DER INSELBOTE
Wasser- und Schifffahrtsamt Tönning
Buntes Fest um ein traditionsreiches Amt
Beeindruckend: Die großen Tonnen, die als Schifffahrtszeichen dienen, werden im Bauhof des Amtes gelagert. Foto: Winfried Schmidt
Tönning. Einen ganz deutlichen Hinweis auf ein besonderes Ereignis bekommt jeder Einwohner oder Besucher Tönnings, wenn er sich auf dem historischen Marktplatz befindet: Dort steht eine signalrote Tonne und wirbt für die "Tage der offenen Tür", die zum 125-jährigen Bestehen des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) am 8. und 9. Mai stattfinden.
Das Amt ist in der Eider-Stadt der größte Arbeitgeber: Hier finden insgesamt 230 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Beschäftigung, und auch die Ausbildungsplätze (derzeit 22) für sieben verschiedene Berufe - darunter Wasserbauer und Elektroniker - sind begehrt. Zu den Aufgaben des WSA gehört unter anderem die Überwachung von Wasserstraßen - und das von der dänischen Grenze bis zur Elbmündung: Außerdem steht die Eider von Rendsburg bis zur Mündung in die Nordsee auf dem Plan. Wasserstraßen und Anlagen - zum Beispiel die Häfen auf Amrum und Helgoland sowie das Eidersperrwerk - müssen von den Fachleuten in einem einwandfreien Zustand gehalten werden, damit Schifffahrt und Küstenschutz reibungslos funktionieren.
Dazu gehört auch der Betrieb von "Schifffahrtszeichen" wie Leuchttürmen, Leuchtfeuern, Tonnen und Baken. Die 17 Leuchttürme an der Westküste werden von Tönning aus per Computer gesteuert - Leuchtturmwärter sind nicht mehr tätig. Die 82 Leuchttonnen, die neben den rund 480 unbefeuerten Tonnen das Fahrwasser (etwa 600 Kilometer) markieren, sind inzwischen mit Solarzellen ausgerüstet und erzeugen so die notwendige Energie für ihre Feuer selbst. Im Wattenmeer fungieren zudem etwa 2500 Stangen und Pricken als Wegweiser.
Zehn Arbeitsschiffe
Die Nautische Abteilung des WSA verfügt über zehn Arbeitsschiffe, darunter zwei Tonnenleger sowie acht weitere Vermessungs-, Arbeits- und Aufsichtsschiffe. Die Schifffahrtszeichen (Tonnen) müssen gewartet und repariert werden. Dies geschieht in Bauhöfen und Betriebsstellen des WSA in Tönning und Büsum; in Büsum starten auch die Schiffe des Amtes, wenn die Seezeichen ausgebracht oder eingeholt werden müssen. Im Herbst zum Beispiel werden viele Tonnen durch eissichere Zeichen ersetzt, was eine aufwendige und Zeit raubende Arbeit für die Mannschaften der Tonnenleger bedeutet.
Das Wasser- und Schifffahrtsamt am Historischen Hafen Tönnings wurde 1884 als Wasserbau-Inspektion gegründet; zuvor hatte es bereits (1870) das Königliche Kreisbauamt gegeben, das neben den üblichen Straßen- und Wegearbeiten auch für Hafen- und Wasserbau verantwortlich war. In der 125-jährigen Geschichte trug das Amt verschiedene Namen: Preußisches Wasserbauamt Tönning (1919), danach Wasserstraßenamt, Seewasserstraßenamt und schließlich seit 1949 Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA).
Tonnenhof ist zu besichtigen
Zum Jubiläum ist der Bauhof des Amtes mit dem Tonnenhof (neben dem Historischen Packhaus, Am Eiderdeich 20) für die Öffentlichkeit frei: Hier wird den Besuchern am Sonnabend, 9. Mai, von 11 bis 18 Uhr eine "Bunte Meile" geboten. Am Pier des Bauhofes werden die Schiffe des Amtes zu bestaunen und zum Teil zu besichtigen sein. Darunter werden die "Triton" und die "Johann Georg Repsold" (beides Tonnenleger) an der Eider festmachen, dazu kommen weitere sechs eigene Schiffe des Amtes und der Seenotkreuzer "Eiswette 2" der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger.
Interessant wird auch der "Tag des offenen Amtes" am Freitag, 8. Mai, sein. Von 13 bis 17 Uhr darf sogar den Beamten bei der Arbeit über die Schulter geschaut werden; im Amtsgarten gibt es Musik und Erfrischungen (Am Hafen 40, auf dem "Robbenberg"): Spielen wird zwischen 13 und 17 Uhr die Irish-Folk-Band "Querbeet". Die Amrumer Musiker haben nicht nur auf den nordfriesischen Inseln viele treue Fans. Auf dem "Robbenberg" hatte übrigens schon der Leiter des Königlichen Kreisbauamtes Büro und Wohnung; im Laufe der Jahrhunderte wurde mehrfach an- und umgebaut, der letzte Erweiterungstrakt im Jahr 2003 fertiggestellt.
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