DER INSELBOTE
"Uthlande"
Fähre von Eisscholle beschädigt
Wyk. Früher einmal hieß sie Dampferbrücke, und die Passagierschiffe legten an ihr an. Doch wenn heute eine Fähre an der Mittelbrücke festmacht, dann muss schon etwas Besonderes los sein. Und so sprach es sich am Donnerstag wie ein Lauffeuer herum, dass die "Uthlande" am Strand vor dem Sandwall liegt und die Insulaner kamen in Scharen, mit Fotoapparaten bewaffnet, um das Spektakel mitzuerleben. Doch der Kapitän hatte weder seinen Passagieren etwas bieten wollen, noch sich verfahren. An einer riesigen Eisscholle war das Schiff k.o. gegangen.
Bereits am Mittwoch, so berichtet Axel Meynköhn, der Geschäftsführer der Wyker Dampfschiffs-Reederei (WDR), habe die Fähre Kontakt mit einer Eisscholle gehabt. "Das gab einen kräftigen Rums und den wollen wir uns nachher ansehen", erklärte er gestern Nachmittag, warum die Fähre vom Wyker Anleger zur Mittelbrücke verlegt wurde. Beim Nachmittags-Hochwasser wurde sie dorthin gebracht, um am Strand trockenzufallen. Bei Niedrigwasser am späten Abend wollten WDR-Mitarbeiter dann die vier Propeller in Augenschein nehmen, um zu sehen, wie groß der Schaden tatsächlich ist.
"Die Eissituation draußen ist krasss"
"Die Schollen, die sich am Strand türmen, haben inzwischen eine Stärke von 1,60 Metern", berichtet Meynköhn, dass der Eisgang bei der erst spät, aber dafür um so heftiger hereingebrochenen Kälte deutlich stärker sei, als in den beiden strengen vorangegangenen Wintern. Selbst tonnenschwere Seezeichen würden von den Schollen einfach angehoben und "weggerissen wie Streichholzschachteln".
"Die Eissituation draußen ist krasss", berichtet Meynköhn, dass man die "Uthlande" nicht habe zur Werft bringen können. "Das Dock ist ebenfalls eingefroren". Neben der "Uthlande" ist - laut Meynköhn allerdings wegen normalen Verschleißes - auch die "Nordfriesland" außer Gefecht gesetzt, so dass die Reederei derzeit nur noch zwei Fähren in Betrieb hat. Mit ein Grund, dass der Fährverkehr zwischen Dagebüll und den Inseln gestern bis auf einen Notfahrplan bei Hochwasser eingestellt wurde.
Halliglinie komplett eingestellt
Doch selbst wenn die Uthlande fahren würde, könnte zurzeit der reguläre Fahrplan nicht eingehalten werden. "Die Kapitäne haben absolute Order, extrem langsam durchs Eis zu fahren", so der WDR-Chef. Der Notfahrplan gilt zunächst bis zum kommenden Montag. In dieser Zeit haben, so teilt die WDR auf ihrer Homepage www.fahere.de mit, Fahrzeugbuchungen keine Gültigkeit mehr. Buchungen für PKW werden bis zum 13. Februar nicht mehr angenommen, auf den Fähren haben Versorgungsfahrzege absoluten Vorrang.
Deswegen musste auch das Alkersumer Museum Kunst der Westküste einen für Freitag geplanten Bildertransport für die nächste Ausstellung verschieben. Der Umzugswagen mit den Kunstwerken muss warten, damit Lastwagen mit Lebensmitteln die Inseln weiter erreichen können.
Während Föhr und Amrum wenigstens noch eingeschränkt angefahren werden, wurde die Halliglinie am Donnerstag - ebenfalls zunächst bis Montag - komplett eingestellt. Axel Meynköhn empfiehlt allen Insulanern, die dennoch zum Festland wollen, ihr Auto stehen zu lassen und nur noch dringend notwendige Fahrten anzutreten. "Wer nur zum Shopping nach Flensburg will, sollte seine Einkaufstour um eine Woche verschieben", rät der Reederei-Chef.
Fahrplan Freitag, 10. Februar
ab Amrum:
zur 5-Uhr-Fähre fährt ein Bus 4.30 Uhr ab Norddorf
zirka 5 Uhr über Föhr nach Dagebüll
zirka 11 Uhr über Föhr nach Dagebüll
zirka 15 Uhr über Föhr nach Dagebüll
ab Föhr:
zirka 6 Uhr nach Amrum
zirka 6.30 Uhr nach Dagebüll
zirka 12.30 Uhr nach Dagebüll
zirka 13.30 Uhr nach Amrum
zirka 16.30 Uhr nach Dagebüll
zirka 17.30 Uhr nach Amrum
ab Dagebüll:
zirka 5 Uhr über Föhr nach Amrum
zirka 12.30 Uhr über Föhr nach Amrum
zirka 16 Uhr über Föhr nach Amrum
Aktuelle Informationen gibt es im Internet (www.faehre.de) und über die Telefondurchsage (01805/080140).
Die Inseln Pellworm und Helgoland werden nach Angaben der Reedereien weiterhin fahrplanmäßig angelaufen. Auch die Hafenfähren der HADAG in Hamburg verkehren wie gewohnt. Es seien lediglich leichte Verspätungen denkbar, sagte HADAG-Sprecherin Gabriele Müller-Remer am Freitag. Wegen des starken Eisgangs auf der Unterelbe hat jedoch die Elbfähre Glückstadt-Wischhafen den Betrieb bis auf weiteres vollständig eingestellt.
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