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Kultur

20. Oktober 2014 | 23:11 Uhr

Eutiner Festspiele : Das freche Treiben eines Wüstlings

vom

Mozarts "Oper aller Opern" wird erst zum dritten Mal im Eutiner Schlossgarten aufgeführt. Gleichzeitig gibt es in hier das Rollendebüt von Titelheld Jorge Lagunes.

eutin | Dass sie Wind und Regen trotzen können, haben die Musiker und Sänger der neuen Eutiner Festspiele am Mittwoch bei der Generalprobe bravourös bewiesen. Angesichts besserer Wetterprognosen müssen sie heute wohl "nur" das normale Lampenfieber vor einer Premiere meistern: Mit Mozarts Oper "Don Giovanni" wird offiziell die 61. Spielzeit auf der Freilichtbühne eröffnet.

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Rund 1000 Zuschauer, die meisten in bunte Regencapes gehüllt, geizten am Ende der Generalprobe nicht mit Beifall für das wetterfeste Ensemble. "So viel Applaus und Bravo-Rufe habe ich hier selten gehört", freute sich Festspiele-Pressesprecher Rainer Wulff. Er steht mit Perücke selber auf der Bühne: In einer eigens für ihn angelegten Sprecherrolle erläutert er als Ich-Erzähler dem Publikum den Inhalt der Szenen, die in der gut dreistündigen Aufführung in der Originalsprache Italienisch erklingen.

Auch für die Premiere, die heute um 20.30 Uhr beginnt, ist rund die Hälfte der 1800 Plätze vergeben, wie Festspiele-Geschäftsführer Marcus Gutzeit gestern sagte. Insgesamt seien für die 26 Vorstellungen dieser Spielzeit jetzt 14 000 Karten verkauft. Besondere Nachfrage gelte neben "Don Giovanni" den für Eutin neuen Angeboten einer "Classic Night" und der Musical-Querschnitte am 12., 13. und 14. August.

"Wir sind mit dem Vorverkauf sehr zufrieden und liegen bei den Einnahmen im Plan", so Gutzeit. Und weiter: "Wir sind sehr optimistisch, dass wir mindestens noch 4000 Besucher mehr anziehen und damit das erste Ziel, die Kosten voll zu decken, erreichen werden."

Das zweite Ziel habe er ebenfalls fest im Blick: "Wir wollen natürlich auch 2012 hier Festspiele ausrichten, damit sich die ganze Mühe zur Rettung der Operntradition in Eutin auch richtig lohnt. Wichtig ist, dass dafür natürlich die Opernscheune und die Freilichtbühne weiter zur Verfügung stehen. Da arbeiten wir dran."

Dass heute überhaupt die 61. Spielzeit auf der Freilichtbühne beginnt, war lange angesichts der Turbulenzen um das zu Neujahr eröffnete Insolvenzverfahren für die alte Eutiner Festspiele GmbH alles andere als selbstverständlich. Eine "Retterkampagne" der Wirtschaftsvereinigung Eutin, zu der die US-Partnerstadt Lawrence mit dem Angebot, ein Sinfonieorchester und eine Opernproduktion ("Hänsel und Gretel") zu schicken, die Initialzündung gab, räumte dann den Weg zum Neuanfang frei. Im Nationaltheater in Prag wurde Mozarts Oper "Il dissoluto punito ossia il Don Giovanni" (übersetzt: Der bestrafte Wüstling oder Don Giovanni) am 29. Oktober 1787 uraufgeführt. Der Komponist schrieb wenige Tage später, dass sie mit "lautestem beyfall" aufgenommen worden sei. Oft als "Oper aller Opern" tituliert, gehört Mozarts Werk zum Standardrepertoire fürs internationale Musiktheater.

Bei den Eutiner Festspielen war der liebes- und lebenslustige "Don Giovanni", den seine alle Konventionen sprengende Triebkraft am Ende im fiktiven Sevilla des 17. Jahrhunderts gruselig dahinrafft, allerdings ein sehr seltener Gast: Nur 1957 und 1966 stand die Oper hier auf dem Spielplan. An die Wiederkehr jetzt nach 45 Jahren Pause knüpfen sich dennoch große Erwartungen: Die frisch formierten Eutiner Festspiele wollen mit einem solide aufgeführten Klassiker zurück in die frühere Erfolgsspur. Entsprechend klassisch hat Regisseur Jörg Fallheier seine Inszenierung angelegt.

Nach mehrfachen Änderungen der Anfangszeiten in den Vorjahren beginnt die Premiere heute zu für die Freilichtbühne altgewohnter Zeit: Um 20.30 Uhr soll Dirigent Rudolf Piehlmayer den Taktstock zur Ouvertüre heben. Er leitet das Sinfonieorchester der in Eutins Partnerstadt Lawrence angesiedelten Universität von Kansas. Mit einem Konzert in der ausverkauften Hasselburger Festivalscheune vor einer Woche haben die jungen Musiker aus den USA dem Publikum einen ersten Beweis ihrer Spielreife geliefert, jetzt müssen sie sich im Opern-Dauerbetrieb bewähren.

Auf der Bühne agieren international versierte Künstler. Titelheld wird in seinem Rollen-Debüt der Mexikaner Jorge Lagunes sein, Typ "Latin Lover" und Bühnenpartner auch schon von Anna Netrebko und Rolando Villazon. Als sein Diener Leporello steht ihm Alik Abdukayumov (Bass) zur Seite, der im Vorjahr bereits in Eutin als Vater Germont in La Traviata überzeugte. In den weiblichen Hauptrollen treten die Sopranistinnen Maria Matos (Donna Anna), Kinga Dobay (Donna Elvira) und Tatiana Larina (Zerlina) auf. Kristof Klorek verkörpert den Komtur, Per-Hakan Precht spielt den Don Ottavio und Haakon Schaub den eifersüchtigen Bräutigam Masetto.

Hinter der Bühne gibt es bewährte Kräfte. Die Chorleitung hat wieder Gabriele Pott, für Licht ist Klaus Emil Zimmermann, für Bühne und Kostüme Ursula Wandaress verantwortlich. Alle waren auch schon früher mit Jörg Fallheier in Eutin tätig.

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erstellt am 15.Jul.2011 | 10:43 Uhr

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