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Zoo vor dem Aus - wer hilft den Tieren?

09. Oktober 2008 | Von Karin Lubowski

Bald heimatlos? Der 32-jährige Bär Bruno lebt im Tierpark Lübeck - noch. Foto: Kröger

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Der Lübecker Tierpark wird wohl spätestens 2011 geschlossen. Doch wer kümmert sich um die Tiere? Letztlich müsste die Stadt für die Unterbringung sorgen.

Lübeck. Tierpark ja oder nein - so emotional wie über diese Frage ist in der Hansestadt selten debattiert worden. Gerade hat die rot-grüne Bürgerschaftsmehrheit gegen eine Verlängerung des Pachtvertrags über das Jahr 2011 hinaus für den umstrittenen Privatzoo im Stadtteil Israelsdorf gestimmt, nun meldet auch die Landesregierung in Kiel Bedenken an: Nach einem Ortstermin hat das Umweltministerium das laufende Zertifizierungsverfahren nach der EU-Zoorichtlinie ausgesetzt. Im Streit bleibt eine Frage offen: Was wird mit den 150 Tieren?

Das Bild, das der Tierpark abgibt, ist trist: Wege und Grün wirken ungepflegt, die Ställe hätten einen Anstrich nötig. Und dass es anderswo längst schönere Gehege gibt, als die, in denen Braunbär Bruno und die Schimpansen Konga und Bimbo hausen - Waltraud und Günter Leh mensiek, 74 und 64 Jahre alt, wissen das. Mit einem Tierpark, wie etwa dem in Neumünster kann das Lübecker Betreiberehepaar nicht mithalten. Entsprechend dünn tröpfeln die Eintrittsgelder. Dass bei ihnen aber Kreaturen leiden, wie Tierschützer wiederholt behaupteten, streiten sie ab.

Politikerin: Tierpark ist ein Gnadenhof

Lübecker Oppositions-Politiker springen ihnen zur Seite. Astrid Stadthaus-Panissié (Bürger für Lübeck) nennt das Aus für den Pachtvertrag im Jahr 2011 schlicht "herzlos". Schon lange vorher hatte sie darauf hingewiesen, "dass es sich beim Lübecker Tierpark mehr um einen Gnadenhof handelt, auf dem Tiere, die zuvor von Menschen misshandelt, gequält und für kommerzielle Zwecke missbraucht wurden, aufgenommen und wieder aufgepäppelt werden".

Vor den Augen seiner Kritiker findet der Gnadenhof selbst allerdings keine Gnade - vor allem, seit er 2000 beim Zoo-Test der Zeitschrift "Stern" mit dem Urteil "miserabel" auf dem letzten Platz landete.

Mit der Verfahrensaussetzung aus Kiel droht dem Tierpark nun ein schnelles Aus, obwohl bisher keine gravierenden Mängel festgestellt worden seien, wie Christian Seyfert, Sprecher des Landwirtschaftsministeriums bestätigt. Die von der EU geforderte Beteiligung an Forschungs- und Artenschutzprogrammen erfüllen die Lehmensieks zwar nicht und ob ihre Idee, sich um den Europäischen Nerz verdient zu machen, in Kiel verfängt, ist so ungewiss wie das Kieler Gesamturteil.

"Der Zoo sieht sicher nicht so toll aus, aber ob die Farbe von den Wänden blättert, ist den Tieren in der Regel egal", sagt Seyfert. Es sind Besucher, die sich an diesen Dingen stören - und wegbleiben. Seit mehr als 30 Jahren führen Lehmensieks ihren Tierpark, reich sind sie dabei nicht geworden. Aber immerhin konnten sie NDR-Urgestein Carlo von Tiedemann als Paten für Bruno gewinnen und Moderator Jan Hofer als Gevatter für das schottische Hochlandrind Ivanhoe. Und 1996 überreichte der damalige Stadtpräsident Peter Oertling dem Ehepaar das Wappen der Hansestadt - für 20 Jahre aufopferungsvolle Tätigkeit für den Zoo, der damals schäbiger aussah, als heute.

"Der Quälerei ein Ende setzen"

Das sei, so halten Tierpark-Kritiker dagegen, kein Grund, den Zoo weiter bestehen zu lassen. Nicht artgerechte Tierhaltung wird ins Feld geführt und die Tatsache, dass mit diesem Zoo kein Staat zu machen ist. Man solle der Quälerei ein Ende setzten, fordert etwa Hildegund Stamm vom Lübecker Bündnis Bunt.

Wird der Zoo geschlossen, muss die chronisch klamme Stadt die Folgen tragen. Vor acht Jahren wurden Versorgung und Unterbringung der Tiere auf 150.000 Euro im Jahr geschätzt. Für die Weitervermittlung von Eseln, Kamelen, Ziegen, Rindern sollen bereits Tierschutzorganisationen ihre Hilfe angeboten haben. Was aber aus verhaltensauffälligen Kreaturen wie den Schimpansen und dem mit 32 Jahren hoch betagten Bären Bruno wird, weiß heute noch kein Mensch.


 

Leserkommentare

 
ANNA MÜLLER 08.10.2008 21:27
Zoo vor dem Aus - Wer hilft den Tieren

Der Tierpark in Lübeck war noch nie ein Gnadenhof. Er hätte ein Lebenshof werden können. Aber auch dieses Konzept wurde, wie viele andere Konzepte von Lehmensieks abgelehnt. Nach mehr als 30 jähriger tierschutzwidriger, tierquälerischer und nicht artgerechter Tierhaltung muss nun ein Schlussstrich gezogen werden. Es müssen endlich Entscheidungen im Sinne der Tiere getroffen werden. Keine Sorge, auch für die schwer verhaltensgestörten Individuen wird es Plätze geben. Das Ende des Pachtvertrags für den Tierpark Lübeck ist nicht herzlos. Im Gegenteil, hier wurde eine schon längst überfällige Entscheidung von verantwortungsvollen PolitikerInnen der Lübecker Bürgerschaft getroffen. Ausschlaggebend für eine weitere Vertragsverlängerung darf nicht, die von Frau Stadthaus-Panissie in der Bürgerschaftssitzung am 25.10.2008 angekündigte Altersarmut der Betreiber sein.
ZU der Auszeichnung 1996 ist zu sagen, geehrt wurde das Betreiberehepaar zum 30.jährigen Bestehen nicht mehr. Und zu den Paten, es kann ja sein, dass Herr von Tiedemann eine Käfighaltung für den Bären, er lebt auf Beton, gut findet. Prominente Paten gibt es schon lange nicht mehr. Warum wohl? Es wäre unverantwortlich Neubelegungen zu genehmigen. Es geht hier nicht um den optischen Eindruck, um frisch gestrichene Gitter, es geht um die GITTER! Die Primaten sind in diesem Tierpark zu dem geworden, was sie heute sind, schwer verhaltensgestörte Tiere.
Dieser Tierpark muss geschlossen werden. Besser morgen, als übermorgen.

PAUL.AUGUSTIN 08.10.2008 21:48
Zoo vor dem Aus - wer hilft den Tieren

Gnadenhöfe sind keine Tierparks, keine Zoos.
Gnadenhöfe brauchen keine Zertifizierung nach den EU Zoo Richtlinien.
Der Tierpark in Lübeck ist ein Betriebswirtschaftlich schlecht geführtes Unternehmen.
Das Ehepaar Lehmensiek und die beschäftigte Hilfskraft besitzen keinen Sachkundenachweis, Fortbildung ein Fremdwort. Vollkommem beratungsresistent. Seit 20 Jahren! Eine Schliessung ist nur folgerichtig.

DAISY DÖSIG 09.10.2008 11:22
Merkwürdig ...

Bis zu dieser Nachricht hab' ich noch nichtmal gewusst, dass es diesen Zoo gibt. Die beiden Vor-Kommentatoren aber wissen sogar, dass in diesem Zoo seit Jahrzehnten katastrophale Zustände für die Tiere herrschen - warum regt da jetzt erst Unmut und Widerstand? Weil's totgeschwiegen wurde?
Leider kann ich keine Bären und Trampeltiere beherbergen, wünsche mir aber, dass die Tiere eine bessere Bleibe finden.

MfG D.D.



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