DER INSELBOTE
Föhr/Amrum
Seiteneinstieg: Koch platzt der Kragen
Maßarbeit: Heute vor einem Jahr rollte der Stahlkoloss von der Fähre. Wenige Wochen später sollten die Bauarbeiten fertig sein. Foto: len
Föhr / Amrum. Dass diese Baustelle unter keinem guten Stern stehen würde, hätte man sich schon denken können, als das Stahlgerüst für den Wyker Seiteneinstieg heute vor einem Jahr geliefert wurde - erst hatte sich der Transport um mehrere Tage verzögert, dann machte im entscheidenden Moment die Hydraulik am Fähranleger 3 schlapp und der Stahlkoloss konnte zunächst nicht entladen werden. Doch schließlich gab es an jenem 3. Februar 2011 ein "Happy End" und der Seiteneinstieg kam doch noch sicher an Land.
Ein "Happy End", auf das der Wyker Hafenbetriebsleiter Ulrich Koch, der den Bau der Seiteneinstiege in Wyk, Wittdün und Dagebüll koordiniert, was die gesamte Maßnahme angeht, immer noch wartet. Denn wie schon der Transport, hat sich auch der Aufbau in allen drei Häfen immer wieder verzögert. Zuerst sollten Wyk und Dagebüll bereits im Februar 2011 fertig sein, dann Pfingsten, dann im Oktober, dann vor Weihnachten, dann nach Weihnachten, dann im Januar. . . Und auch in Wittdün, wo der Bau vor Ostern des vergangenen Jahres abgeschlossen sein sollte, ging und ging es nicht voran. Jetzt ist Koch endgültig der Kragen geplatzt. "Wir sind von der Firma unendlich vertröstet worden. Ich fühle mich von denen nur noch verar. . .", schimpft der Hafenbetriebs-Chef. Er hat dem nordrhein-westfälischen Stahlbauunternehmen jetzt eine allerletzte Frist gesetzt. Sollten die Arbeiten nicht bis zum 15. Februar in allen drei Häfen abgeschlossen sein, werde der Firma der Auftrag entzogen und auf ihre Kosten ein anderes Unternehmen bestellt, drohte Koch.
Jetzt soll plötzlich alles ganz schnell gehen. In einem Antwortschreiben verpflichtet sich der Stahlbauer vertraglich, alle drei Häfen bis zum 15. Februar so weit fertig zu haben, dass die Fähren Probefahrten machen können, und die Bauarbeiten bis zum 29. Februar komplett abzuschließen. Mit zwei Ausnahmen: Die Wartehalle in Wittdün könnte je nach Wetterlage noch etwas länger dauern und die elastischen "Faltenbälge" am Übergang zu den Fähren werden eventuell erst später eingebaut. Damit kann auch Ulrich Koch leben, da dieser Übergang vorübergehend auch durch eine Drahtkonstruktion gesichert werden könnte. Der TÜV verlange keine Faltenbälge, man habe sich für diese "Gummi-Zieharmonikas" lediglich entschieden, um den Seiteneinstieg komplett vor Wind und Wetter zu schützen.
Doch woran liegen die Verzögerungen? Koch will nicht der Firma allein die Schuld geben, sondern betont, dass gleich mehrere Umstände zusammenkamen. Zunächst habe der harte vergangene Winter den Zeitplan durcheinandergebracht, außerdem seien während der Bauarbeiten noch Dinge hinzugekommen, die ursprünglich nicht ausgeschrieben waren. So habe Wittdün sich erst nachträglich, als klar war, dass der Kostenrahmen für den Seiteneienstieg eingehalten würde, zum Bau einer Wartehalle entschieden. Doch darüber hinaus waren immer wieder Baumängel aufgetreten. So war - wie bereits berichtet - der "behindertengerechte" Übergang zur Fähre in Dagebüll so schmal ausgefallen, dass kein Rollstuhl und kein Kinderwagen durchpassen würden. Und die Hydraulik, die dafür sorgen soll, dass sich die beweglichen Brücken dem Wasserstand anpassen, hat laut Ulrich Koch von Anfang nicht funktioniert.
"Für mich ist das alles sehr unbefriedigend, aber wir mussten jetzt die Notbremse ziehen", erklärt er und verweist gleichzeitig darauf, dass es über die Bauarbeiten am Wyker Hafen durchaus auch Positives zu berichten gebe. So habe man im Zuge des Baus der neuen Parkplätze im vergangenen Jahr eine komplett neue Beleuchtung im Hafengelände installieren können. Und demnächst sollen die Parkplätze eine separate Ein- und Ausfahrt bekommen, um die Situation dort übersichtlicher zu gestalten. Dies sei vor einigen Wochen bei einer Verkehrsschau angeregt worden.
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