DER INSELBOTE

 

Ahrenshöft

Dringend gesucht: Geldgeber für das Tierheim

29. Oktober 2009 | 04:20 Uhr | Von Simone Schlüter

Hoffen, dass es weitergeht: Ernst-Ulrich Niemann mit Tierheim-Leiterin Margot Ketelsen und Helferin Frauke Flügge. Der Vorsitzende hat selbst einer Hündin aus Ahrenshöft ein neues Zuhause gegeben. Foto: sis

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Der Tierschutzverein Nordfriesland ist gezwungen, nach neuen Einnahmequellen zu suchen. Ansonsten ist sein Heim in Ahrenshöft von der Schließung bedroht.

Nordfriesland. Es sind schwierige Zeiten, die Ernst-Ulrich Niemann und seine Mitstreiter bewältigen müssen. Der 60-Jährige ist seit März Vorsitzender des Tierschutzvereins Nordfriesland und bereits mit den Unwägbarkeiten der Finanzkrise konfrontiert, von der die Tierschützer nicht verschont bleiben. Niemann hat sich als Glücksfall für den Verein erwiesen, da er das, was er anpackt, mit Akribie und Engagement betreibt. Doch möchte der Vereins-Chef weder sich noch anderen etwas vormachen: "Wenn sich nichts ändert, muss unser Tierheim in Ahrenshöft mittelfristig geschlossen werden." Der Rückgang an Spenden sei erheblich - "wir 'schießen' zurzeit 2000 Euro im Monat von unserer Sparsubstanz in den Betrieb". Die Rücklagen würden etwa in zwei Jahren aufgezehrt sein.

"Es ist leider ein verbreiteter Irrglaube, dass wir Steuermittel bekommen", ärgert sich der Vorsitzende. Die Ordnungsämter der Kommunen würden für Fundtiere lediglich eine Abgabe-Gebühr zahlen, die für Hunde bei 130 oder 110 Euro und für Katzen bei 60 Euro liegt. Mit Husum hat das Tierheim keinen Vertrag - die Stadt nutzt für Fundtiere zwei Zwinger im Bauhof. Wer sein Tier abgibt, weil eine Allergie in der Familie aufgetreten ist oder ein Herrchen ins Heim muss, bezahlt ebenfalls nur in diesen Höhen einmalige Gebühren.

Die wichtigste Absicherung für die Finanzierung des Tierheims sind daher die Beiträge der etwa 365 Mitglieder - dazu kommen Spenden und die Zinserträge aus einer Sonder-Stiftung für den Verein. Für den "absoluten Notfall" möchte Niemann erreichen, dass aus dem "Stiftungs-Topf" eine größere Summe abgezweigt werden kann. Aber ein beruhigendes Gefühl wäre dieser Griff in die "Reserven" - wenn rechtlich überhaupt möglich - keineswegs. Denn die Zeiten, in denen der Tierschutz sich auf Zuwendungen aus Erbschaften "verlassen" könne, seien vorbei. "Die Leute brauchen ihr Geld für Heime und Pflege." Auf eine "zweite" Irene Thordsen, die 1984 durch eine großzügige Spende den Bau des Tierheims erst ermöglicht hatte, möchten die Tierschützer nicht warten.

Nur notwendige Ausgaben

Löwenanteile in der Abrechnung machen Personal- und Tierarztkosten aus. Auch die gestiegenen Energie- und Futterpreise sorgen für höhere Summen, die aufgebracht werden müssen. "In 2008 haben wir 12.000 Mise gemacht." Da bleibt kein Spielraum für Investitionen - "die müssen liegen bleiben". Der Kauf eines neuen Computers oder die Sanierung der Blechplatten am Hauptgebäude sind somit vertagt. Einmal ist jedoch tiefer in die Tasche gegriffen worden. Die Abtrennungen zwischen den Zwingern im Gebäude waren marode und mussten repariert und erneuert werden. "Die Hunde hätten sich sonst irgendwann verletzt." Mit 6000 Euro ist dies verhindert worden - "daran konnten wir nicht sparen".

Der Vorsitzende will sich nun zusammen mit seinem Vorstand auf die Suche nach Geldgebern machen. "Vielleicht gibt es ja Unternehmen, die uns mit Jahresbeiträgen helfen würden." Und eine zweite Sache wird Ernst-Ulrich Niemann ebenfalls nicht auf die lange Bank schieben: Verwaltung und Politik zu informieren. "Nicht, dass gesagt wird, wir haben nichts gewusst, wenn wir wirklich schließen müssen." Und so plant der rührige Tierschützer, im Kreishaus vorzusprechen und sich an den Gemeinde- und Städtetag zu wenden.

Kontrollen

"Frisch" im Ruhestand hat Niemann glücklicherweise kein Zeitproblem - und dazu eine verständnisvolle Ehefrau. Schließlich ist das Tierheim nur eine Aufgabe - der Tierschutz im "Außendienst" erfordert bis zu 300 Einsätze im Jahr, um abzuklären, ob Tiere gequält werden, beispielsweise durch eine nicht artgerechte Haltung. "Wir überzeugen uns immer persönlich." In 20 Prozent der Fälle sei etwas "im Argen" - ob fauliges Heu, nicht beschnittene Hufe, zu kleine Koppeln, Hunde, die an einer viel zu kurzen Laufleine gehalten werden. "Die Anbindehaltung von Hunden müssen wir leider zähneknirschend tolerieren - sie ist unter bestimmten Auflagen erlaubt. Doch auf keinen Fall für Welpen", zeigt sich Niemann verärgert über eine jüngere Geschichte.

Kontrollen dieser Art übernimmt neben dem Vorsitzenden Beisitzerin Lydia Martens - "sie hat selbst Pferde und weiß viel über Großtiere". Er selbst bringt Fachwissen zu Hunden und Katzen mit. "Je nach Vorfall schalten wir den Amtsveterinär ein. Werden wir vom Hof gejagt, kommen wir mit dem Ordnungsamt wieder", unterstreicht Ernst-Ulrich Niemann, dass sich Tierschützer nicht abwimmeln lassen. Und natürlich werden auch die neuen Besitzer von aus dem Heim vermittelten Vierbeinern besucht - "überraschend", betont der Vorsitzende. Ein Appell liegt ihm am Herzen: Katzen und Kater sollten unbedingt kastriert werden, dadurch könnte viel Elend verhindert werden. Leider agieren nach seiner Erfahrung bei diesem Thema noch zu viele Katzenhalter eher gedankenlos - "die nehmen einfach in Kauf, dass noch mehr Katzenbabys im Tierheim landen".

Im Jahr müssen etwa 150 bis 180 Katzen und 150 Hunde im Tierheim untergebracht werden. Platz ist für 15 Hunde und maximal 50 Katzen - wobei die Quarantäne-Station, in der nur 16 Samtpfoten beherbergt werden können, öfter zu einer Engstelle wird. Im Tierheim in Ahrenshöft teilen sich Margot Ketelsen und Carla Thomas die Leitung. Sie werden bei Versorgungs- und Reinigungsarbeiten von zwei Kräften auf 400-Euro-Basis unterstützt. Geht es um wilde oder exotische Arten greifen die nordfriesischen Tierschützer auf Kontakte zu fachlich versierten Privatleuten und die "Wildhilfe" zurück.


 

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