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Prozess in Kiel
Tochter zu Tode geschüttelt: Mutter vor Gericht
Neun Jahre nachdem sie ihre kleine Tochter Viola zu Tode geschüttelt haben soll, muss sich eine 41 Jahre alte Mutter vor dem Kieler Landgericht verantworten. Nach den Worten der Anklage erlitten das kleine Mädchen und ihre Geschwister ein Martyrium: Die "völlig überforderte Mutter" habe all ihre Kinder körperlich und psychisch gequält: Sie wurden "mit Lineal und Kochlöffel geschlagen, kalt abgeduscht, mussten stundenlang in der Ecke stehen, wurden eingeschlossen und mussten schließlich auch hungern", schilderte Staatsanwalt Achim Hackethal zu Prozessbeginn. Angebotene Hilfen des Jugendamtes habe die Frau abgelehnt. Zu Verfahrensbeginn schwieg die Angeklagte, will sich aber möglicherweise später äußern.
Die Mutter habe der damals fünfeinhalb Jahre alten Viola "untersagt, sich Lebensmittel aus dem Kühlschrank zu nehmen," sagte Hackethal. Und das kleine Mädchen habe sich so sehr gefürchtet, "dass sie es auch nicht tat". Am Ende wog Viola bei einer Größe von rund einem Meter nur zwölf Kilogramm. Etwa 20 Kilogramm Körpergewicht gelten als normal. Dass die Mutter sich vor Gericht verantworten muss, geht möglicherweise auch auf die Aussagen der Töchter zurück.
Violas Schwestern treten als Nebenklägerinnen auf
Das erste Verfahren war 2004 vom Kieler Amtsgericht auf Antrag der Staatsanwaltschaft eingestellt worden. Ein rechtsmedizinisches Gutachten habe damals keinen Anhaltspunkt für eine Straftat ergeben, hieß es am Mittwoch am Rande des Prozesses. Zwei Jahre später kamen die Ermittlungen aber wieder in Gang, sagten Prozessteilnehmer. Ein zweites Gutachten gehe nun von einem Schütteltrauma als Todesursache des kleinen Mädchens aus. Die Anklage gegen die Mutter lautet auf Misshandlung Schutzbefohlener und Körperverletzung mit Todesfolge.
Die beiden Töchter, die die Qual ihrer Schwester miterlebten, sitzen ihrer Mutter jetzt als Nebenklägerinnen gegenüber. Die heute 16 und 18 Jahre alten Frauen sollen ihre Mutter schon kurz nach der Tat - damals waren sie etwa sieben und neun Jahre alt - belastet haben. Sie sollen im Prozess gegen ihre Mutter angehört werden.
Die Familie wurde seit 1990 vom Jugendamt betreut, schilderte Hackethal. Doch obwohl die Frau mit der Erziehung ihrer Kinder "völlig überfordert gewesen" sei, habe sie die Hilfsangebote schließlich abgelehnt. Auch ärztliche Betreuung und Vorsorgeuntersuchungen für ihre Kinder nahm sie nicht wahr. Stattdessen habe sie ihre Kinder massiv gequält. Im März 2000 habe sie Viola nach den vorangegangenen Torturen dann derart geschüttelt, dass das Kind an einer Hirnblutung starb. Das Verfahren wird an diesem Freitag fortgesetzt und ist bis in den Mai hinein terminiert.


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