DER INSELBOTE
Französische Austauschschülerinnen
Jetzt wird kräftig Friesisch gepaukt
Wyk. Toscane und Audrey sind beide 15 Jahre alt und sind schon seit mehr als vier Monaten auf Föhr. Das "Voltaire-Programm" hat sie hierher geführt, ein Austauschprogramm des Deutsch-Französischen Jugendwerkes (DFJW). Im August, wenn ihre sechs Monate Aufenthalt vorbei sind, kehren sie mit ihren Austauschpartnerinnen nach Frankreich zurück und nehmen sie dort in ihre Familien auf, um ihnen im zweiten Teil des Programms ihre eigene Kultur näher zu bringen. So wird das Wyker Gymnasium bald nicht nur Audrey Yager und Toscane Rambaut, sondern auch ihre Partnerinnen Veronica Restrepo und Marret Petereit verabschieden müssen.
Audrey macht das Voltaire-Programm aus Überzeugung, denn ihre große Schwester war auf diese Weise in Wismar, wo es ihr sehr gut gefallen hat. Damals hat Audrey sie mit ihrer Familie besucht. Toscane hat hohe Ziele, wenn sie aus Deutschland zurückkommt: Sie macht ihr Abitur in den Fächern Geschichte und Deutsch auf Deutsch. Durch die Option "Abi-Bac" an ihrer Schule hat sie elf Stunden Deutschunterricht pro Woche. Allerdings sagt sie selber, dass sie dort kaum etwas verstanden hat. Erst als sie in Deutschland ankam, hat sie gemerkt, wie viel ihr der Unterricht gebracht hat. Audrey hat sich in der Anfangszeit mit einem Wörterbuch geholfen, um Unbekanntes nachzuschlagen. "Es war anstrengend und ich war oft sehr müde", sagt sie.
Das kleine Inselgymnasium gefällt den beiden sehr gut. Audrey geht in ihrer Heimat auf eine noch kleinere Schule. Toscane hingegen kennt an ihrem Lycée mit 1600 Schülern nur ihre eigene Klasse, da gefällt ihr das Föhrer Gymnasium viel besser. Toscane fasst zusammen: "Die Leute sind cool, weil sie auf dieser Insel wohnen und die Insel ist cool, weil hier diese Leute leben."
Auch die friesische Sprache beeindruckt die beiden sehr, auch wenn sie es bedauern, dass sie nichts verstehen. Das einzige Wort, an das sie sich erinnern, ist "hoker". Toscane und Marret wollen nun ordentlich Friesisch lernen, damit sie sich in Frankreich ungestört unterhalten können.
Zum Schulsystem in Frankreich und Deutschland haben die beiden Austauschschülerinnen eine eindeutige Meinung: Hier gibt es zwar fast keine Hausaufgaben und man hat unterrichtsfrei am Nachmittag, aber die Ferien sind eindeutig zu kurz. Toscane: "Alle meine Freunde in Frankreich haben schon lange Ferien, nur ich nicht." Der Kontakt zu Freunden wird übers Internet stets gehalten, mit der Familie wird ungefähr einmal pro Woche telefoniert. Doch laut der Mädchen sind es die Eltern, die anrufen und alles wissen wollen. Allerdings betonen beide, dass sie noch nie zuvor soviel Zeit am Computer verbracht hätten, in Frankreich fände man neben Schule und Hausaufgaben keine Zeit dafür.
Als die Französinnen erfuhren, dass sie ihren Austausch auf einer Insel verbringen sollten, waren sie erstmal überrascht: "Wir wussten gar nicht, dass es Inseln in Deutschland gibt." Aber für Toscane, die an der Atlantikküste lebt und das Meer sonst nur vermisst hätte, sei das "super" gewesen. Auch Audrey nannte das Meer auf die Frage, was ihr am Meisten an Föhr gefällt.
Das "Föhrer Wetter" stört Audrey und Toscane überhaupt nicht, im Gegenteil. Als sie im Februar gekommen sind, genossen sie den Schnee, denn sowohl in La Rochelle als auch in Nancy fällt fast nie Schnee. Die Eisschollen und der weiße Strand waren beliebte Foto-Objekte für Toscane, weil es "einfach wunderschön" aussah. Auch der Wind sei toll und angenehm, gerade im Sommer bei Hitze.
Das "allerschönste Erlebnis" für Toscane war ein Norwegen-Urlaub mit der ganzen Familie, Audrey wiederum hat ein Surfkurs mit Schweizern sehr gut gefallen. Eine interessante Erfahrung war es für Toscane, die in ihrer Familie die Älteste ist, bei ihren Föhrer Gastgebern die Jüngste zu sein. Ihre Familie hat sie zu ihrem Geburtstag für drei Tage besucht und sie konnte ihren Eltern und ihren zwei Schwestern die Insel zeigen.
Und was werden die beiden als erstes machen, wenn sie nach sechs Monaten wieder zuhause ankommen? "Ich werde hallo sagen und mich dann auf mein Bett legen" sagt Audrey. Und Toscane will sich sofort auf die Luftmatratze im Pool schmeißen. Beide sind sich sicher, dass sie so bald wie möglich "wieder einmal vorbeikommen" werden.
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