KINDERNACHRICHTEN

 

Alltags-Helden erobern Filmfestival

09. Februar 2012 | Von Ulrich Ehlers

Eine Handwerkerin zeigt eine Rohfassung des Berlinale-Bären aus Bronze (links) und ein fertig vergoldetes Exemplar. Foto: dpa

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Berlin. Die Lichter im Kino gehen aus. Auf der Leinwand lässt sich nichts erkennen. Wir hören leise schweres Atmen, das immer lauter wird. Kleine Leuchtkegel tauchen auf, sie wackeln ständig hin und her. Entwickelt sich hier ein Krimi, eine Abenteuergeschichte? Später erkennen wir drei Kinder mit einem Ranzen auf dem Rücken. An der Stirn haben sie Stablampen befestigt, die sich bei jedem Schritt bewegen. Der Weg führt sie einen steilen Hügel hinunter. Sie steigen in eine Seilbahn mit Selbstbedienung und gelangen schließlich zu einer Straße. Weht der Wind zu stark, dürfen sie nicht mit dem "Bähnli" fahren. Stattdessen müssen sie eine weitere Stunde zu Fuß gehen, um nach fast zwei Stunden endlich zur Schule zu gelangen. Im weiteren Verlauf des Films erfahren wir aus der Sicht der Kinder viel über ihr Leben in den abseits gelegenen Berghöfen, ziemlich isoliert von der übrigen Welt.

Was ist daran nur so ungewöhnlich? Zugegeben, die Schilderung klingt für einen Film nicht besonders aufregend. Aber er wurde als Eröffnungsfilm für das Kinder-und Jugendfilm-Programm der diesjährigen Berliner Festspiele nominiert. Und damit setzte er sich unter 1500 Filmemachern aus aller Welt durch, die sich für das Wettbewerb-Programm beworben haben. Eine richtig große Ehre.

Die Kinder im Film stehen nicht als junge Schauspieler für eine ausgedachte Geschichte vor der Kamera, denn es handelt sich um einen Dokumentarfilm. Also geben sich die Darsteller wie sie wirklich sind. Trotzdem gibt es viel Aufregung, Missverständnisse, Spannung und komische Augenblicke. Sie sind die Helden in einem uns unbekannten Alltag.

Der Dokumentarfilm heißt: "Die Kinder von Napf", denn so heißt der Berg, an dem die Kinder leben. Für drei der 50 gefilmten Schweizer Kinder vom Berg Napf wird es bald sehr aufregend. Sie reisen mit der Regisseurin, Alice Schmid, zur Vorführung ihres Films nach Berlin. Julia (9) und Carolin (11) wollen dann vor 1000 Kindern im Zoo-Palast ein Heimatlied vorstellen, Thomas (11) will den Berlinern zeigen, wie und warum er mit seiner Mäusefalle Mäuse fängt.


 

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