DER INSELBOTE
Kindertagesstätte "Die Inselkinder"
Notlösung wird zum Erfolgsmodell
Was für viele Kinder nur ein Traum ist, können die Kids der Kindertagesstätte (Kita) "Die Inselkinder" seit etwa einem Jahr regelmäßig hautnah erleben: Kita auf dem Bauernhof, umgeben von Pferden, Ziegen, Meerschweinchen, Hasen und Kaninchen sowie zehn Hühnern und zwei Hähnen. Dabei entwickelt sich zum Erfolgsmodell, was im vergangenen Jahr lediglich als Notlösung gedacht war.
Notlösung, da im vergangenen Jahr im Flurbereich der Einrichtung ein neuer Fußbodenbelag verlegt wurde. Eine zweiwöchige Aktion, für deren Dauer Kita-Leiterin Annette Bruns ihren Hof in der Midlumer Marsch als Ausweichquartier zur Verfügung stellte. Nun, in seiner zweiten Auflage, heißt das Modell "Auftaktwoche", denn über diese Woche hinaus verbringen die Kinder in der Zeit von April bis September jeden letzten Mittwoch im Monat auf dem Hof, der zusätzlich mit diversen Spiel- und Klettergeräten ausgestattet ist und dessen Heuboden bei schlechtem Wetter als Spielplatz dient.
Ein Tages- oder Wochenprogramm gibt es nicht, vielmehr werden "Natur, Wetter und alle Unwägbarkeiten ausgenutzt", erklärt Bruns den offenen, situativen Ansatz. Wobei "offener Ansatz" nicht zügel- oder regellos bedeute, lediglich der Umgang mit den Regeln sei anders. "Die Kinder wissen wie es läuft, handeln danach, oder weisen sich gegenseitig darauf hin."
Sieben Erzieher kümmern sich um 25 bis 35 ein- bis elfjährige Kinder, sind allgegenwärtig, ohne pausenlos einzugreifen. "Die Kinder einfach machen lassen und ihnen etwas zutrauen", legt Bruns Wert auf den größtmöglichen Freiraum für den Nachwuchs. Dabei lernen die Kinder von und mit den Naturgesetzen, bekommen ganz praktisch und wie selbstverständlich Dinge vermittelt, die so manche Stunde auf dem "klassischen Stundenplan" überflüssig macht.
Erfahrungen, die der Hof nicht bietet, werden anderweitig gesammelt. In der Hofmolkerei "Eilun Moolk" in Dunsum zum Beispiel, wo die Kinder lernen, dass die Milch nicht aus Tüten kommt und Kühe nicht unbedingt lila sind. Und dass auch Ziegen gemolken werden, ihre Milch sogar zu Käse verarbeitet wird, soll demnächst bei einem Besuch auf dem Ziegenhof Matzen in der Oevenumer Marsch Thema sein.
Auch ein Stück Waldorf-Pädagogik spielt in das Modell mit hinein, etwa wenn den Kids nahegebracht wird, wie früher gedroschen oder geklöppelt wurde. Um zu vermitteln, wie ein Spinnrad funktioniert, musste allerdings Hofhündin Leni "dran glauben". Die wurde kurzerhand gebürstet und die Wolle anschließend gesponnen.
Eine gesunde Mischung aus herkömmlicher Kita und Naturkindergarten sei das Ziel, so Bruns, im Rahmen einer Großfamilie. Nicht familienergänzend, wie die Leiterin betont, sondern mit den Eltern gemeinsam. Und die Erfahrung zeige, dass diese wunderbar mitziehen. "Zusammenhalt und Gemeinschaft sind einfach anders", so Bruns' Fazit, und das sei es, was auch die Eltern bräuchten.
"Wir haben hier viele lachende Augen, jeder Tag ist ein Erlebnis", beschreibt die Leiterin das völlig andere Konzept, das auf dem Hof zur Anwendung kommt. Wobei sich das auf dem Bauernhof Erlebte längst wie ein roter Faden durch den Kita-Alltag zieht. Das offene Prinzip und die tiergestützte Pädagogik, mit Hilfe von Meerschweinen, Achatschnecken und Fischen, finden sich dort wieder. Eine ganz tolle Truppe sei es, so die Chefin, "die mit viel Lust und Liebe an die Arbeit herangeht".
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