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An Bahngleise gekettet

Friedensaktivistin erwartet Strafverfahren in Husum

26. April 2009 | Von Rieke Beckwermert, Schleswig-Holstein am Sonntag

Hanna Poddig wollte einen Militärtransport blockieren.

Im Februar 2008 sorgte Hanna Poddig für Furore: Sie kettete sich an Gleise, um einen Militärtransport zu blockieren. Jetzt erhielt sie einen Strafbefehl.

Husum / Berlin. Nein, sie will sich nicht still und heimlich verurteilen lassen: Hanna Poddig, 23, Friedensaktivistin. Im Februar 2008 kettete sie sich in Nordfriesland an Bahnschienen, um so einen Transportzug der Bundeswehr aufzuhalten. Sie hatte in Ohrstedt-Bahnhof ein Stahlrohr unter der Schiene hindurchgeschoben und ihre Handgelenke darin angeschlossen. Das Militär war auf dem Weg vom Luftwaffendepot in Oster-Ohrstedt zu Manövern an der polnischen Grenze. 112 Waggons mit 332 Fahrzeugen sollten in dieser Zeit zum Truppenübungsplatz Jägerbrück in Brandenburg gebracht werden. Dort sollte der Einsatz als Nato-Response Force trainiert werden, die schnelle Eingreiftruppe.

Hanna Poddig wollte mit ihrer Aktion auf die ihrer Meinung nach "kriegerischen Einsätze der Bundeswehr im Ausland" aufmerksam machen. Sie und vier weitere Aktivisten aus mehreren Bundesländern hielten den Transport eines beladenen Zuges um vier Stunden auf. Mit einer Flex beendeten Feuerwehrleute schließlich die Blockade, Hanna Poddig blieb unverletzt.

Bahn: "Wir werden die Kosten einklagen"

Jetzt hat die Aktivistin wegen ihrer Aktion einen Strafbefehl über 90 Tagessätze zu acht Euro erhalten: 720 Euro. Die Vorwürfe: Störung öffentlicher Betriebe und Nötigung. Da durch die Blockade der Bahnverkehr auf der eingleisigen Strecke zwischen Husum und Schleswig einige Stunden unterbrochen war, kommt auf Hanna Poddig zusätzlich eine Forderung über insgesamt 16.000 Euro zu, die sich aus den Kosten für den Einsatz der Helfer sowie Ansprüchen der Nord-Ostsee-Bahn und der Deutschen Bahn zusammensetzt. Eine Bahn-Sprecherin: "Wir werden die Kosten einklagen, sobald ein Urteil gefällt und die Aktivistin schuldig gesprochen ist."

All das schreckt die 23-Jährige, die zurzeit in Berlin lebt und sich gegen Gentechnik einsetzt, nicht. "Ich habe Einspruch gegen den Strafbefehl gelegt und bereite mich auf das anstehende Verfahren am Amtsgericht Husum vor." Sie werde den Prozess nutzen, um "auf die Machenschaften der Bundeswehr und der Nato hinzuweisen und deren Propaganda zu entlarven", so Poddig. Ihre Argumentation: "Unter dem Deckmantel der Friedenssicherung und der humanitären Hilfe wird die Bundeswehr weltweit als Werkzeug zur Absicherung der ausbeuterischen Wirtschaftsverhältnisse eingesetzt."

Ihre Aktion an den Bahnschienen in Nordfriesland hält Friedensaktivistin Hanna Poddig übrigens nach wie vor für "richtig und wichtig", so Poddig. "Vielleicht mache ich so etwas auch wieder".


 

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