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Weltkriegs-Munition

Hochgiftiges Senfgas vor der Ostseeküste

02. Februar 2013 | 09:13 Uhr | Von fju


Auf dem Meeresgrund liegt mehr Weltkriegs-Munition als bisher bekannt. Anhand von Akten wurde nachgewiesen, dass in der Flensburger Förde auch Senfgas versenkt worden ist.

Kiel. Die Munitionsaltlasten aus dem Zweiten Weltkrieg auf dem Grund von Nord- und Ostsee sind größer und gefährlicher als bislang gedacht. Das ergibt sich aus dem ersten Jahresbericht einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe unter Federführung Schleswig-Holsteins zu versenkten Kampfmitteln. Die Erkenntnisse stützen sich vor allem auf Recherchen in Militär-, Landes- und Stadtarchiven sowie auf neue Messungen.

So wurde anhand von Akten der Verdacht nachgewiesen, dass in der Flensburger Förde neben dem Nervengift Tabun auch Senfgas versenkt worden ist. Anders als Tabun baut sich dieser Hautkampfstoff nicht von selbst ab. Zudem ist jetzt amtlich, dass große Restbestände nicht allein am Übergang der Förde in den Kleinen Belt von Bord gelassen wurden, sondern bereits ab Höhe Glücksburg. Allein auf den Wegen zum Haupt-Versenkungsgebiet am Eingang zum Kleinen Belt werden 1200 Tonnen Kampfstoffmunition vermutet. "Sehr viel weitergehende Erkenntnisse" verzeichnet der Report auch über die Belastung vor Heidkate am Ost-Ausgang der Kieler Förde.

"Wir sind weitergekommen, aber noch lange nicht fertig"

Mindestens 2000 Ankertau- und Grundminen sowie Wasserbomben oder torpedoartige Objekte sind dort derzeit bekannt. Die als verunreinigt eingezeichnete Fläche wurde in den Seekarten daraufhin massiv erweitert. Insgesamt lagern in deutschen Hoheitsgewässern mindestens 1,6 Millionen Tonnen konventionelle und 5000 Tonnen chemische Kampfmittel. "Wir sind weitergekommen, aber noch lange nicht fertig", sagt der Vorsitzende der Arbeitsgruppe, Jens Sternheim. "Munition im Meer ist ein Problem der gesamten Gesellschaft", bilanziert Umweltminister Robert Ha beck. "Es ist weiterhin nicht in vollem Umfang abschätzbar, welche Dimension es hat und wie sich das auf Umwelt und Wirtschaft auswirkt." Im Koalitionsvertrag hatte die Landesregierung verabredet, das Thema auf der politischen Agenda höher anzusiedeln.

Seit Anfang 2013 ist eine zentrale Meldestelle beim Maritimen Sicherheitszentrum in Cuxhaven in Betrieb. Ihr müssen alle Auffälligkeiten mit Munitionsresten angezeigt werden. Mittelfristiges Ziel ist ein flächendeckendes Munitionskataster. Es soll die Grundlage für eine konkrete Risikobewertung bilden. Ob vor Flensburg oder Kiel kurzfristig etwas getan werden muss, hängt von der Bewertung durch Kampfmittelexperten des Landeskriminalamts ab. Damit Gefahren für Mensch und Umwelt beim Beseitigen der Altlasten ver ringert werden können, hält Sternheim auch neue Technologien für dringlich. Die Fraunhofergesellschaft und die Arbeitsgruppe wollen beim Bund Forschungsgelder für eine vollautomatische Entsorgungseinheit beantragen.


 
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