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"Reiseversprechen"

Teure Schiffsreise: Wenn das Handy falsches Netz zeigt

22. Oktober 2009 | 19:00 Uhr | Von Hauke Mormann

SMS von Vodafone in Norwegen: Auf das "Reiseversprechen" sollte man sich verlassen können, sagt Rechtsanwalt Dr. Boris Wita. Foto: Euler

Weil sie über Satellit telefonierte, sollte eine Flensburgerin mehr als 60 Euro für 14 Minuten zahlen. Ihr Handyanbieter hatte etwas anderes versprochen.

Kiel / Flensburg. Eine Minikreuzfahrt von Kiel nach Oslo und zurück - die gönnte sich Melanie Bock aus Flensburg. Auf dem Fährschiff im Oslofjord erhielt sie auf ihrem Handy plötzlich eine Nachricht: "Willkommen in Norwegen. Sie nutzen das Vodafone Reiseversprechen." Telefonate nach Deutschland sollten so viel kosten wie zu Hause plus einmalig 75 Cent Zuschlag. "Das ist ja super", dachte sich die Zahnarzthelferin und rief ihre Familie zu Hause an. Das Gespräch dauerte knapp 14 Minuten, auf ihrer Rechnung hatte sie dafür einen Betrag von knapp sechs Euro erwartet.

Doch mit der Rechnung kam auch der Schreck: "Ich dachte, denen sei das Komma verrutscht", sagt die 26-Jährige. Doch der Preis für ihr Telefonat von 62,38 netto wurde ihr am Telefon vom Kundenservice bestätigt

Falsches Netz auf dem Display

Das Handy hatte zwar angezeigt, dass es sich im Netz von Vodafone Norwegen befand - tatsächlich aber telefonierte die Flensburgerin über das Schiffsnetz via Satellit. Kosten pro Minute: bis zu fünf Euro.

"Der Handykunde muss sich auf die Anzeige seines Telefons verlassen können", sagt Rechtsanwalt Dr. Boris Wita von der Verbraucherzentrale in Kiel. So wie es Melanie Bock nach der Kurznachricht auch tat.

Beim Netzanbieter Vodafone kann man sich nicht erklären, warum das Handy nicht das Schiffsnetz "MCP" angezeigt hat. "Normalerweise sollte das so sein", sagt Sprecher Sebastian Galle. So war es auch bei Melanie Bocks Freunden, die einen anderen Handy netzanbieter nutzen.

Vodafone ist kulant

Doch Vodafone ist kulant und entschädigt seine Kundin auf der nächsten Rechnung mit einer Gutschrift. "Dies ist ein Einzelfall. Weder ich noch meine Kollegen können sich an einen ähnlichen Fall in den vergangenen Jahren erinnern", sagt Galle. Er weist aber darauf hin, dass Landverbindungen generell ab sieben Meilen von der Küste entfernt nicht mehr bestehen: "Der Kunde telefoniert dann über den 'Maritime Service' im Satellitennetz des Schiffes, was teurer ist."

Verbraucherschutz-Anwalt Dr. Wita empfiehlt, das Handy bei Auslandsreisen auf "manuelle Netzwahl" zu stellen, um keine bösen Überraschungen zu erleben. Dann bucht sich das Telefon nicht automatisch ins nächst beste Reiseland-Netz ein, sondern erfordert vom Benutzer eine Bestätigung. "Darüber hinaus ist es ratsam, in den AGB nach zusätzlichen Kosten zu suchen oder sich beim Kundenservice zu informieren", rät Dr. Wita.


 

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