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Rendsburg
Weiße Brücke: Politik rudert zurück
Erfolg für die Bürger: Das Wahrzeichen Weiße Brücke soll durch den Neubau so wenig wie möglich verändert werden. Foto: Schönstedt
Rendsburg. Die Leserbrief-Aktion der Landeszeitung hat der Rendsburger Politik offensichtlich die Augen geöffnet. Plötzlich ist keine Rede mehr von einer Riesenbrücke. Im Gespräch mit unserer Zeitung ruderten gestern sämtliche Fraktionen zurück. Damit reagierten die Politiker auf die deutliche Reaktion unserer Leser. Am Sonnabend hatte die Landeszeitung knapp 100 Stellungnahmen veröffentlicht. Nahezu alle verteufelten die Ausbaupläne für die Weiße Brücke und die Fuß- und Radwegeplanung im Bereich des Stadtparks und am Rathaus.
"Das Urteil war eindeutig", sagte Klaus Brunkert. Der stellvertretende Frak tionsvorsitzende der CDU betonte, dass die Brücke als Wahrzeichen erhalten bleiben muss - auch nach dem Neubau. "Die neue Brücke sollte optisch der alten entsprechen, vielleicht einen Meter breiter. Wir brauchen dort aber keine Rennstrecke für Radfahrer, diese müssen Rücksicht nehmen. Das hat bisher auch geklappt", meinte Brunkert. Der Neubau müsse ohne "Schickimickis" mit bescheidenen Mitteln realisiert werden.
"Es kann nicht sein, dass wir etwas nach irgendwelchen Richtlinien planen, nur um Zuschüsse zu erhalten"
Auch SPD-Fraktionschef Helge Hinz zeigte sich beeindruckt vom Leser-Echo. Er betonte, dass die Weiße Brücke ihren Charme behalten müsse. Die Aussichtsplattform, mit der die Brücke bis auf zehn Meter Breite anwachsen würde, sei indiskutabel. Der Neubau der bislang 3,10 Meter breiten Brücke dürfe höchstens einen Meter breiter werden. "Wir brauchen keine Plattform zum Entenfüttern. Eine Brücke soll nicht zum Verweilen einladen, sondern von A nach B führen", sagte Hinz. Er betonte ebenfalls, dass die Zuwegungen in den derzeit geplanten Ausmaßen nicht akzeptabel seien. "Wir müssen ernsthaft über eine Verlegung der Velo-Route nachdenken."
Fritjof Wilken, Vorsitzender der Fraktion "Liste Wilken - Für ein modernes Rendsburg", sagte, der Neubau müsse in den finanziellen Rahmen der Stadt passen. "Es kann nicht sein, dass wir etwas nach irgendwelchen Richtlinien planen, nur um Zuschüsse zu erhalten", meinte Wilken. Die neue Brücke müsse mit gleichem Charakter und an selber Stelle errichtet werden. Eine Verbreiterung der Zuwegungen sei nicht erforderlich. Auch die Schlangenallee (der Pfad am Rathaus entlang des Stadtsees) könne so bleiben. "Es macht überhaupt nichts, wenn die Radfahrer mal Rücksicht nehmen und schieben."
"Ich habe die Pläne von Anfang an für überdimensioniert gehalten."
Auch die übrigen Fraktionen Grüne, Linke und SSW nahmen von den bisherigen Plänen Abstand. "Ich habe die Pläne von Anfang an für überdimensioniert gehalten. Eine Verbreiterung auf vier Meter wäre in Ordnung, aber keine fünf und schon gar keine Aussichtsplattform. Ich fahre dort selbst häufig mit dem Rad und habe nie Probleme gehabt. Vielleicht sollte die Velo-Route verlegt werden", sagte Klaus Schaffner, Vorsitzender von Bündnis 90 / Die Grünen. Volker Lindenau, Vorsitzender von Die Linke, plädiert für einen kostengünstigen Neubau, der sich an der bisherigen Brücke orientiert - nur ohne Metallgitter. "Die neue Brücke sollte für Radfahrer gesperrt werden. Diese können über den Jungfernstieg ausweichen", so Lindenau. SSW-Fraktionschef Morten Jochimsen: "Die neue Brücke kann gern einen Meter breiter werden, aber eine Plattform ist irrsinnig. Radfahrer sollten über den Jungfernstieg geleitet werden."
Damit dürften die Planungen im Rathaus erst einmal aufs Eis gelegt werden. Noch im Juli hatte der Bauausschuss die Verwaltung beauftragt, die Ausbaupläne voranzutreiben und Fördermittel zu beantragen.
Standpunkt
Verzeihlich
von Jan F. Schönstedt
Die Reaktion der Politik ist erfreulich. Man verschließt nicht Augen und Ohren, sondern reagiert auf den Willen der Bürger. Mehr als deutlich hatten diese via Landeszeitung ihre Meinung zu den Ausbauplänen von Weißer Brücke sowie Fuß- und Radwegen geäußert.
Man sollte das Zurückrudern nicht negativ werten und fragen, warum die Politik nicht gleich so gehandelt hat. In Ratsversammlung und Ausschüssen sitzen Ehrenamtler, die sich zum Wohle der Allgemeinheit politisch engagieren. Da ist es verzeihlich, wenn bei einer vierstündigen Sitzung des Bauausschusses auch einmal Fehler unterlaufen
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