DER INSELBOTE
Davids Sammlung
Schatz im Kopenhagener Bürgerhaus
Kopenhagen. In dem hell erleuchteten Kopenhagen ist ein Schatz versteckt, dessen Entdeckung nur denjenigen vorbehalten ist, die sich auf die Suche machen. Er verbirgt sich in einem der alten großbürgerlichen Wohnhäuser hinter dem Schloss Rosenborg in der Kronprinsessegade und ist zur Straßenseite mit einem Tor versehen. Nur ein schmales Hinweisband zeigt an: Hier hat der Jurist und Museumsgründer Christian Ludvig David (1878-1960) gewohnt, ein Kunstsammler, der seine Schätze inklusive Wohnhaus einer von ihm gegründeten Stiftung zur Verfügung gestellt hat.
Das Haus wurde zum Museum umgebaut, dass man über den Torgang betritt. Aus dem modernen Foyer heraus gelangt der Besucher in ein aufwendig restauriertes Treppenhaus in die oberen Ausstellungsetagen mit insgesamt drei Sammlungen.
Die bedeutendste und schönste, die Islamische Sammlung, liegt im obersten Stockwerk: Sie umfasst den gesamten islamischen Kulturkreis von Spanien bis Westindien über einen Zeitraum vom 7. Jahrhundert bis 1850. Die reich mit Ornamenten ausgeschmückten Gebrauchsgegenstände werden in zwanzig chronologisch-geografischen Sektionen auf dem Hintergrund historischer Zusammenhänge präsentiert.
In den abgedunkelten Räumen reden die Besucher wenig miteinander und diese Stille fokussiert den Blick auf die Kostbarkeiten. Die vielfachen Objekte wie Alabaster-Gefäße, Gerätschaften oder Schmuck sind in großen Vitrinen ausgeleuchtet, während zwischen den einzelnen Räumen eine einzigartige, multimedial zugänglich Münz-Sammlung in kleinen Schaukästen verteilt ist.
Als ob diese Schau nicht genug wäre - immerhin handelt es sich um eine der größten Sammlungen Europas - sind drei weitere ebenso eindrucksvoll ausgestattete Räume angeschlossen. Einer beinhaltet Miniaturmalereien, die Aufschluss über die Lebensgewohnheiten reicher Bewohner geben.
Im zweiten Raum hängen Kalligafien, deren fein ziselierte Tintenschrift sich golden und ornamental auf langen Papierrollen ausbreitet. Gesetzestexte, alte Dokumente und der Koran in vielfältigen Variationen sind hier niedergelegt. Im dritten Raum dahinter leuchten den Besuchern dunkelrot-goldene oder kobaltblaue, kostbar bestickte Textilien entgegen.
Nach dem Rundgang wird man in eine Vermittlungsabteilung unter das Dach des Hauses gelotst, einer Zentrale für das Verständnis islamischer Kunst und Kultur, wo man sich im Sofa in den Büchern und Ausstellungskatalogen festlesen kann.
Noch bis zum 8. April ist eine schmucke kleine Sonderausstellung mit rituell-künstlerischen Objekten in einem einzigen Raum zu besichtigen " Sufismus: der islamische mystische Weg". Diese spirituelle Richtung steht im starken Kontrast zum orthodoxen Islam und ist nicht zuletzt durch die Bilder tanzender Derwische auch in Europa bekannt geworden.
Die weiteren Museums-Etagen bieten europäische Kunst des 19. Jahrhunderts und dänische Kunst inklusive Interieur aus dem "Goldzeitalter", eine sehenswerte Sammlung mit Skulpturen, Keramik und Malerei dänischer Künstler (1880-1950). Zusätzlich wird ein umfangreiches Vortragsprogramm angeboten mit Wissenschaftlern, Journalisten und Schriftstellern wie beispielsweise Carsten Jensen. Für die interessanten Themen und Führungen braucht man Dänisch-Kenntnisse. Der Audio-Guide über Kopfhörer spricht auch Englisch.
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