Neue Nordkirche

Lübeck geht leer aus - Schwerin wird Bischofssitz

07. Februar 2009 | 11:46 Uhr | Von sh:z

Soll Bischofssitz der neuen Nordkirche werden: der Schweriner Dom. Foto: dpa

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2012 soll die Kirchenfusion vollzogen werden. Doch Kirchenamt und Bischof sollen nicht in Lübeck sitzen, sondern in Kiel und Schwerin. Was halten Sie davon? Diskutieren Sie mit.

Paukenschlag in der Nordelbischen Kirche: Nicht wie zunächst geplant Lübeck, sondern Schwerin soll nach einer Fusion der norddeutschen Landeskirchen Sitz des Landesbischofs werden. Das beschlossen die Leitungen der Nordelbischen, Mecklenburgischen und Pommerschen Kirche nach mehrstündigen Verhandlungen in Ratzeburg. Sie unterzeichneten danach den Fusionsvertrag. Er sieht vor, dass die drei Landeskirchen bis 2012 zur "Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland" verschmelzen. Die drei Kirchenparlamente müssen dem Vertrag  Ende März 2009 noch zustimmen. Die Nordelbische Kirche verzichtet zudem darauf, vor 2012 noch einen eigenen Landesbischof zu wählen. Das war zunächst für dieses  Jahr geplant.

Das Landeskirchenamt soll in Kiel angesiedelt werden, wo bisher schon die nordelbische Kirchenverwaltung sitzt. Nach den ursprünglichen Planungen sollte das Amt gemeinsam mit dem Bischofssitz  nach Lübeck  ziehen. Hier nannte die Kirchenleitung finanzielle Gründe: Ein Neubau in Lübeck hätte bis zu 30 Millionen Euro gekostet. Die Mecklenburger seien nicht bereit gewesen, Kiel statt Lübeck als Doppelsitz für Kirchenamt und Bischof zu "schlucken". So sei Schwerin ins Spiel gekommen, hieß es.

Schleswigs Bischof sieht Entscheidung als Chance

In Lübeck ist die Enttäuschung groß. Man habe fest mit dem Bischofssitz gerechnet, sagte Stadtsprecher Matthias Erz. Die Stadtverwaltung habe schon fünf Grundstücke für die Nordkirche ausgewählt. Die Lübecker Pröpstin Petra Kallies sagte, die Kirche habe eine Chance vertan. Lübeck sei der geeignete Standort an der Schnittstelle von Ost und West. Dagegen sagte Schleswigs Bischof Gerhard Ulrich, Vorsitzender der nordelbischen Kirchenleitung, im Interview mit shz.de: "Ich sehe es als Stärke, diese neue Kirche vom Osten her zu betrachten."

Der Fusionsvertrag sieht eine einheitliche Besoldung aller Pastoren bis 2020 vor. Das Gehaltsgefälle zwischen Ost und West für Angestellte soll erst 2018 überprüft werden.


 

Leserkommentare

 
ONLINEREDAKTION 07.02.2009 12:28
Diskussion

Ihre Meinung ist gefragt: Was halten Sie von der Entscheidung, den Bischofssitz der neuen Nordkirche in Schwerin anzusiedeln? Ist es eine Chance oder eher eine Fehlentscheidung?

HERBERT FREY 07.02.2009 12:36
Kirchen von Bedeutung?

Hat es wirklich so viel Bedeutung, wo jetzt ein Bischof sitzt? Die Hauptsache ist doch, dass das teure Schlachtschiff Kirche abspeckt. Welchen Stellenwert hat die Kirche denn heute noch? Für mich, zugegebenermaßen, keinen großen. Um an etwas Übersinnliches zu glauben, brauche ich keine Vereinigung, die von meinen Steuern lebt. Und hier sind wir doch schon beim Punkt: Klar böte sich Lübeck mit seinen vielen Türmen als Kirchenhochburg an. Aber ein Neubau für 30 Millionen Euro sollte dick in die Liste der größten Steuerverschwendungen eingetragen werden. Somit ist die jetzt gefundene Lösung doch eine viel bessere.
Und dass nun Kirchenamt und Bischofssitz an einem Ort liegen müssen, sehe ich auch nicht so. Schließlich ist - höre ich zumindest - das Telefon- und Internet-Zeitalter auch in Schwerin angekommen.

WOLFGANG TIEDEMANN 07.02.2009 14:18
Kirche von Bedeutung!

Einen Aspekt der Bedeutung von Kirche möchte ich denn doch einmal ansprechen: In den Kirchen engagieren sich Tausende von Menschen ehrenamtlich in vielen sozialen Bereichen. Wenn wir diese Stützen der Gesellschaft nicht mehr hätten, sähe unser Land anders aus. Der Staat könnte die Aufgaben nicht übernehmen. Dafür gebe ich gerne einen Teil meines Gehaltes in Form von Kirchensteuer, sozusagen zweckgebunden.
Ein weiterer wichtiger Daseinsgrund für die Kirchen ist die Schaffung bzw. Erhaltung von Identität und Werten. Die Kirche ist eine unserer kulturellen Wurzeln, das sollte man nicht vergessen.
Das zeigt, dass Kirche eben nicht nur etwas mit Übersinnlichkeit zu tun hat, sondern ihren Platz mitten in unserem Leben hat.
Zum eigentlichen Thema Bischofssitz in Schwerin kann man natürlich geteilter Meinung sein. Vielleicht wird die Kirche ja durch die zu erwartende größere Präsenz im "Osten" wieder mehr wahrgenommen. Das könnte sich positiv auf die Mitgliedschaften auswirken. Aber wer kennt schon die wahren Gründe für diese Wendung? Ich bin auf das Votum der Synode gespannt.

BIRGIT 07.02.2009 14:27
Bischofssitz

Ich schliesse mich der Meinung von Herrn Frey an.Wen interessiert das heutzutage?
Mich auch nicht. Und 3o Millionen für einen Neubau? Wenn es so wichtig wäre, müsste die Kirche das selbst finanzieren! Denn die Kirchen haben immer noch GENUG Geld! Aber nach dem Motto: Klappern gehört zum Handwerk.

HERBERT FREY 07.02.2009 15:01
Vollkommen richtig

Lieber Herr Tiedemann,
ich gebe Ihnen Recht mit Ihrem Argument, dass sich viele Menschen in Kirchen ehrenamtlich engagieren. Auch ich kenne davon eine Menge. Allerdings handhabe ich es so, dass ich kirchliche Einrichtungen und Gruppen, deren Arbeit ich sehe und gut finde, lieber direkt unterstütze. Da weiß ich, wohin mein Geld genau geht und wie es eingesetzt wird. Insofern begrüße ich die Einsicht der Entscheidungsträger sehr, dass 30 Millionen Euro ein zu hoher Betrag ist und finde den so gefundenen Kompromiss vollkommen in Ordnung.

MONSIEUR VON BRIGG 07.02.2009 23:02
Offenbar haben die evangelischen eher Bezug zum rechnen....

Zumindest haben die evangelischen Gruppierungen eher einen Sinn für Einsparungen....bei den katholischen siehts düsterer aus....vordergründig, denn dafür werden u.a. die Priester in den Beamtenstatus versetzt und bekommen von der Kirche auch bis zu drei Kinder "finanziert".....welch verdrehte Welt.

M.G. 08.02.2009 01:17
Okay

Also mir ist es auch völlig egal wo der Bischoffssitz ist solange es dem Staat, also uns nichts zusätzliches kostet :) Ich bin Buddhist und brauche die Kirche nicht unbedingt. Aber ich finde auch gut was sie für die Allgemeinheit macht mit ihren ehreamtlichen Helfern usw. Und diese Gruppen unterstütz ich auch lieber direkt in Form von Spenden als Kirchensteuer zu bezahlen.

R. T. 08.02.2009 10:03
Wer soll entscheiden, die Mitglieder oder die Gegner?

Sollen jetzt die Atheisten entscheiden, wo die Kirche ihren Bischofssitz hat? Es gibt immerhin noch 2,1 Mio. Kirchenmitglieder in Nordelbien und 0,3 Mio. Kirchenmitglieder in den östlichen Landeskirchen.
Die FDP entscheidet z. B. für sich selbst, wo sie ihre Parteizentrale erstellt und die Linken entscheiden es ebenfalls für sich selbst. Weshalb soll sich jetzt ein Linker darüber aufregen, wo die FDP ihre Zentrale erstellt und umgekehrt?! Die Entscheidung hätten die zu treffen, die ihre Beiträge für Ihre Partei zahlen, nicht deren Gegner! So haben auch Kirchenmitglieder und Kirchensteuerzahler diese Entscheidung zu treffen, nicht die Atheisten!

Sehr gut hat Herr Wolgang Tiedemann die Bedeutung der Kirche beschrieben.
Ohne die Kirche und ihre Wertevermittlung würde es wesentlich teurer für die Gesellschaft. Ich denke da nur an den Artikel, im dem beschrieben wird, dass die Korrektur der Erziehung von 15 Jugendlichen 50.000 € kosten soll (auch wenn es billiger geht). Wie teuer würde es da erst, die Erziehung aller fehlgeleiteten Jugendlichen zu berichtigen?! Außerdem ist fraglich, ob sich die Erziehung solcher Menschen durch eine so teure (oder auch billigere) Maßnahme noch korrigieren lässt, zumindest nicht bei allen Jugendlichen.

CHRISTOPH KÄGI, NEUMÜNSTER 08.02.2009 14:59
Kirchensitz nach Schwerin

Es ist ein Witz der Geschichte Schwerin zum Bischofsitz von Nordelbien zu machen, da haben sich die Westler wieder mal vom Osten über den Tisch ziehen lassen, bei o,3 Mio.
Kirchenmitgliedern der Ostkirche und restlichen Atheisten.



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