Arne Dahl und die Musik im Krimi
Rendsburg. "Paul Hjelm ist der Schöngeist unter den Ermittlern", meint Wolfgang Butt. Der Übersetzer muss es wissen - schließlich hat der ehemalige Skandinavistik-Professor nicht nur fast alle Krimis von Arne Dahl ins Deutsche übertragen, sondern auch jene von Henning Mankell und Per Olov Enquist. Den Erschaffer von Paul Hjelm könnte man als Schöngeist unter den Krimiautoren bezeichnen: Der Schwede Arne Dahl lotet das Genre Krimi bis an seine Grenzen aus. Am Mittwoch stellte er im Rendsburger Nordkolleg sein neuestes auf Deutsch erschienenes Werk vor: "Dunkelziffer". Es war die erste Station seiner Lesereise durch Deutschland.
"Bevor ich ein Buch schreibe, muss ich ein authentisches Verbrechen finden, das mich empört", beschreibt der 47-Jährige den Entstehungs-Prozess. Über Pädophilie wollte er eigentlich nie schreiben, bekennt der keineswegs blauäugige Mann mit den blauen Augen. Aber "man kann diese Verbrechen nicht verschweigen", meint Dahl.
Wie in den ersten sieben Büchern über das Ermittler-Team für internationale Verbrechen gibt es auch hier "einen Subtext, ein Leitmotiv künstlerischer Art", wie Butt es nennt. "Musik war mir von Anfang an wichtig", erklärt Arne Dahl. In "Totenmesse" zog sich Mozarts "Requiem" durch das ganze Buch. In "Tiefer Schmerz" spielte Miles Davis "Kind of Blue" eine Rolle. In "Dunkelziffer" ist das musikalische Motiv nicht so ausgeprägt. Dafür gibt es einen literarischen Subtext: Josef Conrads "Herz der Finsternis".
Dahl legt viele Spuren in seinen Texten. Und gönnt sich auch die "Spielerei", sich selbst zu zitieren. Gleichzeitig sind seine Beamten der Kriminalpolizei dynamische Figuren, lobt Butt, und es kommen gesellschaftskritische Aspekte zur Sprache: "Diese vielen Ebenen machen die Qualität der Bücher aus."
Buch: Arne Dahl, "Dunkelziffer",
Piper, 415 S., 19,95 Euro
Lesung: Mo., 15. März, 20.30 Uhr, Hamburg, Thalia Buchhandlung,
Große Bleichen 19.
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