ruf nach einer erheblich höheren Aufstockung der Windeignungsflächen zu unterstützen.
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