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Gewalt im friedlichen Urlaubsland
Kiel - "In den letzten zehn Jahren haben wir keine solche Häufung an Kapitalverbrechen verzeichnet", sagte Oberstaatsanwalt Kuno Fischer am Freitag über den Landgerichtsbezirk Kiel. "Ich habe dafür keine Erklärung." Im Vergleich zu 2006, als in Schleswig- Holstein 47 Morde und Totschläge verübt wurden, ist nach Meinung von Experten ein deutlicher Anstieg zu erwarten. Endgültige Zahlen liegen nach Angaben des Kieler Innenministeriums erst im März vor.
Die meisten Taten gab es im Dezember. In diesem Monat fielen mehr als ein Dutzend Menschen Kapitalverbrechen zum Opfer. Bundesweites Entsetzen löste die Familientragödie von Darry aus. In dem Dorf bei Lütjenburg tötete eine psychisch kranke Mutter ihre fünf Söhne im Alter von drei bis neun Jahren. Sie ist nun in einer geschlossenen Psychiatrie. "Durch einen Fall wie Darry lassen sich keine Rückschlüsse auf eine veränderte Sicherheitslage in Schleswig- Holstein ziehen", sagte der Sprecher des Kieler Innenministeriums, Thomas Giebeler.
Kein Indikator für die Sicherheitslage im Land
Morde seien kein ausreichender Indikator, um die Sicherheitslage in einem Bundesland zu beurteilen - so tragisch die Umstände im Einzelnen auch gewesen seien, fügte Giebeler hinzu. "Die meisten Morde sind Beziehungstaten, die im persönlichen Umfeld stattfinden. Das war in Darry so, genauso wie bei den Taten in Neumünster oder bei dem Axt-Mord von Lübeck." Zur Beurteilung der öffentlichen Sicherheit ist nach Meinung von Fachleuten die Analyse von Raubdelikten, Wohnungseinbrüchen und alltäglicher Gewalt entscheidender.
Die aufsehenerregendsten Verbrechen ereigneten sich im vergangenen Jahr im Landgerichtsbezirk Kiel, dem größten der vier schleswig- holsteinischen Landgerichtsbezirke. Laut Staatsanwaltschaft ist mit einem Anstieg um 30 Prozent bei den Kapitalverbrechen im Jahr 2007 auszugehen. Viele Fälle zogen dabei bundesweit Aufmerksamkeit auf sich. Im Januar tötete ein Paar im Badeort Laboe eine 71 Jahre alte Zimmerwirtin mit rund 20 Messerstichen. Im Juni griff ein 25-jähriger Mann bei der Kieler Woche einen jungen Mann an und erstach ihn.
"Straftaten auf allen Ebenen"
Im Dezember häuften sich dann die Fälle: Am 2. Dezember tötete ein 47 Jahre alter Polizist in Neumünster seine 44 Jahre alte Ex-Frau und deren neuen Geliebten (52). Nach dem Verbrechen in Neumünster hatte die Polizei stundenlang auf Hochtouren nach ihrem bewaffneten Kollegen gefahndet. Einen Tag später erschoss sich der gesuchte Polizist mittags vor dem NDR-Landesfunkhaus in Kiel. Wenig später erstickte ein junger Student in einer psychiatrischen Klinik in Preetz bei Plön seinen 71 Jahre alten Bettnachbarn.
Kurz nach Weihnachten erschlug dann in Lübeck ein 37-jähriger Mann mit einem Beil auf offener Straße seine Ex-Frau. Die Frau war mit dem Rad unterwegs, als ihr geschiedener Mann sie mit seinem Rad einholte und mit einem Beil von hinten erschlug. In der ersten Januarwoche 2008 machte erneut ein Kapitalverbrechen in Neumünster Schlagzeilen. Ein 35 Jahre alter Mann soll seine zehn Jahre ältere Freundin in ihrer Wohnung getötet haben. "Wir haben Straftaten auf allen Ebenen, nicht nur Beziehungstaten wie in Neumünster", fasste der Kieler Oberstaatsanwalt Fischer das Geschehen in seinem Zuständigkeitsbezirk zusammen. Auf der Kieler Woche seien beispielsweise Täter und Opfer zufällig aufeinandergetroffen.


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