DER INSELBOTE
Föhringer Tracht
Weiter lächeln, auch wenn’s piekst
Föhr ". Autsch!" Während auf den Pariser Modewochen "Kaiser Karl" Lagerfeld und Konsorten mit pieksenden Nadeln und Abnähern den modischen Gewändern ihrer Models den ultimativen "Dernier Cri" verpassten, wurde vom "Fering Ferian" nahezu zeitgleich in der Süderender Schule zum "Buin an Uuntjin", dem Üben des komplizierten "Zusammenbaus" der prachtvollen Föhringer Tracht geladen. Das Zepter der Übungseinheiten auf Föhr-Land hatte natürlich nicht der kuriose Karl, sondern die energische Ella Christiansen in Händen, ebenso einen Haufen entsprechender Spezialnadeln zum Stecken und korrektem Fixieren von "Braanjnöösduk"(Kopftuch) und entsprechendem "Halsduk" (Halstuch). Es galt, Kenntnisse der vergangenen Kurse aufzufrischen. "Ella hats einfach drauf", so neidlos Helga Wögens, als Leiterin der Utersumer Trachtengruppe mit der Materie auch nicht ganz unvertraut. Aber selbst die gestandene "Chef-Direktrice" hatte zwischenzeitlich einige Mühe mit einem ihrer "Topmodelle".
Die 14-jährige Meike Hassold verfügt über ein stattliches Gardemaß, auf dem Catwalk heiß begehrt, beim Stecken des Halstuchs zumindest für die Anzieherin eher hinderlich. Denn, Meike muss stehen, Ella allerdings auch, die ganze Zeit quasi auf den Zehenspitzen. Und mit rund 80 bis 100 Nadeln auch noch locker eine Stunde lang auf Kopfhöhe herumwerkeln, Meikes "Duk" erweist sich nämlich leider als ziemlich störrisch. Ein wahrlich anstrengendes Unternehmen. Mutter Heidi Hassold ist dankbar, denn das gekonnte Stecken und Binden von Kopf-und Halstuch hat seinen Sinn: Die Tochter darf die Familientracht erstmals auf ihrer Konfirmation im Frühling tragen, bis dahin hält Ellas trachtentechnisches Können Tücher samt Nadeln, Falten, Fransen und Windungen in Fasson.
Ein Problem, dem sich die insularen Tänzerinnen in der Tanzsaison immer wieder stellen müssen. "Wir achten drauf, die Tücher langfristig in Form zu halten, denn vor jedem Auftritt neu zu binden und zu stecken, ist ein riesiger Zeitaufwand, es passiert allerdings auch, das die eine oder andere Nadel verrutscht. Dann piekts , und zwar nicht zu knapp", so Helga Wögens. Und was macht man dann angesichts der begeisterten Zuschauerschar? "Äußerlich lächeln, nach innen Zähne zusammen beißen und dann einfach durch!"
Apropos "durch" : Entsprechende Gebrauchsspuren sind nach vielen Jahrzehnten natürlich auch Teilen der alten Trachten anzusehen, daher probierte man erstmals eine entsprechende "Kauf- und Tauschbörse". Zur Premiere in der Süderender Schule informierten sich allerdings nur wenige über angebotene Peis, Sliawen, Tücher, Schürzen oder Fransen. "Wahrscheinlich muss sich das beim nächsten Mal noch mehr rumsprechen", so Ella Christiansen. Denn auch eine prächtige Föhringer Tracht wird nicht jünger. Gut zu wissen, dass entsprechend passende "Schätzchen" noch in vielen Haushalten als neue Attribute auf ambitionierte Trachtenschneiderinnen warten.
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