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Peter Harry Carstensen

CO2-Pläne in Eggebek "unsensibel"

28. August 2009 | 08:46 Uhr | Von hun

Peter Harry Carstensen. Foto: Bandixen

Beim Redaktionsgespräch in Husum kritisierte Ministerpräsident Carstensen ein CO2-Lager-Projekt der Uni Kiel. Er erteilte der CO2-Deponierung eine generelle Absage.

Die jüngsten  Ereignisse in Eggebek waren nicht im Sinne des CDU Spitzen-Kandidaten. Dort hatten Kieler Forscher geplant, drei Tonnen des "Klimakillers" CO2 auf einem ehemaligen Flugplatz-Gelände einzulagern, um zu untersuchen,  welche Folgen sich für das Grundwasser ergeben. Das Vorhaben soll inzwischen vom Tisch sein. Als "unsensibel" kommentierte es Carstensen, dass ein solches Projekt in einer "aufgeheizten Atmosphäre" überhaupt realisiert werden sollte. 

Die CDU erteilt einem CO2-Endlager in Schleswig-Holstein eine klare Absage. "Es kann nicht laufen, wenn Menschen in dieser Geschlossenheit - über alle Parteien und Berufe hinweg - ein solches Endlager nicht wollen und Ängste haben", sagte Carstensen. "Mit mir wird es eine CO2-Deponierung auch nicht zu Demonstrationszwecken geben", vervollständigte Peter Harry Carstensen  seine Position.

"Ich bin nicht immer dagegen gewesen", verschwieg er ehrlicherweise nicht und meinte die "CCS-Technologie". (CCS steht für "Carbon Capture and Storage" - Abscheidung, Transport und Speicherung von Kohlendioxid.) Aber: "Wir sind von der Wissenschaft aufgefordert worden, etwas zu tun." Und die Europäische Union habe Mittel zur Verfügung gestellt. Wenn es ein CCS-Gesetz geben müsse, werde Schleswig-Holstein im Bundesrat mit Nein stimmen, kündigte er an.

Biogas - Solar - Wind

Auch zum Thema Energie äußerte sich der Ministerpräsident. Ich habe schon von Anfang an befürchtet, dass es zu Diskussionen über die Privilegierung von Biogasanlagen kommen könnte", sagte der er und fügte hinzu, dass er nicht ausschließe, dass diese Thematik immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit rücke. Die Kreisverwaltungen von Schleswig-Flensburg und Nordfriesland  überlegen einen gemeinsamen Vorstoß in Kiel, um diese Regelung zu kippen.  Aber, so unterstreicht Carstensen, mit Biogasanlagen werde auch Geld in der Region verdient, dies sei sehr wichtig. Und er wolle nicht ausschließen, dass die Privilegierung von Biogasanlagen eines Tages erneut auf den Prüfstand müsse.

Eine solche Regelung für aus Sonnenkraft produzierten Strom lehnt Carstensen aber ab. Bislang müssen nämlich für großflächige Photovoltaikanlagen die Gemeinden einen Flächennutzungs- und einen Bebauungsplan aufstellen.  Dadurch fühlen sich die "Solarstromer" in die zweite Reihe versetzt. Bislang, so der Ministerpräsident, sei es möglich, ohne jede Genehmigung ein Hausdach mit einer Anlage zu versehen, nicht aber größere Anlagen in die Landschaft zu stellen. Bei einer Privilegierung der Solarkraft sieht er die Gefahr, dass  auch in unmittelbarer Nähe von Gebäuden die Landschaft zugestellt werde. Allerdings sei es auch nicht richtig, dass, wie heute üblich, in der Landschaft überall "nur Dächer" gebaut werden, um mit Solarzellen Strom erzeugen zu können.

Darüber hinaus muss es Ziel bleiben, den Windkraft-Standort Nordfriesland auszubauen, so der CDU-Landesvorsitzende. Seine Partei ist dafür, die Eignungsflächen für Windenergie im Lande auf mehr als ein Prozent aufzustocken (von bislang 0,75 Prozent) - "aber behutsam" und vor allem da, wo auch Wind weht. Eng verknüpft mit dem Ausbau der Windkraft-Standorte ist für Peter Harry Carstensen ein vernünftiger Netzausbau. Aber der sei auch eine Frage der Kosten. Dennoch: "Wir werden uns deutlich gegenüber Eon positionieren."

Windkraft ist für ihn jedoch nur eine Säule: "Wir brauchen andere Energieformen", will der Spitzenkandidat  auch in Zukunft auf Atomkraft setzen - "ich halte die Beschränkung der Laufzeiten für falsch" - und alte durch  neue Kohlekraftwerke ersetzen.


 

Leserkommentare

 
OSEN 28.08.2009 09:47
Fähnchen im Wind

Lieber Peter Harry Carstensen,
immer schön die Fahne in den Wind halten. Es sind ja bald Wahlen! Wie ein Mensch doch seine Meinung so grundlegend ändern kann....

HOLSTEINER 28.08.2009 10:09
Auch ein MP ist lernfähig

Was ist denn an einer Meinungsänderung zu kritisieren. Wenn der MP seine Meinung nicht geändert hätte, wäre das zu kritisieren gewesen. Das CCS-Gesetz von SPD und CDU war ja nunmal tatsächlich eine Katastrophe. Warum sollen Grundbesitzer faktisch enteignet werden? Warum soll das Land Schleswig-Hosltein nach 20 Jahren komplett haften und nicht der Betreiber? Warum soll Schleswig-Holstein zu einem Endlager von in NRW oder sonst wo in der Republik produziertem CO2 werden?
Ist doch richtig, dass PHC die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger in Bezug auf die unterirdische Einlagerung von CO2 ernst genommen hat.
Was ich dagegen völlig absurd finde ist die Ankündigung des SPD-Kanzlerkandidaten Steinmeier, die Steinkohleförderung zu intensivieren und über das Jahr 2018 hinaus zu verlängern. Statt in Technologien der Zukunft, z.B. erneuerbare Energien zu investieren, will die SPD also weiter Steuermilliarden in die verstärkte Förderung der Stein- und Braunkohle pumpen. Ich dachte, diese Zeiten hätten wir längst überwunden...

MORTUKANE 28.08.2009 10:12
Test-Ballon

Erstmal den Test-Ballon starten und dann sagen: Ich war immer dagegen!

Hält der uns für dämlich?

BERND CARSTENSEN 28.08.2009 10:24
VERGANGENHEIT

Die Vergangenheit der Legislaturperiode hat es uns mehrfach gezeigt:

MP Carstensen hat sich als Lügner geoutet.............

zuletzt mit der HSH Nordbank...

und jetzt hört er auf Volkes Stimme und sagt "NEIN" und nach den Wahlen........

ganz einfach, auf eine Lüge mehr oder weniger kommt es nun auch nicht mehr an...

Wie sagt doch der Volksmund....Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht mehr.....
Wir sollten es umtiteln...wer einmal lügt, den sollte man nicht mehr wählen....

Glaubwürdigkeit, lieber Herr MP Carstensen sieht anders aus...aber sie haben ja Herrn Fielmann und Herrn Striewski im Gepäck, bei dem Einen wohnt man zur Miete und bei dem Anderen feiert man seinen Geburtstag!!!!!!!

Armes Schleswig-Holstein!

Ps. ich korregiere mich in meiner Ausrucksweise....der MP Carstensen sagte die Unwahrheit, oder noch besser ausgedrückt...er kann doch mal seine Meinung ändern :-)

HARRISLEER 28.08.2009 10:24
Unsensibel

Ein Zeitpunkt ist nie unsensibel, wenn mit wahrhaftigen Aussagen in guter Absicht gesprochen wird. Nur wer etwas zu verbergen hat, kann einen unsensiblen Augenblick für eine Äußerung wählen, ggf noch derjenige, der taktisch vorgehen muß, um seine Interessen zu verwirklichen. Wenn es stimmt, was in dem Artikel über die aktuelle! Sichtweise von Herrn Carstensen geschrieben steht, sei die Frage erlaubt, wie eine wahrhaftige Aussage mit guter Absicht für alle Bürgerinnen und Bürger in S-H lautet? Evt. so?: Erst einmal antesten, ob eine Zusammenarbeit mit großer Industrie zu ihrem und Eigen(em)Nutz Widerstand erzeugt und wenn ja, dann beidrehen, wenn nein, dann weitermachen. Hauptsache keine Wählerstimmen verlieren und der eigenen Klientel zu Wohlstand verhelfen. Herr Carstensen kann ja von seinem Hofgrundstück ein Stück zur Verfügung stellen, um 3 Tonnen CO2 für die Forschung einzugraben. Ein geeigneter Mietzins wird sicherlich in den Forschungsmitteln eingeplant sein.

PETER GOTTWALD 28.08.2009 10:36
naja

die Uni für unsensibel in dieser Frage zu halten, ist sicherlich ein Standpunkt, der konsensfähig ist. Die Frage ist aber eine andere ... irgendwer muß ja Genehmigungen erteilt haben, sonst wäre die Uni garnicht auf so eine unsensibele Idee gekommen. Da anzunehmen ist, daß natürlich auch das Land bei einer solchen Genehmigung nen Wörtchen mitzureden hat, darf die Frage erlaubt sein, was wußte die Landesregierung von der geplanten Versuchsanlage und wieso hat die Landesregierung nicht massiv probiert diese zu verhindern, als sie in der Frage CCS umgeschwenkt ist?
Ausweitung von Windparks ... ne scheune Idee, und der Landesregierung kann man nicht vorwerfen, daß sie keine Ahnung davon hat, woher der Wind weht ... da ist PHC schon Speziallist ... Nur, wäre es nicht mal langsam Zeit, daß das Land die Kompetenz, wo was hinkommt, den Gemeinden gibt, denn die kennen sich im allgemeinen viel besser aus, als die Jungs und Mädels in Kiel. Dann könnte es auch die Akzeptanz der Bevölkerung wesentlich verbessert werden.

DER EIDERSTEDTER 28.08.2009 10:56
Kompetenzen an die Kommunen...

...ist ein hochinteressanter und unterstützenswerter Ansatz, auch über Standortplanungen hinaus. Die Kommunen sind von Natur aus schon dichter am Bürger, als es der Landtag je sein kann. Ist übrigens auch eine Möglichkeit, endlich mal die Landtag auf eine angemessene Größe zurechtzustutzen. Also, welche Partei ist bereit, sich dafür einzusetzen? Wer sich zuerst meldet, bekommt auch etwas dafür. Es müssen ja nicht immer Geld und Pöstchen sein.

TORSTEN 28.08.2009 11:36
Peinlich!

Als Schleswig Holsteiner kann man sich eigentlich nur noch schämen.

So sieht die Berliner Zeitung die Kompetenz unseres Ministerpräsidenten - dort hat auch kein Chefredakteur einen Orden vom Regierenden Bürgermeister erhalten!

www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0815/meinung/0104/index.html

HARRISLEER 28.08.2009 11:48
@Torsten

Wenigstens ehrlich!

Wirklich peinlich.

GUSTAV 28.08.2009 15:48
Wahrheit

Unterstellen wir einmal das unser MP, zumindest in diesem Fall, NICHT lügt, sondern tatsächlich die Wahrheit sagt und aus Überzeugung seine Meinung zu CCS geändert hat. Was bringt`s? Sobald das CCS-Gesetz wieder auf der Tagesordnung steht und Tante Angela ihn ganz böse anguckt, wird er dem Zustimmen. Denn das die Kanzlerin ihn lieb hat ist ihm wichtiger als sein Ruf in der Bevölkerung Schleswig-Holsteins. Denn hier ist er für sehr viele ja `eh nur noch der Bierzeltkasper.

HELGE BALTZ 28.08.2009 20:38
S.O.S.

Typisches Politikergelaber.
Vor der Wahl der übliche Versuch, sich noch schnell als Volksvertreter darzustellen.
Nein nein, unsere Stimmen bekommt die Klicke "Carstensen" nicht.

NORMAN 30.08.2009 13:28
@ Der Eiderstedter

Welche Partei will sich dafür einsetzen, dass mehr Kompetenzen an die Kommunen gehen? Die FW-SH (Freie Wähler) hat genau das als ihr zentrales Anliegen.



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