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Kriminalstatistik

Immer mehr Morde im Land zwischen den Meeren

10. Februar 2008 | Von Felix Ferges

Die Fälle von Mord oder Totschlag im Land verringerten sich über die Jahre. 2007 steigt die Kurve voraussichtlich wieder an. Grafik: sh:z

Im März wird die Kriminalstatistik 2007 vorgelegt. Schon jetzt steht fest: Seit langem gab es nicht mehr so viele Morde. Im Raum Kiel stieg die Zahl um 30 Prozent.

Kiel. Lübeck, Freitagmittag kurz nach Weihnachten: Eine junge Frau radelt vom Einkaufen nach Hause. Plötzlich rast ein Mann von hinten mit dem Rad heran, in der Hand ein Beil. Ein kräftiger Schlag ins Genick und die 36-Jährige Mutter ist tot.

Ungewöhnlich viele Fälle von Mord und Totschlag schreckten in den vergangenen Monaten die Schleswig-Holsteiner auf. "In den letzten zehn Jahren haben wir keine solche Häufung an Kapitalverbrechen verzeichnet", sagt Oberstaatsanwalt Kuno Fischer über den Landgerichtsbezirk Kiel. "Ich habe dafür keine Erklärung."

Trotz zunehmender Gewalt: Schleswig-Holstein ist ein sicheres Bundesland

Die Kriminalstatistik für 2007 liegt erst im März, doch schon jetzt steht fest: Gegenüber 2006 ist die Zahl der Gewaltverbrechen deutlich gestiegen. Thomas Giebeler vom Innenministerium spricht gegenüber Schleswig-Holstein am Sonntag von 30 Prozent Steigerung - allein im Kieler Raum. Die meisten Taten gab es im Dezember 2007 - mehr als ein Dutzend Menschen wurden getötet. "Die meisten Morde sind Beziehungstaten, die im persönlichen Umfeld stattfinden", sagt Giebeler. So war es in Darry, wo eine psychisch kranke Mutter ihre fünf Kinder tötete oder in Neumünster, wo ein Polizist seine Frau, ihren Liebhaber und anschließend sich selbst erschoss.

Auch wenn die Zahl der Tötungsdelikte im Vorjahr zugenommen hat, gibt laut Innenmisterim keinen Grund zur Besorgnis. Giebeler: "Durch einen Fall wie Darry lassen sich keine Rückschlüsse auf eine veränderte Sicherheitslage in Schleswig-Holstein ziehen". Mit 1,7 Fällen von Mord und Totschlag auf 100.000 Bewohner lag Schleswig-Holstein 2006 in der polizeilichen Kriminalstatistik am weitesten unter dem Bundesdurchschnitt von 3,0 Fällen.

Kriminologin: Medienrummel erweckt den Eindruck größerer Gewalt

Auch die Kieler Rechtsprofessorin Monika Frommel relativiert die Lage: "Früher wurde mehr geprügelt und gemordet. Heute leben wir in einer Gesellschaft, in der sich die Menschen relativ stark im Griff haben." Das zeigt auch die Kriminalstatistik der Polizei. Seit 1974 ist die Zahl an Tötungsdelikten in Schleswig-Holstein von 111 Fällen auf 47 in 2006 zurückgegangen. "Ein Zivilisationsgewinn", sagt Frommel. Doch warum nimmt die Gesellschaft dies so nicht wahr? "Es gibt weniger Fälle, über die aber mehr berichtet wird als früher. Kinder sind zum Beispiel nicht häufiger Opfer, es ist nur mehr darüber zu lesen", erläutert die Kriminologin.

Auch in diesem Jahr haben schon wieder vier Fälle für Schlagzeilen gesorgt: In der ersten Januarwoche soll ein 35 Jahre alter Mann seine Freundin getötet haben. Am 28. Januar wurde in Flensburg der Familienvater Dirk K. (50) erschossen, auf die Bahngleise gelegt und von einem Zug überrollt. In Husum hat am 2. Februar ein Mann (52) seinen Sohn (25) mit zwei Messerstichen ins Herz getötet. Am vergangenen Donnerstag wurde eine 79-jährige Frau tot in ihrer Wohnung in Wentorf (Kreis Herzogtum Lauenburg) gefunden. Die Polizei fahndet nach ihrem 58-jährigen Sohn, der im Verdacht steht, sie erstickt zu haben. Er hatte bei der Leiche einen Abschiedsbrief hinterlassen.


 

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