DER INSELBOTE

 

Amrum

Klinik Satteldüne wird verkauft

05. Oktober 2010 | 04:50 Uhr | Von pk

Die Folgekosten der vielen Umbauten wachsen der Rentenversicherung über den Kopf. Foto: oe

Amrum. "Die Zukunft der Fachklinik Satteldüne ist auf lange Jahre gesichert" - so stand es vor genau zwei Jahren im Insel-Boten. Doch jetzt wurde bekannt, dass die Kinderklinik der Deutschen Rentenversicherung Nord nur unter einem anderen Träger Zukunfts-Chancen hat. In einer Betriebsversammlung wurden die rund 135 Mitarbeiter gestern von der Mitteilung überrascht, dass das traditionsreiche Haus, das seit 67 Jahren unter der Regie der Rentenversicherung steht, an einen privaten Träger verkauft werden soll.

Diese Entscheidung, so berichtete Michael Eßer, Sprecher des Klinikträgers, gestern dem Insel-Boten, habe der Vorstand der Deutschen Rentenversicherung Nord am vergangenen Mittwoch gefällt. "Der Beschluss ist uns schwer gefallen", sagte der Vorstandsvorsitzende Jürgen Hoch bei der Mitarbeiterversammlung. Die wirtschaftliche Situation der Klinik lasse jedoch leider keine andere Entscheidung zu. "Insbesondere die in den letzten Jahren durchgeführten Baumaßnahmen und die damit verbundenen Abschreibungslasten haben gezeigt, dass wir als öffentlich-rechtlicher Träger die Kinderfachklinik auf Amrum nicht dauerhaft wirtschaftlich betreiben können", so Hoch.

In den zurückliegenden Jahren hatte es in der Nebeler Klinik umfangreiche Um- und Neubauarbeiten gegeben, unter anderem um Unterbringungsmöglichkeiten für kleine Patienten zu schaffen, die nicht alleine, sondern in Begleitung ihrer Eltern kommen. Eigentlich sollten bis 2011 für Modernisierungsmaßnahmen insgesamt 13 Millionen Euro ausgegeben werden. Doch seit Dezember vergangenen Jahres ruhen die Bauarbeiten, der damalige Klinikchef wurde geschasst (wir berichteten).

Einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen der damaligen Affäre und der aktuellen Entwicklung verneint Pressesprecher Eßer allerdings. "Das hat mit Sicherheit auch eine Rolle gespielt, war aber definitiv nicht ausschlaggeben", so Eßer auf Nachfrage des Insel-Boten. Die seinerzeit in Gang gesetzten Prüfungen hätten aber ergeben, dass die Rentenversicherung aufgrund der hohen Abschreibungslasten "einen wirtschaftlichen Betrieb auf Dauer nicht sicherstellen" könne. Bei einem privaten Betreiber sei das anders, weil dieser was Abschreibungen und Vergaben angehe, nicht an so strenge Regeln gebunden sei. Um die Klinik, in der jährlich rund 2000 Kinder und Jugendliche behandelt werden, erhalten zu können, habe man deshalb den Verkauf beschlossen.

"Im Interesse der Beschäftigten und der Region setzen wir nun alles daran, so schnell wie möglich einen Käufer für die Kinder-Reha-Einrichtung zu finden. Wir werden ebenfalls alles daran setzen, dass es sich um einen in der Kinder-Rehabilitation erfahrenen Erwerber handelt, der die Beibehaltung der hohen Kompetenz der Klinik und der Anerkennung auf dem Reha-Markt gewährleistet und damit auch die Arbeitsplätze langfristig sichert" so Jürgen Hoch.

Laut Michael Eßer gibt es bereits Gespräche mit Interessenten. Die Deutsche Rentenversicherung Nord sei zuversichtlich, für die Amrumer Klinik, die aufgrund ihrer hohen Qualitätsstandards in der Szene einen guten Ruf genieße, bald einen neuen Betreiber zu finden.


 

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