DER INSELBOTE

 

Erträge gut, Nachfrage immer größer: Rübenbauern fordern gerechte Preise

10. Februar 2012 | 03:00 Uhr | Von Peter Hamisch

Bei guten Anbaubedingungen wurden 2011 rund 20 Tonnen Zucker pro Hektar erwirtschaftet. Foto: ami

Satrup. Im deutsch-polnischen Grenzraum stürmen die polnischen Verbraucher die deutschen Läden, um sich mit Zucker einzudecken. Im Zuckerland Brasilien steigt der Zuckerverbrauch stetig, weil große Mengen der Zuckerrohrpflanze zu Ethanol verarbeitet werden und Kraftfahrzeuge antreiben. Den Norddeutschen Rübenbauern freut es, denn ihm eröffnet der Zuckerboom Anbaumöglichkeiten und Einkommensperspektiven.

In Satrup informierten der Zuckerrübenanbauverband Schleswig-Holstein gemeinsam mit der Nordzucker AG über die abgelaufene Saison.

"Die Saison 2011 war für die Rübenbauern hervorragend", schwärmte der Vorsitzende des Zuckerrübenanbauverbandes, Andreas Thiessen aus Tolk. Der Grund waren die idealen Wachstumsbedingungen für die Früchte im vergangenen Jahr, so dass der Zuckergehalt konstant anstieg. In den Regionen Angeln, Nordfriesland-Geest konnte ein durchschnittlicher Zuckerertrag von 12,5 Tonnen je Hektar erzielt werden. Damit haben die "Nordlichter" unter den Zuckeranbauern in Schleswig-Holstein einen Spitzenwert erreicht. Was noch fehle, so Thiessen, sei eine faire und angemessene Beteiligung an den Markterlösen für den erzeugten Zucker. Die Rübenanbauer hätten in schlechteren Jahren auch auf deutliche Geldsummen verzichtet. Nun sei es an der Zeit, dass der Anbauer auch an der guten Marktsituation beteiligt werde.

Nicht nur die Pflanze entwickelte sich für den Rübenanbauer außerordentlich gut, auch die Verarbeitung und Vermarktung macht der Nordzucker AG als Verarbeiter Freude. Dies unterstrich Agrarvorstand Niels Pörksen aus Braunschweig. In 125 Kampagnen-Tage wurden konzernweit 18 Millionen Tonnen Rüben verarbeitet. "So viel wie noch nie". Die Erträge waren überall hervorragend, teilweise wurden bis zu 20 Tonnen Zucker pro Hektar geerntet. Die gute Ernte fällt in eine Zeit, in der Zucker auf dem Weltmarkt knapp ist. Diese Situation wird sich in den kommenden Jahren kaum verändern, prophezeite Andreas Windt, Manager für Anbauberatung und Rohstoffsicherung bei Nordzucker. Da Rüben in der EU einer Quote unterliegen, appellierte Windt an die anwesenden Rübenbauern im Satrup-Krog, die Anbaufläche nicht zu verringern. Durch die steigende Zuckernachfrage vorwiegend in China und Indien werden bis zum Jahr 2020 42 Millionen Tonnen Zucker mehr benötigt. "In Europa liegt die Zuckereigenversorgung bei 80 bis 85 Prozent. Die EU-Zuckermarktordnung sichert die Versorgung zu angemessenen Preisen und schützt die Verbraucher vor Preis- und Mengenschwankungen." Daher sei der unveränderte Erhalt dieser Regelungen bis mindestens 2020 notwendig, ist die Meinung der Anbauer.

"Die Rübe ist inzwischen für den Rübenanbauer eine lohnende Frucht", unterstrich Windt. Im Vergleich zu Raps und Weizen ist der Deckungsbeitrag der Rübe drei mal so hoch. "An den Erlösen für Zucker wollen die Landwirte teilhaben", forderte Jürgen Winter vom Dachverband Norddeutscher Zuckerrübenanbauer nachdrücklich. Hierbei geht es nicht darum, das eigene Unternehmen zu schädigen, sondern in guten Zeiten die gemeinsam erzielten Erfolge auch zu teilen, so Winter.

Unstrittig ist der garantierte Preis pro Tonne Rübe von 26,29 Euro. Während Niels Pörksen AG , für ein nachhaltiges Preiskonzept plädierte, das auch in weniger guten Ertragsjahren einen auskömmlichen Preis für den Rübenanbauer vorsieht, wollen die Erzeuger in diesem Jahr deutlicher am Erfolg beteiligt werden. Die Preisverhandlungen zwischen Nordzucker AG und dem Dachverband der Rübenanbauer gestalten sich zäh und waren die Nuance, die an diesem Nachmittag in Satrup die gute Stimmung trübte.

Rübenanbauer Peter Krog aus Loit sprach die Meinung der Landwirte im Saal aus: "Wir wollen den Preis, der uns Rübenanbauern und Aktionären der Nordzucker AG zusteht." Krog warnte davor, die Landwirte nicht am Erfolg zu beteiligen.


 

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