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Wird CO2 bald unter der Erde entsorgt?

12. März 2008 | 18:17 Uhr | Von Margret Kiosz

Nach dem Willen der Industrie soll Schleswig-Holstein bald zum Endlager für das Treibhausgas CO2 aus Kohlekraftwerken werden. In Nordfriesland und Ostholstein könnte es unterirdische Lagerstätten geben.

Die Landesregierung und der Energiekonzern RWE Dea wollen das von Kohlekraftwerken erzeugte Treibhausgas CO2 dauerhaft im Untergrund speichern. "Erste Untersuchungen haben gezeigt, dass Schleswig-Holstein als potenzieller Standort für CO2 Speicherung in Betracht kommt und bessere Bedingungen aufweist als andere Regionen", erklärte Wirtschaftsminister Dietrich Austermann (CDU) in Kiel.

In Nordfriesland, im südlichen Teil von Ostholstein und im Nationalpark Wattenmeer wird RWE demnächst seismische Untersuchungen in salzwasserführenden Gesteinsschichten unternehmen. Sofern die positiv verlaufen, wird im Frühjahr 2010 mit Erkundungsbohrungen begonnen. "Über Millionen von Jahren gespeicherte Erdgasvorkommen zeigen, dass Gase sehr langfristig und sicher geologisch eingeschlossen werden können", sagte RWE-Chef Georg Schöning. Um im industriellen Maßstab in die Speicherung einzusteigen, müssten jedoch Lagerstätten mit mindestens 100 Millionen Tonnen Kapazität gefunden werden. Dieses Volumen reiche aus, um das während der 40-jährigen Betriebszeit eines einzigen Kohlekraftwerkes produzierte CO2 zu speichern. An neuen Technologien, das Treibhausgas aus dem Rauchgas der Kraftwerke abzusondern, werde geforscht.

Austermann: "Durch Atomkraft-Ausstieg kommen wir um Kohle nicht herum"

Der Konzern investiert rund 60 Millionen Euro in die Untersuchung möglicher Lagerstätten in Schleswig-Holstein. Das Land verspricht sich einen "positiven fiskalischen Nebeneffekt" - sprich Abgaben für das Recht, CO2 in die Gesteinsschichten pressen zu dürfen.

Austermann betonte, dass wegen des geplanten Atomausstieges auf den Neubau von fossilen Kraftwerken als Übergangstechnologie nicht verzichtet werden könne. "Kohlendioxid unter der Erde ist besser als Kohlendioxid über der Erde." Umweltminister Christian von Boetticher (CDU) versicherte, dass Messungen und Bohrungen nur "in umweltverträglicher  Form realisiert werden".

Kritik kam vom Koalitionspartner. "CO2 im Untergrund zu speichern, ist eine Sackgasse und wird den Klimaschutzzielen nicht gerecht", erklärte der SPD-Abgeordnete Olaf Schulze. Er fordert, das Geld in Technologien zu stecken, bei denen es erst gar nicht zur CO2-Produktion kommt. Für den Grünen Detlef Matthiessen steht fest: "Saubere Kohle ist eine dreckige Lüge." Die CO2-Abscheidung diene lediglich der Legitimation, Kohlekraftwerke zu bauen.




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