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Familiendrama in Neumünster

Täter 20 Stunden auf der Flucht

04. Januar 2008 | 06:25 Uhr | Von Eva Dahlmann

In der Nacht wird der Leichnam der Neumünsteranerin abtransportiert. Foto: Krüger

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Er erwürgte seine ehemalige Lebensgefährtin, dann versuchte er, ihre Tochter in seine Gewalt zu bringen. Nach 20 Stunden konnte der Verdächtige gefasst werden.

"Es war ein Schrei in höchster Not", sagt eine Nachbarin. Er gellte weithin hörbar durch die Flure eines Hochhauses in der Ringstraße in Neumünster. Mittwochabend gegen 18 Uhr. Eine 21-jährige Frau betritt mit ihren beiden Kleinkindern die Wohnung ihrer Mutter Michaela B. (45). Was sie nicht ahnt: Die Mutter ist tot, mutmaßlich getötet von ihrem ehemaligen Lebensgefährten. Sein Name ist Michael E. (35). Er hat die junge Frau und ihre Kinder unter einem Vorwand in die Wohnung gelockt. Dort erblickt die 21-Jährige ihre tote Mutter - entkleidet und erwürgt auf dem Fußboden. Der fast zwei Meter große, kräftige Michael E. will die 21-Jährige packen, doch sie kann flüchten. Ohne ihre Kinder. Die Tür fällt zu. Sie schlägt dagegen, schreit: "Er bringt meine Kinder um, er bringt meine Kinder um."

Nachbarin Klara Fensch (86), die direkt neben Michaela B. wohnt, hört diese Schreie und sie hört die Kinder in der Wohnung wimmern. Die junge Mutter rennt halb wahnsinnig vor Entsetzen und Angst durch das Treppenhaus, klammert sich an ihr Handy, ruft die Polizei. Den Beamten stürzt sie am Eingang des Hochhauses entgegen. Wieder schreit sie: "Er bringt meine Kinder um." Die Polizisten versuchen, über einen Balkon in die Wohnung im fünften Stock zu klettern, scheitern. Als sie schließlich die Tür aufbrechen, finden sie die Kinder unversehrt. Michael E. jedoch ist verschwunden.

Es ist ein Familiendrama mit Ankündigung: Zwar war Michael E., den Freunde "Spiky" nennen, zu den Nachbarn immer nett und freundlich. Mit seiner zehn Jahre älteren Partnerin gab es jedoch regelmäßig heftige Auseinandersetzungen. Ihrer beider Leben war aus den Fugen geraten. Michael E. trank. Jeden zweiten Tag kaufte er im nahen Supermarkt einen Kasten Bier. Arbeit hatte er immer nur kurz, mal in Hamburg, mal bei einer Zeitarbeitsfirma in Neumünster. Seine Lebensgefährtin, die bereits zwei Mal geschieden sein soll, war tablettensüchtig. Sie soll große Mengen "Tramadolor" geschluckt haben, ein künstlich hergestelltes Opioid, das wie Morphin wirkt. Bei mehreren Nachbarn lieh sie sich Geld für Medikamente. Nach einem längeren Klinikaufenthalt im Sommer zeigte die 45-Jährige einer Nachbarin zahlreiche frisch verschorfte Narben am Bauch, Spuren von Verletzungen, die sie sich selbst zugefügt haben soll.

Häufig stritt das Paar nachts lautstark. Nachbarn berichten, dass etwa alle zwei Wochen die Polizei kommen musste. Dann wurde der 35-Jährige für ein paar Tage aus der Wohnung verwiesen. Schließlich trennte sich Michaela B. von Michael E., er zog aus, hatte eine eigene Wohnung. Sie kratzte seinen Namen vom Türschild. Warum Michaela B. sterben musste, ist noch unklar. Wollte Michael E. eine Aussprache und eskalierte der Streit? Warum versuchte der Arbeiter die 21-Jährige Tochter seiner Ex-Partnerin in seine Gewalt zu bringen? Eine Großfahnung läuft an, ein Sondereinsatzkommando nimmt den Verdächtigen gestern um 13.30 Uhr, 20 Stunden nach dem Verbrechen, in einer Wohnung in der Nähe des Tatortes fest. Heute soll Michael E. dem Haftrichter vorgeführt werden.


 

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