Proteste gehen weiter
Mit Trommeln und Glockengeläut gegen ein Endlager
Auf dem Rathausplatz trommelten Menschen lautstark gegen die Einspeicherungspläne. Foto: Dieter Wrege
Niebüll. Die Proteste gegen das CO2-End lager und den Einsatz der CCS-Technologie in Niebüll gehen weiter. Um dem Widerstand auch Gehör zu geben ("damit er auch in Berlin gehört wird"), wurde dieses Mal getrommelt. Nur: Die Regionalgruppe Niebüll und Umgebung der "Bürgerinitiative gegen das CO2-End lager" war mit der Beteiligung nicht zufrieden. "Es hätten gut und gerne einige Bürger mehr kommen können", sagte ihre Sprecher Carl-Heinz Christian sen. Auch Urlauber wolle man ansprechen.
Nicht zu übersehen war, dass wiederum die politischen Parteien bei der Demonstration vertreten waren. Die drei Landtagskandidaten Astrid Damerow (CDU), Marion Sellier (SPD) und Andreas Tietze (Bündnis 90/Grüne) hatten sich allerdings aus dem Wahlkampf etwas aus- und in das Sachthema eingeklinkt und waren sich unisono darin einig, "dass die Gefahr noch nicht vorüber ist".
Widerstand auch in Nordrhein-Westfalen
Der Energiekonzern RWE hätte seinen "Antrag auf Erkundung" möglicher CO2-Lagerstätten noch nicht zurückgezogen und sei darauf aus, die von der EU in Aussicht gestellten Fördermittel in Höhe von einer Milliarde Euro nicht verfallen zu lassen, hieß es. Auch bestehe nach wie vor der Plan für den Bau eines Kohlekraftwerks in der Bergbaugemeinde Hürth (NRW), obwohl sich im dortigen Erftkreis auch bereits eine Bürgerinitiative gegen den Bau einer CO2-Pipeline aufgetan habe. Weiterer Widerstand sei gegen die 575 Kilometer lange Trasse in den Norden zu erwarten. "Somit ist damit zu rechnen, dass die Genehmigungsverfahren Jahre dauern werden." Derlei Pläne weiterzuverfolgen sei demnach Wahnsinn. Das Ganze mutiere letztlich zu einer Zockerei um Fördergelder, hieß es aus dem Munde der Politiker.
Schon 3000 Mitglieder
Carl-Heinz Christiansen teilte der Runde der Demonstranten mit, dass sich die heimische Kirche den Protesten anschließe - und zwar auch hörbar. So würde das 18-Uhr-Abend-Geläut fünf Minuten länger dauern. Der Sprecher der Regionalgruppe erinnerte an bisherige Protestaktionen wie die Montags-Demos, Veranstaltungen im Naturkundemuseum, den Info-Stand beim Dagebüller Molenfest und bei der NDR-Sommertour in Leck sowie die Unterschriften-Aktion. Bis heute hätten 70.000 Menschen unterschrieben, Unter ihnen seien auch solche aus halb Europa und sogar von Bundeswehrsoldaten aus Afghanistan. Der Bürgerinitiative gehören mittlerweile 3.000 Mitglieder an, berichtete Christia nsen, darunter auch die Stadt Niebüll.
Sein Fazit: "Alle sind sie dagegen. Leider ist unser Protest noch nicht in Berlin angekommen - auch nicht bei den Ministern Gabriel und zu Guttenberg." RWE plane weiter. "Aber auch unsere Demos werden weitergehen", kündigte er an und wies auf die Fahrt am 5. September zur Groß-Demo in Berlin hin. "Die Windmüller haben den Bus gesponsert", dankte er und nannte die hochkarätig besetzte Veranstaltung "Energie des Nordens" (8. September, Stadthalle Niebüll, 19.30 Uhr, Einlass 18 Uhr) als weiteren Termin, mit dem sich die Nordfriesen Gehör in Berlin verschaffen wollen.
Weitere Demos
Neben Niebüll (Rathausplatz), Leck (Platz vor der St. Willehad-Kirche) und Enge-Sande (B 5/Ecke Lecker Straße), alle jeweils ab 18 Uhr, protestieren auch in Stadum montags die Bürger weiterhin von 18 bis 19 Uhr an der B 199 in Höhe der Bushaltestelle gegen das CO2-Endlager. Urlaubsgäste sind ebenfalls eingeladen, sich den Protesten der Bevölkerung anzuschließen.
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