TOP-THEMA
Unwetter
Blitzschlag: Flensburg war stromlos
"Schattenmann": In der Buchhandlung "Weiland" wartet ein Verkäufer darauf, dass das Licht wieder angeht. Foto: Dewanger
Der Blitz schlug in eine 150.000-Volt-Leitung ein - da gingen in Flensburg und Glücksburg die Lichter aus. Ab 11.20 Uhr war fast die gesamte Förde stromlos. "Wir beziehen aus ökonomischen Gründen unseren Strom im Sommer aus Dänemark. Das Transportkabel zwischen Apenrade und Flensburg wurde getroffen", berichtet Peer Holdensen, Sprecher der Flensburger Stadtwerke. "Jetzt müssen wir unser eigenes Kraftwerk erst mal anfahren. Das kann bis zu einer Stunde dauern."
Die Zeit verbrachten viele Passanten in der Flensburger Innenstadt notgedrungen mit Warten - sofern sie konnten. Die Einkaufspassage "Flensburg Galerie" wurde geräumt. "Das sind Sicherheitsmaßnahmen, die wir routinemäßig treffen, wenn der Strom ausfällt", sagt Ted Walle vom Center-Management. "Die Notbeleuchtung reicht nicht aus und niemand von uns möchte verantworten, dass ein Besucher stürzt und verletzt wird." Mehrere tausend Menschen waren nach Walles Schätzung im Einkaufszentrum. Alle verließen ruhig das Gebäude - nur ein paar Verkäufer blieben in den Läden zurück. "Wenn der Strom wieder angeht, muss ja jemand da sein", so Wallet.
Taschenrechner und Block statt Kasse
Bei Karstadt hingegen ging der Verkauf trotz Stromausfalls weiter. Hier sollten zwei Diesel-Notstrom-Aggregatoren laufen. Dummerweise wurde ausgerechnet heute ein Aggregat gewartet und stand deshalb nicht zur Verfügung. Die Folge: Nicht alle Kassen funktionierten, im Lebensmittelmarkt wurde wie zu guter alter Zeit mit Taschenrechner und Block kassiert. Die Kunden halfen sich gegenseitig mit Wechselgeld aus.
In der "Holmpassage" haben es sich Anna Bruhn und Dorina Matzeit mit Sohn Finn aus Hamburg gemütlich gemacht. In einem Café genießen sie bei Kerzenschein ein paar Süßigkeiten. "Eigentlich würden wir jetzt einkaufen - Gummistiefel zum Beispiel", erzählt Matzeit, während der Regen auf dem Glasdach des Einkaufszentrums prasselt. Der einjährige Finn macht sich nichts daraus, dass alles dunkel ist. "Wir sind ganz gelassen, das überträgt sich auf ihn", sagt die Mutter.
Kein Gratiseis - trotz ausgefallener Kühlung
Auch sonst ist es ruhig in dem Einkaufszentrum. Die Menschen nutzen alle Sitzgelegenheiten und warten ab. Inke Wenzel (18) hat ihre Eistheke abgedeckt, ein Notstromaggregat hat sie nicht. "Ich find's doof, nicht mal meine Kasse geht", sagt sie. Immer wieder kommen Kunden und fragen nach Gratis-Eis. Doch das gibt es bei Wenzel nicht. "Wenn ich die Abdeckung abnehme, halte ich das Eis nicht mehr." Wie lange es "zugedeckt" kalt bleibt, weiß die Verkäuferin nicht. "Ich hoffe, es dauert nicht allzu lange."
Inzwischen hatten die Flensburger Stadtwerke ein anderes Versorgungskabel aktivieren können. Um 11.45 Uhr gingen die Lichter in den ersten Stadtteilen wieder an, um 12.15 Uhr war der Strom überall wieder da.
Leserkommentare
Ganz schön abhängig von Strom ;-)
also westlich höhe hat es dreimal geflaggert,aber wir hatten die ganze zeit strom.
Ebenfalls nur etwas Flackern, aber kein Ausfall.
Die Große Straße hatte fast eine Stunde keinen Strom - und Handy ging auch nicht! Ist schon komisch, das man ohne Strom gar nix machen kann! :-)
im junkerholweg und bergsrasse auch stromausfall
Hatte die ganze Zeit Strom.. nur 2-3x hats kurz geflackert.
Was mich mal interessiert.. wir schreiben das Jahr 2008.. vor x Jahre schon erklärte die Stadtwerke mir mal, dass Stronausfälle unwahrscheinlich sind, weil alles immer redundant läuft und doppelt und dreifach abgesichert sei..... "StromNETZ" hieß es.. wann zwischen a und b eine Leitung ausfällt, ist da noch c, dass auch mit a verbunden ist...
Und nun geht 1 Kabel kaputt und alles geht aus !?
Komisch... Danke, liebe Stadtwerke, dass ihr trotz der vielen Stromnachzahlungen und Millionengewinne nicht dazu im Stand seid, die Stromversorgung mindestens einfach abgesichert Sicherzustellen...
MfG!
hallo,
schlimmer find ichs ,dass sogar telefon und z.t. handy nicht funktionieren....was wenn mal not an mann /frau....gerade ältere mitmenschen mit notrufanlagen ,welche leider stromabhängig,sind ja total auf sich gestellt......
früher ging wenigstens noch die telefonleitung....
warum eigentlich jetzt nicht mehr?
schönes we! :)
Das Gewitter und die möglichen Auswirkungen gerade auf die exponierten Hochspannungsleitungen waren versehbar.
Es ist unverständlich, dass die Stadtwerke sch auf ihrem Urlaubstörn ausruhen und das Kraftwerk nicht frühzeitig hochfahren. Die Versorgung einer ganzen Region auf einer Leitung anstatt zumindest zwei redundanter Letungen zu fahren ist grob fahrlässig. Hier hätte ich wesentlich mehr Professionalität erwartet.
Ich hoffe, dass die Flensburger Firmen, aber auch die politische Kontrole hier für Abhilfe sorgen.
Daneben habe ich aber auch "unprofessionelles" Verhalten bei den Geschäften im Fördepark bemerkt. Wieso dauert das Wiederöffnen bei Aldi und Promarkt über eine halbe Stunde? Notstrom steht zur Verfügung und mit USV und Aufschaltung auf den Notstrom für die Kassenserver wäre etliches scneller gegangen. Das Verhalten würde ich eher als Sparen um jeden Preis bezeichnen. Gerade ein Markt, der Computer verkaufen will, sollte da mit mehr Professionalität an seine Basis-Installation gehen.
Die o.g. Nicht-Verfügbarkeit von Telefon ist der Preis der ISDN-Telefone. Aber eine analoge Leitung sollte im Notbetrieb der Anlage noch funktionieren.
... und die Mobilfunkbetreiber haben wohl auch noch nichts von Notstrom oder redundanter Leitungen gehört.
Mit freundlichen Grüssen
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben. Anmelden
Warum muss ich mich anmelden/registrieren?
shz.de distanziert sich prinzipiell von allen in den Leserkommentaren geäußerten Meinungen ohne Rücksicht auf deren Inhalte. Alle Beiträge in den Leserkommentaren geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen der User wieder.
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien für Kommentare!
Lust auf mehr? Ihre sh:z Tageszeitung jetzt
2 Wochen kostenlos testen.







"Ganz schön dunkel..." ;-)