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Wahlkampf im Internet

Wo Politiker auch Mensch sein dürfen

25. September 2009 | Von Daniel Kummetz / Sebastian Wieschowski

Wofür stehen die Wahlbewerber? Siegfried und Christine Plehn fragten per Internet nach. Foto: swi

Volksnähe oder plumpe Anbiederung - immer mehr Landespolitiker gehen in virtuellen Netzwerken auf Stimmenfang. Aber: Sind die Politiker wirklich für die Sorgen ihrer Wähler erreichbar?

Rendsburg. Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise macht auch vor der Fußgängerzone von Rendsburg nicht halt - mittelständische Unternehmer wie Siegfried und Christine Plehn bekommen die Auswirkungen jeden Tag zu spüren. Umso wichtiger ist für den Augenoptikermeister und seine Frau, für welche Partei sie sich am kommenden Sonntag entscheiden. Aber wie sollen sie eine Entscheidung fällen, wo die unterschiedlichen Positionen der Parteien im Kuschel-Wahlkampf der großen Koalition nicht wirklich deutlich werden?

Auf der Suche nach Informationen wird Siegfried Plehn im Internet fündig - im virtuellen Netzwerk "Facebook", in dem er normalerweise mit Freunden aus aller Welt kommuniziert. Denn im "Facebook" tummeln sich immer mehr Politiker, auch aus Schleswig-Holstein. Und Siegfried Plehn will wissen, wie ernst es die Politiker mit der Bürgernähe meinen, wenn man sie doch im "Facebook" als Freund hinzufügen und anstupsen kann. Plehn macht den Test: 30 Politiker schreibt er an, neben ihren konkreten Plänen zur Entlastung des Mittelstandes stellt der gläubige Christ auch eine persönliche Frage: Welche Rolle spielt Gott im Leben der Politiker?

Sympathiepunkte mit menschlichen Antworten

Das Ergebnis der Facebook-Umfrage ist verblüffend: Dreizehn Antworten bekommt Plehn innerhalb von 48 Stunden zurück. Als besonders kommunikationsfreudig stellen sich die SPD-Kandidaten heraus - fünf von 14 Wahlbewerbern, die im Facebook aktiv sind, schreiben dem Optiker, drei davon innerhalb weniger Stunden. Ähnlich aktiv zeigte sich die FDP bei der virtuellen Bürgernähe: Vier von sieben Kandidaten mit Facebook-Profil antworteten. Aus dem Wahlkampflager der Grünen kamen drei Rückmeldungen, zudem meldete sich eine Linkspartei-Politikerin zu Wort. Die CDU hat den Kontaktversuch des unentschlossenen, aber interessierten Wählers offenbar völlig verschlafen.

Und manche Politiker nutzen Facebook tatsächlich, um Tacheles zu reden. Der Grünen-Bewerber Sebastian Fricke wird gleich zu Beginn seiner Antwort persönlich: "Zunächst möchte ich gleich ehrlich sagen, dass ich auch nach der Wahl nicht in Berlin sitzen werde, da ich als Bewerber einer kleinen Partei keine Chancen auf ein Mandat habe." Mit einer menschlichen Antwort sammelt FDP-Bundestagskandidatin Christine Aschenberg-Dugnus Sympathiepunkte: Sie schreibt am Vorabend ihrer Geburtstagsfeier zurück und bittet um Verständnis, dass sie nicht sofort ausführlich werden kann, weil ihre Familie bereits angereist ist. Ein Grünen-Politiker gibt sich selbstkritisch: "Mir ist bewusst, dass ich mit diesen Ideen zum Teil gegen manche Wahlaussage meiner Partei stehe", schreibt der Kandidat, der in der Zeitung anonym bleiben möchte.

Die Plehns sind von den Rückmeldungen auf ihre Fragen überrascht: "Der eine oder andere Kandidat bleibt schon im Hinterkopf, an den erinnert man sich bei der Wahl bestimmt noch", berichtet Christine Plehn. Sie vermisst im Wahlkampf vor allem die Persönlichkeiten hinter den Politikern: "Da fällt ein Stück Offenheit positiv auf."


 

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