CO2-Lager unter der Geest

Flensburgs Wasser in Gefahr

23. November 2009 | 04:50 Uhr | Von Carlo Jolly

Bei bestem Wetter in Sankemark: Peter Gerling, Alexander Schmeickel, Ernst Kern, Broder Nommensen, Rolf Kreibich (v.l.).

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Salzwasser-Alarm: Wasserverbände und Wissenschaftler befürchten, dass Flensburgs Trinkwasser-Qualität massiv unter einem CO2-Endlager in der Geest leider könnte.

Flensburg. Als die Bürger auf dem Lande im Frühjahr längst auf den Barrikaden waren gegen ein CO2-Endlager tief unter dem Geestboden, regte sich in Flensburg aus Kommunalpolitik und Bevölkerung noch nichts. Womöglich eine große Fehleinschätzung: Wasserverbände und Wissenschaftler befürchten mittlerweile, dass ausgerechnet das Trinkwasser in Flensburg und Umgebung am stärksten gefährdet sein könnte, wenn in salzwasserführenden Schichten 1000 Meter unter der Geest westlich von Flensburg ein solches Lager käme.

Ernst Kern, Geschäftsführer des Wasserverbandes Nord, ist jedenfalls nach etlichen Gesprächen und Fach-Veranstaltungen mit Geologen und Wasserwirtschaftlern mehr als besorgt, falls der Energiekonzern RWE seine CCS-Technologie (Carbon Capture and Storage - Abspaltung und Einlagerung von CO2 aus Kohlekraftwerken) im nördlichen Schleswig-Holstein doch noch testen und umsetzen dürfte: "Das Trinkwasser wird hier aufs Spiel gesetzt", klagt Kern. Grund: Während Geologen die Erdschichten unter der Geest für "tektonisch stabil" und durch die Erdgeschichte unverletzt ansehen, gebe es ausgerechnet an der Ostküste erdgeschichtliche Störungen, die sich in Nord-Süd-Richtung von der deutsch-dänischen Grenze nördlich von Flensburg über Tarp und Sieverstedt nach Süden ziehen: den sogenannten "Tarper Trog" und die "Sieverstedter Störung".

Müssen die Wasserwerke Oeversee und Flensburg aufgegeben?

Niemand wisse heute, ob diese Schichten durch Sedimentation wieder wasserundurchlässig sind - oder ob sie das vom CO2 durch hohen Druck verdrängte Salzwasser durchlassen (es hat rund die zehnfache Konzentration von Nordseewasser: 300 Gramm Salz pro Liter).

Gefährlicher als das CO2 selbst könnte demnach das verdrängte hochkonzentrierte Salzwasser sein. Landes geologe Dr. Broder Nommensen hatte jüngst vor Wasserwirtschaftlern die Auswirkungen eines denkbaren Radius von rund 25 Kilometern vom CO2-Lager gezeigt: Dieser reichte genau bis in die Flensburger Innenstadt. Nommensen: "Dieser Salzwasseraufstieg könnte zur Folge haben, dass die Wasserwerke Oeversee und Flensburg aufgegeben werden müssten."


 

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