TOP-THEMA
IHK Nord
Wird ab 2020 der Strom knapp?
Die Industrie- und Handelskammer Nord hat vor einem Engpass bei der Stromversorgung nach dem Jahr 2020 gewarnt. Foto: dpa
Es sei klar erkennbar, "dass wir in eine Versorgungslücke laufen. Spätestens ab 2020 drohen die Lichter auszugehen", sagte Schmidt- Trenz. In der IHK Nord sind 14 Industrie- und Handelskammern aus Bremen, Niedersachsen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig- Holstein zusammengeschlossen. Sie vertreten die Interessen von 650 000 Unternehmen.
Nach einer Auflistung der IHK Nord produzieren zurzeit 35 Kraftwerke in Norddeutschland mit mindestens 100 Megawatt (MW) Leistung Strom. Insgesamt beträgt die installierte Leistung gut 17 000 Megawatt. Mit diesem Kraftwerkspark kann etwa zehn Prozent mehr Strom als der aktuelle Jahresbedarf im Norden von 88 000 Gigawattstunden (88 Milliarden Kilowattstunden) produziert werden. Zum Vergleich: Ein normaler Haushalt verbraucht 2500 bis 3500 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Bis 2015 sollen 5200 MW, bis 2020 rund 12 100 MW und bis 2030 rund 16 000 MW vom Netz gehen. Dagegen befinden sich 25 Kraftwerke mit mehr als 100 MW Einzelleistung in der Planung. Bis 2016 könnten 6100 MW ans Netz gehen, weitere 6500 MW sind in Planung, aber noch nicht genehmigt. In Planung oder im Bau sind Steinkohlekraftwerke zum Beispiel in Hamburg-Moorburg und Wilhelmshaven, Gaskraftwerke in Braunschweig und Lubmin sowie mehrere Offshore-Windenergieparks (Dan Tysk, Kriegers Flak und andere).
"Norddeutschland braucht einen Energiemix"
Die erwartete Steigerung der Energieeffizienz ist in die Analyse der IHK Nord bereits eingerechnet, weil sie von einem gleichbleibendem Stromverbrauch bei weiterem Wirtschaftswachstum ausgeht. Eine zunehmende dezentrale Stromproduktion zum Beispiel in Blockheizkraftwerken, durch Photovoltaik und Windenergieanlagen könnte dazu beitragen, die Versorgungslücke nach 2020 zu verkleinern, sagte der Hauptgeschäftsführer der Handelskammer Bremen, Matthias Fonger. Verlassen dürfe man sich darauf aber nicht.
Norddeutschland brauche einen Energiemix, betonte Schmidt-Trenz. Dazu gehörten neben den erneuerbaren Energien auch Kohle, Gas und Atomenergie. "Um das Ziel einer langfristig gesicherten, wettbewerbsfähigen und umweltgerechten Energieversorgung für Norddeutschland zu erreichen, halten die 14 norddeutschen Industrie- und Handelskammern daher die zügige Realisierung der derzeit geplanten Kraftwerksvorhaben für zwingend notwendig." Wichtig seien auch größere Netzkapazitäten, damit weitere Offshore-Windkraftwerke angeschlossen werden können. Schmidt-Trenz wies auch darauf hin, dass Klimaschutz und neue Kohlekraftwerke seiner Meinung nach vereinbar seien, weil diese deutlich weniger Kohlendioxid pro Kilowattstunde ausstoßen als alte.
Kritik von Schleswig-Holsteins Grünen, Unterstützung von der Hamburger CDU-Fraktion
Kritik an der Position der IHK Nord kam von den Grünen in Schleswig-Holstein. Zukunftsweisend seien alleine Energiesparen, effizientere Technologien und erneuerbare Energien, teilte die Landesvorsitzende Marlies Fritzen in Kiel mit. Auch die Nord-SPD widersprach der IHK Nord. Atomkraft und Kohle seien Techniken von gestern, teilte der umweltpolitische Sprecher der Landtagsfraktion, Konrad Nabel mit. Die Hamburger GAL-Energieexperte Christian Maaß warf den Autoren der Studie vor, mit grob unvollständigen Daten Panikmache zu betreiben. Zu behaupten, ab 2020 würden die Lichter ausgehen, sei unverantwortlich. Allein in Schleswig-Holstein werde durch neue Windenergieanlagen an Land bis 2020 rund 4500 Megawatt Leistung zusätzlich installiert.
Unterstützung erhielt die IHK dagegen von der Hamburger CDU- Bürgerschaftsfraktion. Der Abgeordnete Rüdiger Kruse sprach sich für einen Klimaschutz ohne ideologische Scheuklappen aus. Der Energiemix aus Gas, Kohle und erneuerbaren Quellen sei notwendig, solange der Bedarf noch nicht vollständig aus erneuerbarer Energie gedeckt werden könne.
Leserkommentare
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben. Anmelden
Warum muss ich mich anmelden/registrieren?
shz.de distanziert sich prinzipiell von allen in den Leserkommentaren geäußerten Meinungen ohne Rücksicht auf deren Inhalte. Alle Beiträge in den Leserkommentaren geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen der User wieder.
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien für Kommentare!
Lust auf mehr? Ihre sh:z Tageszeitung jetzt
2 Wochen kostenlos testen.







kommt die INDUSTRIE UND HANDELSKAMMER mit solch einer Meldung und versucht noch schnell das Ruder herum zu reißen. Den Kammern ist es nicht nur verboten, Gewinne einzufahren, sondern vor allem auch politisch tätig zu sein. Diese Meldung sollte man dahingehend prüfen.
So ein Quatsch: Mit Panikmache und dem Schüren von Angst zu versuchen, die überdimensionierten und nicht mehr zeitgemäß geplanten Kohlekraftwerke in Brunsbüttel, Lubmin (MV) und Moorburg durchzuprügeln.
Kohle von Beust will Hamburg zur Klima-Hauptstadt machen (Abendblatt etwa 6-8 Mill T CO2 Einsparung mit Techniken, die es noch gar nicht gibt) und 2 Wochen später wird klammheimlich der Kraftwerksbau in Moorburg genehmigt mit einem jährlich CO"-Ausstoß von 8,5 Mill T. !!!!Solch eine Lügnerei. MAn gucke auf www.abgeordnetenwatch.de mal dem Herrn v. Beust zu solchen Fragen einfällt: Nämlich gar nichts, er antwortet einfach nicht und wartet darauf, dass seine durchaus sehr gut fotografierte Kampangne sich bei den Hamburger durchsetzt. "Wir machen es uns nicht leicht." > Aber wobei denn???? ""Wissen, wo der Schuh drückt" >>> Und was dann tun??? Die Wahlkampangne zielt nur auf Desinformation. V. Beust ist genauso ein Schlawiner wie Kubicki.