KULTUR
Mörderische Recherche und ein neuer Fall für Commissario Laurenti
Weil alle Welt glaubt, mit dem Verfassen eines Krimis oder eines Thrillers könne man nichts falsch machen, das lese und verkaufe sich von selbst, sei auch hier an das Prinzip der Gaußschen Normalverteilung erinnert: Es gibt immer ebenso viel gute wie schlechte wie durchschnittliche Bücher.
Zwei der Art, die man kaufen könnte, sind gerade erschienen. Sie reichen für ein verlesenes Wochenende aus, noch bevor die Gartenarbeit wieder anfängt. Die "Kritik der mörderischen Vernunft" schrieb Jens Johler, Berliner Autor, der 1944 in Neumünster geboren wurde. Sein Buch kam gerade bei Ullstein heraus (Berlin 2009). Der Titel ist schlau gewählt und findet seinen Sinn im Plot: Der Berliner Wissenschaftsjournalist Troller hält sehr viel auf die durch Immanuel Kant definierte Freiheit des Willens, recherchiert aber auch im Milieu der Gehirnforscher. Dort trifft er auf Erkenntnisse, Ergebnisse und Forschungen, deren politisch-gesellschaftliche Konsequenzen weit über die aus Funk und Fernsehen bekannten Dinge hinausgehen. Das Fatale, so merkt Troller, sind die eher zufällig gefundenen Ergebnisse. Und ganz nebenbei erfährt der Leser etwas über die Wirkung von Risotto. Nach "Das falsche Rot der Rose" (2004) hat Johler mit der "Kritik der mörderischen Vernunft" endgültig unter Beweis gestellt, dass er ein großer und kluger Könner im Genre ist.
Veit Heinichen legte gerade bei Zsolnay den sechsten Roman mit seinem Protagonisten Commissario Proteo Laurenti vor: "Die Ruhe des Stärkeren" (Wien 2009). Die Erfolge der Krimiserie - Plätze auf allen möglichen Bestsellerlisten und die Verfilmungen mit Henry Hübchen und Barbara Rudnik - haben den Autor nicht von der Sorgfalt beim Schreiben abhalten können. Die EU-Erweiterung auf dem adriatischen Balkan, illegale Hundekämpfe, Marihuana und Jazz, die ertragreichen Vorbereitungen von weltweiten Finanzkrisen in größerem Stil sind Hintergründe des aktuellen Falls von Laurenti. Das Besondere: Das Buch war fertig geschrieben, bevor der große Crash die Banken im Herbst 2008 schüttelte - man sollte der Klugheit von Schriftstellern beim Blick auf gesellschaftliche Entwicklungen durchaus trauen. Vor allem dann, wenn diese sich mit erstklassiger Schreibkunst verbindet. Diese wiederum verbindet beide vorgestellten Bücher.







