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Mediengrummel
Härter als der Hartplatz
Manch ein Fußballfan leidet derzeit darunter, dass er zum Millionen-Geschacher seines Vereins - mal wieder - nicht gefragt wird. Aber noch härter trifft ihn die bevorstehende fußballfreie Zeit. Kein Kick im Fernsehen, stattdessen Übertragungen allerlei exotischer Leibesübungen, die das trostlose Fußballfasten erleichtern sollen: Da ballern Menschen Bälle über Netze statt ins Tor, andere hüpfen in großen Stadien in Sandkisten hinein, fahren mit lärmenden Autos im Kreis herum oder quälen sich auf verkehrsuntauglichen Fahrrädern über Berge. Das ist die Zeit, in der die Südtribüne im Dortmunder Westfalenstadion sogar für ein Frauenfußballspiel dankbar wäre.
Aber soweit muss es ja nicht kommen, es gibt Alternativen. Beispielsweise auf hartplatzhelden.de. Die Internetseiten dreier "Fußballverrückter" zelebrieren Handy-Videos von Kreis- und Bezirksligen. Tore wie in Barcelona und Zweikämpfe wie beim FSV Bentwisch. Filmchen, die im Vollbildmodus aussehen, als kämen sie von einem fernen Fußballplaneten. Nicht nur Tore, auch die Aufschreie der Zuschauer werden gelegentlich in Zeitlupe mitgeliefert. Fußball, der unter die Haut geht.
Hier sind ganze Kerle gefragt
Hier geht's nicht um Kicker-Millionäre, die ihr Geld am liebsten im Rumstehen verdienen möchten; oder Trainer, die in festlichem Anzug auf den Platz stolzieren, als müssten sie gleich nach dem Fußballspiel mit einem Blumenstrauß zu Schwiegermutters Geburtstag verschwinden. Bei hartplatzhelden.de sind ganze Kerle gefragt, die's zudem nicht nur in den Beinen haben. "Es war ein 'Eier'-Spiel, und die dicksten hatte wieder mal Aki Laband, unser polnischer Strauchdieb. Er ist ein Typ, den man gar nicht oft und fest genug in den Arsch treten kann… Keine Woche her, dass ich mit feuchten Augen an dieses Spiel zurückgedacht habe", beschreibt ein Trainer die Liebe zu seiner Kreisligamannschaft.
An anderer Stelle wird von einem "technisch beschlagenen Spieler" berichtet, der "den 3000-Meter-Test in einer Zeit läuft wie manch anderer das rückwärts schaffen würde". Oder von Fußballhaudegen "am unteren Ende der Skala Stehgeiger, für die die Sportmedizin das Etikett 'untrainiert' - das ist ein Level über 'pathologisch' - vorsieht." Fußballpoesie, in der man sich wiedererkennt, von Feinsten!
Härter als Hartplätze sind nur noch die Herzen schwäbischer Funktionäre. Der Württembergische Fußballverband (WFV), der zum DFB gehört, hat gegen die Internetplattform der Amateurfußballer geklagt und erreicht, dass Handyfilmchen von Mannschaften aus seinem Hoheitsgebiet nicht mehr übertragen werden dürfen. Nicht mit uns, sagen die Hartplatzhelden: "Der Fußball gehört nicht den Verbänden, sondern denjenigen, die ihn spielen." Sie wollen nicht aufgeben. Die Internetseite ist jetzt für den Grimme-Online-Award nominiert. Glückwunsch zum Auswärtssieg – und alles Gute fürs Rückspiel gegen den WFV!
Leserkommentare
Es ist schon, gelinde ausgedrückt, eine Schweinerei, wie hier die Helden des Fußballalltags auf dem Altar des Kommerzes geopfert werden sollen. Die Solidarität mit den Hartplatzhelden nimmt zu. Jetzt auch bei Facebook. Verdient haben sie es allemale.
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Mein Glückwunsch geht auch an den Autor dieses Berichtes, an die Hartplatzhelden sowieso.. Die Hartplatzhelden sind es wert, unterstützt zu werden, schaut dort außer den Videos, wie z.B. das Siegervideo des April-Awards (so ein Tor sieht man nicht mal im Fernsehen), auch die Rubriken Prozess und Spenden an und stimmt beim Publikumspreis des Grimme-Online-Awards für die die Hartplatzhelden (siehe unter www.hartplatzhelden.de).