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CO2-Einlagerung im Untergrund
"Es geht hier nur ums Geld"
Werner Asmus gehört zu den Gründern der Bürgerinitiative, die gegen ein CO2-Endlager in Schleswig-Holstein kämpfen. Foto: Emse
Wallsbüll. Eigentlich sei er ja ein konservativer Hund, behauptet Werner Asmus. Doch das war einmal. Seit Mai diesen Jahres hat sich das Weltbild des 63-jährigen Bauern grundlegend gewandelt. Schuld ist eine Technologie, die sich CO2-Capture-And-Storage, kurz CCS nennt und bei der klimaschädliches CO2 in tiefer gelegene Erdschichten verpresst werden soll.
In seiner Funktion als Bürgermeister der Gemeinde Wallsbüll (Kreis Schleswig-Flensburg) war Werner Asmus Anfang Mai diesen Jahres zu einer Informationsveranstaltung der RWE-Dea geladen worden. Man habe ihm und seinen Amtskollegen dort erklärt, dass ab Oktober auf dem Gebiet ihrer Gemeinden seismische Voruntersuchungen gemacht werden sollten. Ein letzter Test vor der späteren Endlagerung tief unter ihren Häusern und Äckern.
"Das war eine reine Schnittchen-Veranstaltung", sagt Asmus im Rückblick. Völlig unaufgeregt hätten die RWE-Vertreter den Anwesenden erklärt, sie würden eine CO2-Pipeline von Köln in den Norden bauen, und das Gas dann dort in tiefer gelegenen Erdschichten verpressen. "Die meinten, das sei eine feine Sache und wir retten hier den Rest der Welt vor der Klimakatastrophe", ärgert sich Asmus noch heute. Zudem hätten die Konzernvertreter bei den leisesten Anzeichen von Gegendruck sofort gedroht, man könne auch ohne Probleme nach Norwegen ausweichen, wenn die Schleswig-Holsteiner diese Vorzeigetechnik nicht wollten.
Schnell war klar: "Wir wollen das nicht!"
Erste Zweifel an dem Gehörten kamen dem Wallsbüller Bürgermeister bereits an jenem Infoabend. Nach weiteren Gesprächen zu Hause traf Asmus sich Mitte Mai mit 15 weiteren "engagierten Leuten im Dorfkrug", um die Lage zu besprechen. Schnell war klar: "Wir wollen das nicht!" Die Widerständler gründeten die "Bürgerinitiative gegen das CO2-Endlager".
Gleichzeitig informierte sich Asmus, der heute der Sprecher der Initiative ist, weiter über die CCS-Technologie. Ein mühsames Unterfangen, wie er sagt, denn die Wahrheit käme nur bruchstückhaft ans Licht. Doch bei dem, was er bislang herausgefunden habe, könne ihm "nur Angst und Bange werden". Als wichtigsten Beleg dafür, dass CCS nicht so ungefährlich ist, wie RWE und einige Wissenschaftler behaupten, dient Asmus eine Bundesdrucksache zu dem Thema, "in der explizit auf die Gefahren hingewiesen wird" (Download hier). So könne CO2 wieder aus dem Erdreich aufsteigen, was ab einer gewissen Konzentration in der Luft für den Menschen tödlich wäre. Das Gas könnte sich mit dem Grundwasser vermischen und aus genießbarem Wasser eine Säure entstehen lassen. Diese wiederum könnte massive Auswirkungen auf die Bodenbeschaffenheit haben. "Die Befürworter meinen, sie könnte so reagieren, dass da unten Gips entstünde. Das wäre der günstige Fall", erläutert der Sprecher der Bürgerinitiative. "Die Warner befürchten jedoch, dass die Säure das Deckgebirge anknabbert, dieses einbricht und Schleswig-Holstein so tiefer gelegt wird."
"Die wissen genau, wie gefährlich das sein kann"
Darüber hinaus könnte es zu einem Imageschaden für die Landwirtschaft kommen, weil die Produktionsflächen sich in einer Endlagerregion befänden. Der Fremdenverkehr könnte drastisch zurück gehen, denn: "Wer macht schon Urlaub in einer Endlagerregion?" Und schließlich würden die Immobilienpreise unter diesen Voraussetzungen wegbrechen, mahnt Asmus.
Weitere Probleme sieht der Bürgermeister bei der Pipeline, die durch Korrosion porös werden könnte, so dass CO2 austräte. "Die empfehlen ja sogar extra, die Trasse nicht durch Senken zu legen, sondern so, dass der Wind das Gas dann gleich verflüchtigt. Die wissen genau, wie gefährlich das sein kann", empört er sich.
Und was ist mit dem Argument, dass CCS erforderlich sei, um das Klima zu retten? In den Augen Asmusens ist dieses Argument haltlos. Er hält CCS für eine rückwärts gewandte Technologie, die allein dazu geschaffen worden sei, die Klimakiller Nummer eins am Laufen zu halten: Kohlekraftwerke. Dabei seien diese als Energiequellen überhaupt nicht effizient, geschweige denn nachhaltig. "Durch CCS wird der Wirkungsgrad der Kraftwerke um 30 Prozent gesenkt, da diese Energie für die Verpressung aufgebracht werden muss", erläutert der Bauer, der zunehmend zum CCS-Fachmann wird. "Das bedeutet, dass jedes dritte Kraftwerk allein für den Erhalt dieser Technik laufen muss." Dabei gebe es mittlerweile Alternativen. Und zwar schon jetzt, und nicht erst, wie von den CCS-Befürwortern behauptet, in 50 Jahren. "Wir haben in Schleswig-Holstein ein Energieangebot von zum Teil 180 Prozent", sagt Asmus. Die Windbauern wüssten gar nicht wohin damit und hätten bislang nur die Alternative, ihre Mühlen abzuschalten. "Doch statt da das Geld reinzustecken und über mögliche Speicher zu forschen, liegt dieser Bereich lahm. Alles für CCS", schimpft er weiter.
CCS - ein Freibrief für mehr Kernkraftwerke?
Für Werner Asmus ist die Sache eindeutig: In der Frage des CCS geht es nicht um Klimaschutz, das sei nur ein vorgeschobenes Argument. "Es geht hier nur ums Geld!" Und: "CCS ist ein Angriff der Großkonzerne auf die alternative Energie." Wie sonst ließe sich erklären, dass dort, wo die Energiekonzerne Endlagerrechte haben, keine einzige Windmühle mehr errichtet werden darf? "CCS", ist Asmus überzeugt, "ist für RWE und Co. ein Freibrief für mehr Kernkraftwerke." Zudem mache es die Kohlekraftwerke für die Betreiber billiger. Denn noch müssten sich die Konzerne für teures Geld Emissionsrechte kaufen. Das sei beim Verpressen dann nicht mehr erforderlich. So stellten die Konzerne sich dem Energiewandel in den Weg.
PDF-Downloads zum Thema:
EU-Richtlinie zur Einlagerung von CO2 (englisch)
Stellungnahme des Sachverständigenrates für Umweltfragen zum Thema
Mittlerweile hat die Bürgerinitiative über 3000 Mitglieder - und einen ersten Sieg zu verbuchen: Das für Anfang Juli geplante Gesetz zur CCS-Technologie wurde von der Bundesregierung auf Eis gelegt. Ausruhen könne man sich auf diesen Lorbeeren aber nicht, mahnt Asmus, der für kommenden Mittwoch zum nächsten Stammtisch ruft. Nach der Bundestagswahl käme das Thema mit Sicherheit wieder auf den Tisch. Und dann werde es spannend, da die Politiker keinen Wählerwillen mehr zu fürchten hätten und die Konzerne bereits mit dem Abzug von Forschungsgeldern drohten. "Ich war wirklich mal ein konservativer Hund", sagt Werner Asmus von sich. Mittlerweile fragt er sich jedoch, ob nicht das doch das Geld die Welt regiere - und hält Vorträge bei den Grünen.
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