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Kreis Steinburg
Mini-Schweine müssen weg: Endstation Schlachter?
Kronsmoor. Dreckschwein? Schwein ja, aber von Dreck keine Spur. Für Minischwein "Öff Öff" geht es täglich in die Badewanne und dann ab ins Bett von Halterin Beatrix Martina Krause. Frisch gebadet erinnert das kleine Ferkel an den rosigen Sympathieträger aus dem Kinoerfolg "Ein Schweinchen namens Babe". Für andere Schweine auf dem Hof in Kronsmoor (Kreis Steinburg) sieht die Zukunft allerdings alles andere als rosig aus: In Kürze werden vier Minischweine als Schnitzel, Kotelett oder Haxen verarbeitet in einer Tiefkühltruhe liegen. "Es ist kein Platz mehr auf dem Hof."
Beatrix Martina Krause sind ihre Minischweine über den Kopf gewachsen. "Ich hätte mich informieren sollen, bevor ich mir die Tiere angeschafft habe." Vor zwei Jahren holte sich die 41-Jährige zwei Eber auf den Hof. "Mein Mann hat sich dann noch drei Sauen aufschwatzen lassen", erzählt sie. "Uns wurde gesagt, dass Eber erst nach sechs Monaten decken." Tatsächlich können die Tiere schon nach sechs Wochen Nachwuchs zeugen. Jetzt, zwei Jahre später, leben 60 Tiere auf dem Hof - zu viele. "Das ist außer Kontrolle geraten. Wir mussten schon einige Schweine schlachten lassen", bedauert Beatrix Martina Krause. "In wenigen Wochen sind vier weitere Schweine schlachtreif." Wenn sich bis dahin nicht neue Halter finden, wird die heimische Tiefkühltruhe aufgefüllt.
"Man kauft ein Ferkel und nach einem Jahr wiegt es 100 Kilogramm"
Das will Jutta Kosmala mit allen Mitteln verhindern. Die Schweinehalterin setzt sich für Borstenviecher in Not ein und sucht Halter, die bei dem Begriff "Schwein" nicht gleich die Bratpfanne vor Augen haben. Damit es keine böse Überraschung gibt, wenn man sich für ein Minischwein entschieden hat, "ist Aufklärung enorm wichtig". So kann von Mini bei dem Minischwein eigentlich nicht die Rede sein: Die drei Kleinschweinformen (Göttinger Schwein, Münchner Miniaturschwein und das Vietnamesische Hängebauchschwein) erreichen ein Gewicht von 30 bis 60 Kilogramm, aber auch 100 Kilogramm sind möglich. Das volle "Ausmaß" sieht man erst nach fünf bis sechs Jahren mit Ende des Wachstums. "Nicht selten kauft man ein kleines Ferkelchen, das dann nach einem Jahr 100 Kilogramm auf die Waage bringt." Auch ältere Schweine können noch zutraulich werden, betont sie. Borgs - kastrierte Tiere - seien sogar ruhiger und man wisse, was auf einen zukommt. "Größe und Temperament sind dann schon einzuschätzen."
Die Anschaffung solle wohl überlegt sein. "Eine Prozedur, die viel Arbeit und Zeit benötigt. Ein Schwein ist nicht mit einem Hund zu vergleichen", wie Jutta Kosmala betont. "Es sind Nutztiere." Deshalb gilt es, einige Auflagen zu erfüllen. Häufig werden Minischweine angeschafft, die später wieder abgegeben oder ausgesetzt werden. "Auf unserem Hof geriet die Situation außer Kontrolle", sagt Beatrix Martina Krause. Immer mehr Schweinchen erblickten das Licht der Welt, in den Ställen wurde es enger, "wir mussten welche schlachten." In ihrer Not suchte sie Rat bei Schweineexpertin Jutta Kosmala. Die zog alle Register, damit nicht noch mehr Tiere auf dem Teller landen. "Erstmal haben wir alle Eber kastrieren lassen." Jetzt versucht sie, die Minischweine zu vermitteln. "Ferkel findet jeder niedlich, aber die größeren Tiere haben Priorität." Den Minischweinen auf dem Hof von Beatrix Martina Krause bleiben nicht mehr viel Zeit, bis sie schlachtreif sind. Und ständig werden neue Ferkel geboren, die auch ein neues Zuhause suchen. Erst vergangenen Sonntag erblickten neun Ferkelchen das Licht der Welt. "Bis zum 15. September müssen sie alle weg sein", sagt Kosmala.
Wer Minischweinen ein neues Zuhause geben möchte, kann sich bei Jutta Kosmala unter 04827/999647 melden und informieren. Weitere Infos: www.schweineart.de und www.schweinefreunde.de.
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