TOP-THEMA

 

Kritisches Echo auf das TV-Duell

Kommentar: Viele offene Fragen

15. September 2009 | Von Stephan Richter

Es ist schlicht zu billig, nach dem TV-Duell allein den beiden Spitzenkandidaten schuld am eher langweiligen Fernsehabend zu geben, findet sh:z-Chefredakteur Stephan Richter.

Die beiden Politiker standen immerhin den Top-Moderatoren von ARD, ZDF, RTL und Sat 1 gegenüber. Was haben diese Fragesteller eigentlich zu einer munteren Debatte beigetragen?

Dass Merkel und Steinmeier nach vier Jahren gemeinsamer Arbeit in der großen Koalition nicht übereinander herfielen, sondern zu ihren gemeinsamen Regierungsentscheidungen - die oft genug Kompromisse waren - standen, ist doch kein Fehler. Im Gegenteil. Das zeugt von Rückgrat. Das Gegenteil solcher Standfestigkeit konnte beim Bruch der großen Koalition in Schleswig-Holstein studiert werden. Da bezichtigten sich die Spitzenkandidaten gegenseitig der Lüge und inszenierten einen Rosenkrieg. Zur politischen Kultur und Glaubwürdigkeit trug dies jedenfalls nicht bei.

Wenn das TV-Duell die unterschiedlichen Positionen von Kanzlerin Angela Merkel und ihres Herausforderers Frank-Walter Steinmeier nicht deutlich genug werden ließ, dann lag dies nicht zuletzt an den Moderatoren. Sie wirkten wie geklont. Jeder nahm sich wichtig, jeder zelebrierte seine Fragen und Nachfragen als kleine Personality-Show. Der Zuschauer konnten es ihnen ansehen, dass die eigentlich gar nicht an den Antworten interessiert waren. Hauptsache, sie selbst kamen in dem Auftritt nicht zu kurz. Klar, dass die Reihenfolge der Fragen und deren Inhalte vorher festgelegt waren. So wurden abrupt Themen gewechselt, konnten Merkel und Steinmeier unterschiedliche Positionen zum Beispiel in der Energie- oder Steuerpolitik nicht hinreichend deutlich machen. Stattdessen mussten sie Fragen beantworten wie: "Duzen Sie sich?"

Wer von einem TV-Duell nur Unterhaltung erwartet, hat nicht verstanden, um was es am Wahltag geht. Die Suche nach dem richtigen Weg, Deutschland zukunftsfähig zu machen, die Staatsschulden zu tilgen, in Bildung zu investieren, für mehr soziale Gerechtigkeit zu sorgen und Arbeitslosigkeit zu bekämpfen, verlangt Ernsthaftigkeit. Hier hätten die Moderatoren nachhaken müssen.

Unterm Strich hat sich allerdings auch gezeigt, dass Kanzlerin Merkel mit einem nur auf ihre Person zugeschnittenen Wahlkampf in gefährliches Fahrwasser gerät. Es bedarf schon klarer Standort-Bestimmungen. Herausforderer Steinmeier sah plötzlich nicht mehr wie der hoffnungslose Kandidat aus. Zumal er längst damit zufrieden wäre, wenn eine schwarz-gelbe Mehrheit verhindert würde und die SPD in einer großen Koalition in Regierungsverantwortung bliebe. Diesem Ziel kam er näher.


 

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