DER INSELBOTE
Wyk
Wo ist die Glocke der "Insel Amrum"?
Das ehemalige Mitglied der WDR-Flotte fuhr vermutlich zuletzt ohne den vorgeschriebenen Ausrüstungsgegenstand an Bord. Foto: oe
Wyk. Sie sind dekorativ und bekanntermaßen begehrte Sammlerstücke. Im Gebäude der Wyker Dampfschiffsreederei (WDR) schmücken sie diverse Büros. Die Schiffsglocken von außer Dienst gestellten oder verkauften Flottenmitgliedern der WDR. Die Glocke der jüngst veräußerten "Insel Amrum" sollte dort eigentlich auch ihren Platz finden, doch das scheint derzeit mehr als fraglich.
Denn das gute Stück ist verschwunden. Verbrieft gesehen wurde sie offenbar zuletzt vor ungefähr eineinhalb Jahren. Dass sie tatsächlich verschwunden ist, wurde allerdings erst bemerkt, als das zweitdienstälteste Schiff der Flotte Anfang Januar an die "Neue Pellwormer Dampfschifffahrts GmbH" übergeben und an die neue Wirkungsstätte überführt wurde. Dabei handelt es sich, wie WDR-Geschäftsführer Axel Meynköhn betont, "um einen ausrüstungspflichtigen Gegenstand", mit dem vor Anker liegend und/oder bei Nebel auch heute noch Signal gegeben wird.
Doch die weltweit begehrten Sammlerstücke werden "gern einmal" als Souvenirs mitgenommen. Der materielle Wert ist dabei eher zu vernachlässigen, auch wenn Glocken mit eingegossenen oder eingefrästen Schiffsnamen - eingeätzt ist die "Billigvariante" - ihren Preis haben. Für den Reedereichef ist der ideelle Wert ungleich höher anzusiedeln und für ihn der Diebstahl deshalb "sehr enttäuschend". Die Schiffsglocken dokumentierten doch auch immer ein Stück Reederei- und damit auch Inselgeschichte.
Was die Täterschaft angeht, will sich Meynköhn keinerlei Vermutungen hingeben. Da die Glocke wie üblich auch auf der "Insel Amrum" im Steuerhaus aufbewahrt und nur herausgeholt wurde, wenn sie auch tatsächlich zum Einsatz kam (Meynköhn: "Sonst hätten wir vermutlich gar keine Schiffsglocke mehr."), kommen Fahrgäste als Täter nicht in Frage. Bleiben im Prinzip nur Besatzungsmitglieder, WDR-Mitarbeiter oder Werftarbeiter. "Das Geschirrhandtuch, auf dem sie stand, lag noch im Schrank, man konnte die Umrisse noch erkennen", erinnert sich der WDR-Geschäftsführer.
Selbst eine Zeitungsanzeige und das Aussetzen von 1000 Euro Belohnung, für denjenigen, der entscheidend zur Wiederbeschaffung beiträgt, hat bislang nicht den erhofften Erfolg gebracht. Die Anzeige dürfte aber zumindest für einen möglichen hiesigen Täter ein Problem mit sich führen. Der Dieb kann die Glocke nicht in seiner Kellerbar aufhängen, ohne Gefahr zu laufen, dass er verpfiffen wird. 1000 Euro sind schließlich eine Menge Geld. Geld, das Meynköhn gerne zahlen würde, damit auch die Glocke der "Amrum" ihren Platz im Reedereigebäude erhält.
Leserkommentare
Na, wenn denn erst nach anderthalb Jahren das Verschwinden der Glocke bemerkt wurde, und auch nur deshalb, weil danach wegen Außerdienststellung gesucht wurde, dann ist es doch unwichtig, wo sie abgeblieben ist.
Als Reedereichef hätte man dann mal, falls wirklich das Interesse jemals bestand, das Verschwinden der Glocke bei einer Schiffsinspektion schon früher festgestellt.
@Frau Tedens: Meinten Sie die neuen Fähren als "Plastikfähren"? Falls ja, warum?
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Die haben sie mit auf einer der beiden neuen Plastikfähren raufgenommen, damit ETWAS Solides mit an Bord ist